Letzthin durfte ich in einem Gespräch eine erstaunliche Feststellung hören im Zusammenhang auf die Diskussion um die Stimme der Kirche und des Christentums: "Wir sind nicht wichtig, wir sind nicht so wichtig, dass wir uns immer wieder melden sollen/einbringen in die Gesellschaft."

Mich hat diese Aussage erstaunt, denn wir leben in einem christlichen Staat, dessen Wurzeln und Fundament von christlichen Werten geprägt sind. Ist es entsprechend nicht gefordert, dass diese christlichen Werte und Fundamente immer wieder in Erinnerung gerufen und eingefordert werden? Dazu brauchen wir die "Leuchttürme" in unserer Gesellschaft, die Stimmen der Verantwortlichen in unserer Kirche.

Und die Menschen suchen diese "Leuchttürme" und Stimmen - warum ist ansonsten erklärbar, dass es so viele Diskussionen gibt um die Wahl des nächsten Bischofs von Chur. Wenn seine Stimme unwichtig wäre, müsste man hierüber nicht reden.

Auch wenn die röm.-kath. Kirche viele Fehler begangen hat in der Aufarbeitung des Missbrauch-Skandals, heisst dies noch lange nicht, dass daraus nicht Lehren gezogen werden können und alles andere Falsch ist. Und für das Richtige, sollte hingestanden werden und man sich eben auch exponieren. Hierzu wird man gewählt, hierzu wird man in ein Amt berufen oder befördert - nicht um den Titel "xy" tragen zu können. Und dieser Einsatz bedeutet sowohl Arbeit im Hintergrund wie im Vordergrund, gemäss der jeweiligen Aufgabenstellung.

Kennen Sie die Leuchttürme, der röm.kath. Kirche in der Schweiz?

Felix Gmür, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz und Bischof von Basel

Markus Büchel. Bischof von St. Gallen

Alain de Raemy, Weihbischof Lausanne, Genf und Fribourg

Peter Bücher, Apostolischer Administrator von Chur

Marian Eleganti, Weihbischof von Chur

Urban Federer, Abt von Einsiedeln

Valerio Lazzeri, Bischof von Lugano

Jean-Marie Lovey, Bischof von Sitten

Charles Morerod, Bischof von Lausanne, Genf und Fribourt

Jean Scarcella, Abt von Saint-Maurice

Denis Theurillat, Weihbischof von Basel

Kennen Sie diese Personen wirklich? Wann hören/lesen Sie etwas von Ihnen zu den aktuellen wichtigen Fragen - nicht von Einweihungen von Brücken, Strassen, Tunneln usw......

In vielen Medien wird immer wieder diskutiert wegen der Kinderbetreuung, sei dies Kinderhort, Tagesstätte oder Mittagstisch.

Manchmal kommt dabei die Frage auf, warum diese eigentlich nötig sind oder sie benutzt werden? Setzt man dann die Kosten in Bezug auf den jeweiligen Lohn der betreffenden Personen gibt es immer wieder zusätzliche Fragen. Schauen wir es doch mal an:

a. Viele Ehepaare wollen Kinder und gleichzeitig nicht vom Berufswissen abgehängt werden - also "muss"  gearbeitet werden.

b. Andere Paare müssen arbeiten, damit sie die Kinder, die Wohnung und die Krankenkasse usw. zahlen können.

Und dann kommen die Kosten der verschiedenen Institutionen. Erschreckend dabei ist, dass viele Familien die Tagesstätten, Horte usw. gar nicht bezahlen können, weil sie mit ihren Löhnen zuwenig verdienen. und bei jenen, die es sich "leisten" können, heisst es dann 80-90% des Lohnes ist abzuliefern.

Es lässt sich fragen, ob das Konzept der Horte, Kindertagesstäten in der Schweiz so eine Zukunft hat. Denn auch zu berücksichtigen gibt es jene Frauen, die für ihre Kinder Zuhause bleiben - teils auch, weil sie den Hort für 2- 3 Kinder gar nicht bezahlen können. Und diese Frauen haben dann auch Mühe mit ihren Sozialversicherungen und der Altersvorsorge.

Wäre es nicht an der Zeit einmal in der Schweiz diese Frage grundsätzlich zu diskutieren mit einem neuen Ansatz - ohne Vertretung von Eigeninteressen?

Dann steckt dahinter auch eine wichtige Frage, die meistens gänzlich ausgeklammert wird: welche Stellung und welchen Wert haben die Kinder in unserer Gesellschaft, in der Familie? - Zuerst sollte wohl diese Frage als gemeinsames Fundament beantwortet werden.

Sicherlich kennen Sie das Beispiel vom Haar in der Suppe. Es ist ein altes Sprichwort. Manchmal wird es positiv und manchmal negativ eingesetzt.

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich Beispiele von meinem Vater nennen, der damals Gemeindepräsident war. Etliche Anliegen konnten nicht verwirklicht werden, weil irgendjemand im Gemeinderat ein Haar in der Suppe gesehen hat und dies zuvor bewusst gesucht hat. Manche Entwicklungen wurden dann verhindert. Wenn diese Haare frühzeitig entdeckt wurden, konnte den Argumenten entgegnet werden und es war eine Entwicklung für die Gemeinde möglich.

Und ich kenne auch jene Gemeindepräsidenten, die an einer Gemeindeversammlung ganz bewusst zu Beginn Traktanden setzen mit Haaren in der Suppe - und dann wurde darüber stundenlang diskutiert über 2000/3000 Franken. Das Haupttraktandum war dann fällig gegen 23.30 Uhr und die Leute waren müde zu diskutieren. Es wurde über Millionen abgestimmt ohne eine Diskussion, weil alle müde waren. Ja, das "Haar in der Suppe"....

Unsere Gesellschaft lebt von diesem "Haar in der Suppe" und es erhält einen sensationellen Stellenwert, im privaten, in der Freizeit, bei der Arbeit, in der Politik, in der Kirche. Glauben Sie es mir nicht, dann hier folgende Beispiele:

- Der Priester hat heute die falschen Schuhe an

- Die Politikerin hat eine komische Frisur

- Der Chef ist mit dem falschen Fuss aufgestanden

- Der Trainer sieht nur die Verteidigung und nicht den Angriff

- Die Schwester darf weniger lang in den Ausgang

Was allen gemeinsam ist: das Ganze, das Wesentliche geht vergessen. Und damit gemeint die Gesamtdarstellung. Kein Mensch ist vollkommen und schauen wir doch auf das Ganze und nicht diese Details oder gar Promille von Bereichen.

Lustigerweise (?) übersehen jene, die das Haar in der Suppe gefunden haben, was die anderen für sie getan haben und wie sie sich für sie eingesetzt haben.

Wollen Sie Beispiele:

- der Politiker, der sich für eine Umfahrungsstrasse einsetzte, und wegen seiner Partei nicht durchkam - heute wären alle froh darüber....

- die Eltern, die der kleinen Tochter sagten, du bist erst 12 und kannst noch nicht wie eine 20jährige in den Ausgang

- der Chef, der Streitereien im Team schlichtet und für alle gleiche Arbeitsvoraussetzungen schafft

- der Bischof, der allen sein Gehör schenkt und allen gute Ratschläge gibt

Das Haar in der Suppe - ja, es wird gesucht und damit die Vollkommenheit. Aber sind wir vollkommen? Wir sind Menschen.

Sehr wünschte ich mir, dass unsere Gesellschaft wieder die Suppe sieht! Guten Appetitl

 

 

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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