Slide

Immer wieder kommt es zu Fragestellungen, wie sinnvoll oder berechtigt die verschiedenen Formen der Kirchensteuern sind. Entsprechend kommt es auch immer wieder zu Abstimmungen in den verschiedensten Kantonen.

Was in all diesen Diskussionen auffällt, ist das Interesse für sich selber und angeblich die Entlastung des eigenen persönlichen oder betrieblichen Kontos von diesen Zahlungen. Dabei spielt die Gesellschaft und das Gemeinwohl fast keine Rolle. So ist es auch eine Frage, wie sehr ich bereit bin einen Beitrag für das Gemeinwohl zu leisten und mich einzubringen zum Wohle der anderen - ohne vielleicht gleich einen direkten Nutzen davon zu haben.

Dabei befremdet mich allerdings auch die Situation der Kirchen. Sie geraten in "Erklärungsnotstand" und beginnen sich zu rechtfertigen wofür die Gelder gebraucht und auch eingesetzt werden: Kulturelles, Soziales, Gebäudeunterhalt von historischen Anlagen usw.
Es stellt sich die Frage: Warum muss dies gesagt werden? Warum ist dies für viele Menschen nicht mehr einsichtig oder erfahrbar? Liegt nicht hierin ein grosses Defizit der Kirchen, dass sie sich oft mit sich selbst beschäftigen und ihr Zeugnis nicht mehr spürbar ist?

Für mich sind die Abstimmungen auch eine riesige Chance des Aufwachens der Kirchen sich wieder vermehrt für das Grundanliegen einzusetzen und sich darin zu engagieren. Dann wird der Sinn und die Existenzberechtigung von Steuerzahlungen an die Kirche auch nicht hinterfragt.

Gerne erinnere mich an ein Erlebnis in meinen ersten Jahren als Pfarrer. In der damaligen Pfarrei gab es in der sogenannten "Antoniuskasse" kaum Geld und es wurde hingewiesen zu diesem Gelde Sorge zu tragen. Doch die Intention der SpenderInnen war, dass dies Geld für Soziales und Bedürftige eingesetzt wird..... - Statt auf dem Geld zu sitzen und zu sparen, haben wir damals dies eingesetzt gemäss dem Gedanken mit den Antoniusgeldern zu helfen. Wir haben darüber öffentlich berichtet indem genannt wurde, was gespendet wurde und was weitergeleitet/vermittelt wurde an Bedürftige. Die Konsequenz davon? Die Menschen haben Gelder gespendet, weil sie gesehen haben, dass damit etwas gemacht wird. "Wer gibt, dem wird gegeben."

Es liegt mir in dieser Thematik des Einsatzes für das Gemeinwohl auch jener Gedanke zur Aussprache auf der Zunge. Können Sie sich noch erinnern wie früher in den Gremien der politischen Gemeinde, der Schulgemeinde, der Kirchen Personen Einsitz hatten, die von ihren Firmen/Betrieben für den Einsatz am Gemeinwohl freigestellt wurden? Wie viele Personen mit Leitungsverantwortung in ihren Geschäften haben sich eingebracht? Und es war dies eine Ehre und ein Pflichtbewusstsein sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Und heute? Viele, die sich dafür einsetzen wollen, dürfen es aus betrieblichen Gründen nicht mehr und gehen damit mit ihrem Wissen dem Gemeinwohl "verloren".  Die Zusammenarbeit und das Miteinander werden hinter die Eigeninteressen gestellt. Schade um die damit vergebenen Chancen.

 

In den letzten Woche wurde ich - auch auf Grund meines Pfarreiabschiedes - immer wieder gefragt, wo denn unsere Kirche hin will und was denn unsere Kirche darstellt? Des Öfteren gab es dabei Bemerkungen und Fragen zu den verschiedenen Strukturen in der Kirche Schweiz.

Nun darf festgestellt werden, dass sich die Strukturen der Kirche Schweiz nach wie vor an einem Überhang von Seelsorgerinnen und Seelsorgern, Priestern, Diakonen und Katechetinnen wie Katecheten orientiert. Sie orientiert sich auch des Öfteren an einem "veralteten" Kirchenbild, das das Christsein "nur" definiert auf Grund des Gottesdienstes.

Doch Kirche ist viel mehr und besteht in den Elementen von
a. Glauben feiern (Gottesdienst - Liturgie)
b. Verkündigung (über Glauben reden - Erwachsenenbildung, Katechese usw - Martyrium)
c. Die Verantwortung für die Bedürftigen (Soziales - Diakonie/Caritas)
d. Gemeinschaft leben (Koinonia)

Und dabei stellt sich auch die Frage wie das Zusammenspiel im dualen System geschieht.

Alle Punkte bedürfen einer Veränderung und einer Weiterentwicklung.
Beim erst genannten heisst es eine Verschlankung und ein Zurückkehren zu den Wurzeln und dem Wesentlichen unseres Glaubens. Damit ein Abbau von Bürokratie/Administration/Kommissionen usw. Ein Hin zu kürzeren Wegen über die Pfarreigrenzen hinweg und eine gegenseitige Ergänzung auch über die Sprachgrenzen hinweg. Und natürlich die Frage der Zulassung zu den kirchlichen Ämtern, neue Berufsformen und der freiwilligen Arbeit.

Bei den 4 Elementen a-d heisst dies mehr Ausgeglichenheit und eine Aufwertung der bisher "unterdrückten" Bereiche und damit eine Vielfalt von Möglichkeiten den Glauben zu leben. - Und nicht ein sich gegenseitig ausspielen mit einem Wettbewerb, was ist mehr wert.

