Zwischendurch werde ich gefragt, was ich denn von der Konzern-Verantwortungs-Initiative halte und die Kirche sollte doch schweigen - sie sei keine politische Partei.

Na ja, sobald es um die Gesellschaft und Schöpfung geht, kann die Kirche nicht schweigen. Dies ist ein Wesensbestandteil der Kirche. Sie hat sich dafür einzusetzen. Insofern ist die Kirche immer auch politisch, da es um das Gemeinwohl, das Wohl der Schöpfung geht.

Und zur Initiative kommt mir immer wieder das riesige Engagement von den Konzernen bis zu den Betrieben mit Filialen in den Sinn, die sagen "wir haben eine "Corporate Identity" - wir haben ein gemeinsames Erscheinungsbild". Dh. das äussere Erscheinungsbild macht deutlich, dass man zusammengehört und zu wem dieses Geschäft/diese Filiale gehört. Dies macht sich sichtbar mit Logo, Schriftzug, Farbe, gleiches Briefpapier, gleicher Couvertkopf, dasselbe Logo auf der homepage, usw. - Viele Firmen lassen sich dies sehr viel kosten. Gerne erinnere ich mich an den Aufruhr in der Schweiz als eine Firma *nur" das Logo bei Ihren Filialen änderte und dann die Kosten dafür bekannt wurden. - Und viele Firmen gehen dann einen Schritt weiter: kommt man in die Filiale, dann muss alles gleich aussehen - Wiedererkennungswert heisst dies: gleiche Möbel, gleiche Vorhänge, gleiche Anordnung (In Hotelketten heisst dann sogar gleiche Zimmer, gleiche Anordnung von Empfang, Speisesaal, Aufenthaltsraum usw.). Und für dies werden nochmals etliche Kosten ausgegeben - auch mit der Begründung: Einheitlichkeit der Firma (selbst neueste Möbel werden dann entsorgt.)
Die Firmen unternehmen sehr viel für das einheitliche Erscheinungsbild nach aussen - für das äussere Auftreten! - Und alles ohne irgendein Gesetz, ganz freiwillig......

Hinzu kommen noch die vielen Gelder für die Werbung, damit das richtige äussere Erscheinungsbild in die Welt getragen wird.

Und hier kommt meine grosse Frage: Und was geschieht mit der Geschäftsphilosophie, mit der Grundhaltung des Geschäftes? Was geschieht mit den Werten, die ein Betrieb hat? Sollte man sich nicht auch da ganz freiwillig dafür einsetzen, dass dies überall geschieht, wo meine Firma einen Sitz, eine Filiale hat? - Eigentlich sollte dies eine Selbstverständlichkeit sein! - Oder geht es hier um "Schein, statt Sein"? Denn auf einmal spielt das Kostenargument eine grosse Rolle.

Ein jeder glaubwürdiger Betrieb setzt alles daran, dass das äussere Erscheinungsbild mit der inneren Grundhaltung übereinstimmt und so ausstrahlt. - Und dies sollte ohne Gesetze umzusetzen sein, eine Selbstverständlichkeit sein.

Das für mich Tragische an der Konzern-Verantwortungs-Initiative ist nicht die Initiative an sich, sondern dass über etwas Selbstverständliches diskutiert werden muss, damit es nicht um den Schein geht. 

Machen wir uns doch wieder auf den Weg, damit Selbstverständliches auch ohne Gesetze umgesetzt wird! 

Nun höre ich schon den Einwand: und die Kirche? - Es ist klar, dass sie selbst davon nicht ausgeschlossen ist und vorangehen sollte/muss, wie es im Augenblick Papst Franziskus macht mit dem Aufräumen bei den Finanzen, und für mich ein bisschen zu zögerlich in der Frage des Missbrauchs macht. Und in der Kirche Schweiz wäre und ist einiges entsprechend zu verändern.

Seien Sie sich bewusst: ob Sie für oder gegen die Initiative sind - wenn etwas nicht freiwillig geschieht, werden immer Millionen von Franken ausgegeben um Recht zu bekommen (und dabei verdient nie die Schöpfung, nie die Gesellschaft, sondern nur Einzelne auf Kosten dieser beiden).

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Als Schlussbemerkung sei vermerkt: Ein alter Bekannter von mir, der Rechtsprofessor war, sagte einst (er ist schon verstorben): "Für jedes neue Gesetz, das wir machen, sollten 10 gestrichen werden. Dafür sollte der gesunde Menschenverstand und die Ehrlichkeit wieder mehr Platz erhalten." - Hat er nicht recht?

