Am heutigen 3. Sonntag im Jahreskreis haben wir den Sonntag des "Wortes Gottes" gefeiert. Und in allen drei biblischen Texten, die in der Liturgie vorgetragen wurden, war ein Thema gemeinsam: KEINE ZEIT! Es ist Zeit jetzt zu handeln und nicht hinauszuschieben.

Es ist die Einladung den Augenblick zu gestalten, denn wir können weder die Vergangenheit noch die Zukunft gestalten. Wir können nur das Jetzt gestalten. Dies wirkt sich dann für die Zukunft aus.

Wenn wir diese Aufforderung hören, stellen sich verschiedenste Fragen an unsere Gesellschaft und an unsere Glaubensgemeinschaft. Diese Fragen lassen sich dann auch übertragen auf die Familien, die Beziehungen, die Arbeitswelt, die Freizeit - faktisch auf ALLES,

Die grossen Fragen sind:

Wo muss ich handeln?
Was ist zu verändern?
Was ist einzubringen?

Die Fragen zur Erkennung schaffen die Basis zum Handeln.

Doch zu oft stimmt die Analyse bzw. stimmen die Antworten auf die 3 Fragen. Doch dann heisst es immer wieder: Abwarten! Es ist noch nicht Zeit! Geduld haben! Weitere Abklärungen machen!

Und was sind die logischen Konsequenzen davon?

Die Zeit vergeht.
Die Probleme wachsen und werden grösser.
Keine Lösung geschieht.
Ein Hinausschieben und Delegieren.
Das Abgeben der Verantwortung.

Zusammenfassend ist dann die Konsequenz, dass das ganze Leben komplizierter und schwerer wird.

Sehr wünschte ich mir, wenn wirklich das JETZT gestaltet wird und der alte Spruch seine Gültigkeit erhält: "Verschiebe nicht auf morgen, was du heute kannst besorgen."

Die Tragik an der ganzen Sache ist: Von den anderen wird dies immer erwartet. Bei sich sieht es anders aus.

Konkrete Beispiele gibt es hierfür viele - auch in der röm.kath. Kirche:

- die Bischofsernennung im Bistum Chur (seit 4 Jahren überfällig)
- die Frage des Seelsorgenachwuchses
- die Frage der Stellung der Kirche zu aktuellen sozialen Themen
- die Stellung der Frau in der Kirche
- die nötige Neuorganisation / Neustrukturierung der röm.kath. Kirche
- das Beseitigen von Hindernessen der Pastoral

Und vieles mehr.

Wir haben keine Zeit zu warten - wir haben die Zeit zu handeln.

Heute findet die Amtsübergabe des amerikanischen Präsidenten statt. 

Für mich ist dies auf Grund der verschiedensten Berichte in den letzten Tagen/Wochen ein Gedankengang wert, der wohl selten angeschaut wird.

Wie sage ich JA oder NEIN zu jemandem?
Wie bejahe ich oder lehne ich jemanden ab?

Manchmal ist dies gar nicht so sehr auf Fakten beruhend, sondern vielmehr auf der Stellung, die die entsprechende Person inne hat.

Ganz typisch zu sehen ist dies nun am Ende der Amtszeit des amerikanischen Präsidenten.

Solange er dafür kandidierte vor 5 Jahren oder dann auch jetzt, und als er Präsident war, da wurden:
- viele Dinge akzeptiert
- sonnte man sich in seiner Nähe
- genoss man es mit ihm bekannt zu sein
- liebte man es über ihn zu schreiben und lesen zu können

und jetzt, wo er nicht mehr im Amt ist, da heisst es:
- gut, dass er weg ist
- noch nie so einen schlimmen Präsidenten gehabt
- was hat der gemacht, das unerlaubt, unanständig usw. ist.

Meine Frage ist diese:
Warum werden die kritischen Stimmen nicht auch in den Amtszeiten genannt. Niemand macht keine Fehler und jeder Mensch braucht korrigierende Stimmen, die es gut meinen. Seien diese Stimmen in der Presse, seien es Institutionen oder seien es Privatpersonen. Für mich zeigt sich hierin auch das Bewusstsein eines guten Freundes: Auf den guten Freund ist Verlass, er redet mir nicht nach dem Munde, er streicht mir keinen Honig um die Zunge. Der gute Freund lobt und fördert, er kritisiert und weist zurecht. Er macht das, was wir mit Correctio fraterna verstehen: die geschwisterliche Zurechtweisung/Korrektur.

Ich wünsche Ihnen allen gute Freundinnen und gute Freunde, die es ehrlich mit Ihnen meinen.

 

 

 

 

Am 6./7. Januar 2021 ist einiges in Amerika geschehen, das dann mit dem Sturm auf das Kapitol einen negativen Höhenpunkt erlitten hat. 

Manche haben dann sehr schnell den Zeigefinger auf bestimmte Personen und ihre Seilschaften oder Gruppierungen gesetzt. Verbunden wurde dies mit dem Hinweis, dass dies schon lange begonnen hat. Gleichzeitig werden die eigenen Hände in Unschuld gewaschen.

Meine Fragen dazu, die als Anregung zu verstehen sind um sich selbst zu Hinterfragen:

- Wird nicht auch bei uns Polarisierung betrieben? Auch um Einschaltquoten/Auflagenhöhen zu stärken?
- Wie werden bei uns Diskussionen geführt? 
- Welche Artikel werden von uns gelesen: die reisserischen oder die sachlichen?
- Trennen wir noch die sachliche von der persönlichen Ebene?
- Sind wir bereit in schwierigen Fragestellungen sich mit dem ganzen Sachverhalt auseinanderzusetzen? 
- Sind wir nicht "dankbar" für spannende Schlagzeilen und lesen dann die Artikel?

Vielleicht schadet uns allen eine Selbstreflexion nichts. 

Überall auf der ganzen Welt sind wir eingeladen eine Atmosphäre zu schaffen in der sich die Wahrheit durchsetzen kann und nicht mit Füssen getreten wird. Eine Welt sind wir eingeladen zu schaffen, in der Respekt und Achtung gelebt wird.
Wehren wir uns dagegen, wenn dies nicht geschieht? Oder schauen wir auf den eigenen Profit, den eigenen Vorteil und mischen uns dann vielleicht nicht ein?

 

 

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Pfarrer Kurt Vogt
Pfarrer in Näfels GL

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