Beim letzten Punkt - dem dualen System - heisst es wohl auch wieder sich bewusst zu werden, was die Aufgaben der öffentlich-rechtlichen Körperschaften sind und was die Aufgaben des innerkirchlichen Bereiches. Befremdlich ist für mich hierbei wie sehr der Begriff von z.B. "Kantonalkirche" mal von den Körperschaften mal vom innerkirchlichen Bereich benutzt wird. Es befremdet mich, wie wenn dies 2 Kirchen wären. Doch Fakt ist, dass es nur eine Kirche gibt und darin haben die verschiedenen Institutionen ihre Aufgaben und ihre Verpflichtungen - inklusive die jeweiligen AmtsträgerInnen. Es braucht hier vermehrt wieder eine Klärung und eine Weiterentwicklung mit dem Gedanken, dass "Schuster bleib bei deinen Leisten" gilt.
Die Aufgabe eines Bischofs zum Beispiel, hat der Bischof zu übernehmen.
In ihrem Ursprung haben die Körperschaften die Entlastung der Seelsorge und des Bischofs von Aufgaben, die nicht-Theologen usw. machen können - ganz besonders im Bereich des Umgangs mit den Steuereinnahmen. So geschieht ein Wechsel- und Zusammenspiel zum Wohle der einen Kirche, zum Wohle der einen Glaubensgemeinschaft.
Dass für die Weiterentwicklung beide Seiten mitwirken müssen, liegt auf der Hand.
So ist es Sache des Bischofs die Strukturen der Pastoral neu zu überdenken: regionale Einteilungen, Zusammenspiel zwischen Spezialseelsorgen, Wechselspiel zwischen Ortspfarreien, Missionen und Personalpfarrein, usw.
Sache der Körperschaften ist es u.a. zu ermöglichen, dass im gleichen Bistum trotz vieler Kantone ähnliche Anstellungsbedingungen und damit gerechte Arbeitsverhältnisse sind, gegenseitige Unterstützungen in den finanziellen Bereichen und im Wissensaustausch (nicht nur Finanzausgleich), usw.
Ein Paradebeispiel für dieses Zusammenspiel kann das grosse Projekt "Kirche 2030" in der Stadt Zürich werden.

Es gibt sehr viel in unserer Kirche zu tun! Doch ist auch die Frage, ob all dies, was hier nur kurz angetönt ist, auch in der Umsetzung gewünscht ist. Und will man dabei auch jene Menschen in die entsprechenden Funktionen berufen, die dies umsetzen können und wollen - und logischerweise sich deshalb auch schon oft in ihrer Tätigkeit eingesetzt und ausgesetzt haben?

Es gilt der alte Spruch: "Wo ein Wille, da ist auch ein Weg." - Nehmen wir den Weg unter die Füsse und packen wir es an - ohne Angst, sondern mit Zuversicht und Einsetzungskraft. Es ist Zeit. Und wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

-------------------------------

Ergänzung: Wie viel einfacher wäre es z.B. im Bistum Chur, wenn pro Generalvikariatsregion sowohl im innerkirchlichen Bereich wie im öffentlich-rechtlichen Bereich die gleichen Regelungen für das Personal gelten würden? Oder warum braucht es in unserem Bistum so viele verschiedene kirchliche Pensionskassen, unterschiedlichste Anstellungen von KatechetInnen, verschiedenste Formen von Beschäftigungen der MusikerInnen, die Ökumene und ihre Fragen.

 

Wenn ich am 13.8.2021 meine Stelle in Näfels/GL beende, frage ich mich des öfteren, was denn eigentlich der Sinn des Lebens ist.

In den Schlagzeilen der Medien dieser Tage geht es um Löhne von Sportlern mit 40 Millionen Fr.  im Jahr, 5 Millionen Fr. im Jahr usw. - und wenn Verträge nicht verlängert werden können, heisst es: das ist doch unverantwortlich von den entsprechenden Gremien. 

Ist es grosszügig auf 50% Lohn zu verzichten, wenn man noch immer mehr als 5 Millionen im Jahr verdient? Wieviele Menschen haben einen Lohn unter Fr. 24'000.- im Jahr? Wieviele kämpfen um ihre Existenz?

Mich befremden nicht nur die Lohnexesse, sondern auch wie diese von vielen Medien unterstützt und gerechtfertigt werden mit dem Hinweis auf Werbeeinnahmen usw. 

Darf ich mal fragen, wenn eine Krankenschwester mithilft, dass ein Leben gerettet wird und der entsprechende Mensch wieder in den Alltag zurückkehren kann - ist dies nicht mehr wert? Müsste sie dann nicht auch mehr Lohn erhalten?

Ist der Sinn unseres Lebens wirklich solche Exzesse zu fördern?

Oder wie sieht es aus mit den verschiedensten Ämtern oder Verwaltiungsräten? Ist es wirklich sinnvoll viele Ämter zu besetzen und zu belegen und dann zu sagen, da mache ich mit, dort bin ich verantwortlich usw.?

Kann ich die Verantwortung wirklich wahrnehmen und wirklich dienen gemäss dem jeweiligen Amt?

Sehr denke ich, dass wir in unserer Gesellschaft wieder den Mut haben müssten zu sagen: da setze ich mich voll und ganz in den Dienst an der Gesellschaft, an der Welt, am Gemeinwohl. Dies mache ich richtig und das andere lasse ich sein, weil ich dafür die Zeit nicht habe. 

Der Sinn des Lebens besteht nicht darin viel zu machen und überall dabei zu sein. 
Der Sinn des Lebens besteht darin versuchen die entsprechenden Aufgaben mit vollem Engagement zu machen.

nach oben