 

Darf ich Sie fragen, was Sie für ein Gottesbild haben?
Was haben Sie für ein Bild von Jesus Christus?

Oftmals haben wir Bilder von Gott und damit von Jesus Christus, die Gott so ferne von uns zeigen. Doch Gott ist uns so nahe - darum kam er auch in der Gestalt Jesu Christi in diese Welt. Der Künstler Agnono Bronzino (16. Jhd.) hat dies auf einfache Weise dargestellt. Es ist fast unscheinbar, was er gemalt hat - und die meisten übersehen es. Doch schauen Sie genau hin:

Anbetung Jesu

Ist Ihnen was aufgefallen? Das Bild hängt in den Uffizien in Florenz.

Schauen Sie mal hin, wie die 3 Könige/die 3 Weisen Jesus huldigen. Ist es nicht schön, ihr Ausdruck, ihre Intensität?

Doch haben Sie gesehen, was Jesus macht? Der kleine Jesus spielt mit der Glatze des einen Königs. Hier zeigt sich Zärtlichkeit, Aufmerksamkeit, Liebenswürdigkeit, Zuwendung - ja sogar Respekt (Jesus fügt keinen Schmerz zu). Sie finden in diesem kleinen Bildausschnitt den Lebensauftrag Jesu Christi: uns zu zeigen wie wir zu leben haben....

Ach ja, weil viele dies nach wie vor nicht wissen: warum 3 Könige (nicht 4, nicht 5 nicht 8...)? Die 3 Könige stehen für die zur Zeit Jesu in Palästina bekannte Welt: Europa, Afrika, Asien (also die ganze Welt gemeint). Jesus Christus kommt für die ganze Welt zu uns.

Diese Aufmerksamkeit wünschte ich mir in der Kirche, in der Gesellschaft, in den Familien - und in der Politik.

 

 

Immer wieder fällt mir auf, wie viele Menschen das Wort "Angst" in den Mund nehmen. Es wird fast schon so missbraucht, wie das Wort "Liebe". Haben Sie dies auch schon festgestellt?

- Ich habe Angst vor dem Resultat der Abstimmung.
- Ich habe Angst vor der EU
- Ich habe Angst vor dem unterschriebenen Vertrag
- Ich habe Angst herunterzufallen, den Weg zu gehen, usw.

Ergänzend kommt hinzu: Ich habe Angst vor dem Mitmenschen XY.

Mit dem Begriff "Angst" kann alles Mögliche begründet werden, ohne dass es wirklich begründet wird. Darauf muss schliesslich Rücksicht genommen werden.

Doch ist es wirklich "Angst" und nicht einfach ein bequemes Argument von dem man weiss, dass es nicht hinterfragt wird?

Immer wieder staune ich, wie oft dieser Begriff genommen wird, um sich und sein NICHT_HANDELN_MÜSSEN auf einfache Art und Weise zu rechtfertigen.

Wie oft wird dieses Wort gebraucht für:

- ich will nicht
- ich habe Hemmungen
- ich kann es nicht
- ich bin nicht vorbereitet
- ich will die Verantwortung nicht übernehmen
- ich möchte nicht gefordert werden

Die verschiedenen Verhaltensformen der entsprechenden Personen, machen dies deutlich. Etwas ähnliches wird nämlich ohne Probleme gemacht oder unternommen - einfach abhängig von den Eigeninteressen.

Unsere Gesellschaft leidet darunter, dass Worte missbraucht werden im Sinne von Eigeninteressen. Nützen, ja nützen tut dies niemandem.
Schaden, schaden tut es vielen Menschen und der Sache. Dies Verhalten schadet jenen Menschen, die wirklich Angst haben.
ANGST :
- leben zu können, 
- keine Nahrung zu haben
- das Liebste einem Anvertraute zu verlieren
- usw. 

Vielleicht würde es uns gut anstehen, wieder mehr Respekt vor der Wortwahl und den Begründungen zu haben - und damit Respekt vor den wirklichen Problemen und Sorgen der Mitmenschen.

Nutzen wir nicht "Angst" als Begründung für Nicht-Handeln-zu-müssen, sondern seien wir ehrlich.

Niemandem wünsche ich "Angst zu haben". Aber jenen Personen, die wirklich Angst haben, denen es um die persönliche Existenz geht, wünsche ich Kraft, Hoffnung und Ernst genommen zu werden und nicht "verhöhnt" zu werden für die Verwendung dieses Begriffes für Dinge, die nichts mit Angst zu tun haben.

Und zu allerletzt: Die Sprache verdient auch ihren Respekt und unsere Achtung.

 

 

 

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Pfarrer Kurt Vogt
Pfarrer in Näfels GL

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