Die Amazonassynode in Rom hat begonnen und viele Menschen haben sehr hohe Erwartungen an diese Versammlung. Es sind dies Erwartungen, die natürlich auch durch das Arbeitspapier gesetzt worden sind und vieler Fragen Antworten erwarten.

Sicherlich geht es in dieser Versammlung auch um die verschiedensten regionalen Fragestellungen wie der indogenen Völker in diesem Gebiet. Doch gibt es auch jene Fragen, die die ganze Weltkirche betreffen.

Dabei sind zuerst einmal zwei wesentliche Vorbemerkungen festzuhalten:

a. Es darf über alles geredet und diskutiert werden! - Dies ist gar keine Selbstverständlichkeit, da es doch auch über Jahrzehnte die Hinweise gab, dass bestimmte Fragen abschliessend geklärt seien oder darüber nicht diskutiert werden dürfe.
Es ist dies schon ein riesiger Fortschritt

b. Mit dem unter Punkt a. Festgehaltenem wird aber auch ersichtlich, dass eben alle verschiedenen Meinungen in der Kirche zur Sprache kommen - und wenn der Papst hierzu einlädt, heisst es eben auch für ihn verschiedene Meinungen anhören zu müssen/dürfen. Ein Sachverhalt, den nicht viele Päpste vor ihm akzeptiert hätten.

Und dann kommen wir eben auch zu ein paar bemerkenswerten Aussagen. Und für mich eine der wichtigsten hierbei ist die Aussage von Bischof Kräutler auf die viri probati und das Pflichtzölibat angesprochen. Seine Antwort war sinngemäss: es geht in erster Linie nicht um das Zölibat, sondern es geht um die Frage der Eucharistie. Wenn Sie die Quelle des Glaubens ist, wie können wir den Zugang dazu den Menschen so erschweren, dass er nur 1-2x im Jahr möglich ist?
Weitergesprochen heisst dies dann auch in der Frage der Stellung der Frau.

In dieser Aussage wird offensichtlich formuliert, dass die katholische Kirche acht geben muss, dass sie wegen Festhaltens an Punkt x nicht das Wesentliche des Glaubensinhaltes zerstört oder den Gläubigen verweigert.

Steht das Pflichtzölibat über den Sakramenten? Steht die Ordinationszulassung über dem Empfang der Sakramente?

Das Wesentliche rückt wieder ins Zentrum! Welche Freude!

Wenn im Oktober 2019 in der Amazonassynode geredet wird, kommt auch das Thema auf von den mangelnden SeelsorgerInnen. Oftmals heisst es dann, dass etwas verändert werden solle, weil die Leute manchmal nur 1x im Jahr die Eucharistie empfangen können.

Die Reduzierung auf die Eucharistie lässt dabei vergessen, dass es noch andere Sakramente gibt und auch diese nicht gespendet werden können infolge der Ämterfrage. Nehmen wir hierfür die beiden Sakramente der Versöhnung und der Krankensalbung.

Gerade bei Ihnen beiden wird die Frage deutlich: hat die Kirche das Recht den Gläubigen die Sakramente zu verweigern? Wo bleibt die Barmherzigkeit der Kirche in der Vergebung und Lossprechung und im Beistand in der Krankheit?

Als ich noch jung war, hiess es: für das Seelenheil ist die regelmässige Beichte wichtig und die damals "Letzte Ölung* musste man vor dem Sterben erhalten - viele Autofahrer hatten deshalb auf ihrem Auto den Aufkleber, dass sie bei einem Unfall einen Priester wollten. Und heute? Vielen Menschen können diese Sakramente gar nicht mehr gespendet werden, weil die Spender fehlen. Es fehlt nicht Gott und seine Gnade - es fehlen die Spender, die diese Gnade vermitteln. Und dies ist von Menschenhand gemacht.

Vielleicht fragen wir uns wirklich, was wichtig ist: die bisherige Strukur, die noch nicht mal 1000 Jahre alt ist, die Machterhaltung mit der Sonderstellung oder die Gnade Gottes und die Hilfe Gottes?

 

Ist Ihnen einmal aufgefallen wie viele Gesprächsbeiträge, Sätze beginnen mit: "Ich......."?

Es ist sehr erstaunlich, wenn aufmerksam die Redensbeiträge oder geschriebenen Sätze betrachtet werden. Und mit Erstaunen oder Befremden darf dann festgestellt werden, dass dieses ICH nicht nur zum Beginn des Satzes steht, sondern tatsächlich auch der Teil sein möchte um das sich alles drehen sollte. Ich will, ich habe Anrecht.....

Dabei geht oftmals der Blick auf das Gesamte verloren und dass dieses ICH ein Teil in einem riesigen Gesamtwerk ist. Dies erleben wir in allen unseren Lebensbereichen in der Gesellschaft, in der Kirche.

Doch die Lösung und die Wege in die Zukunft können wir nur finden, wenn dieses ICH sich hintenanstellt in den Dienst des GESAMTEN und der GESAMTSCHAU. In dieser Perspektive heisst es dann: für das GESAMTE bin ich bereit mich mit meinen Fähigkeiten/Talenten/Berufung einzusetzen und dies umzusetzen.
Gerade wenn jetzt einerseits in meinem Bistum auf die Wahl eines neuen Bischofs gewartet wird oder in der Schweiz die grossen Wahlen anstehen, ist dieser Akzent wichtig: Wir brauchen in unserer Gesellschaft wieder Menschen, die das GESAMTE im Blickfeld haben und sich dafür einsetzen - nicht für Eigeninteressen, nicht für die Karriere, nicht für kurzfristigen Erfolg, nicht für Selbstdarstellung oder das eigene Portemonnaie.
Die Gesellschaft lässt sich nur verändern und wieder neu beleben, wenn wir nicht zuerst für uns selber schauen. In der Bibel gibt es hierfür ein wunderbares Bild: aus vielen Körnern, gibt es ein Brot. Das Brot ist das, was nährt - nicht das Einzelkorn.

 

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

Zum Seitenanfang
JSN Blank template designed by JoomlaShine.com