Ist Ihnen einmal aufgefallen wie viele Gesprächsbeiträge, Sätze beginnen mit: "Ich......."?

Es ist sehr erstaunlich, wenn aufmerksam die Redensbeiträge oder geschriebenen Sätze betrachtet werden. Und mit Erstaunen oder Befremden darf dann festgestellt werden, dass dieses ICH nicht nur zum Beginn des Satzes steht, sondern tatsächlich auch der Teil sein möchte um das sich alles drehen sollte. Ich will, ich habe Anrecht.....

Dabei geht oftmals der Blick auf das Gesamte verloren und dass dieses ICH ein Teil in einem riesigen Gesamtwerk ist. Dies erleben wir in allen unseren Lebensbereichen in der Gesellschaft, in der Kirche.

Doch die Lösung und die Wege in die Zukunft können wir nur finden, wenn dieses ICH sich hintenanstellt in den Dienst des GESAMTEN und der GESAMTSCHAU. In dieser Perspektive heisst es dann: für das GESAMTE bin ich bereit mich mit meinen Fähigkeiten/Talenten/Berufung einzusetzen und dies umzusetzen.
Gerade wenn jetzt einerseits in meinem Bistum auf die Wahl eines neuen Bischofs gewartet wird oder in der Schweiz die grossen Wahlen anstehen, ist dieser Akzent wichtig: Wir brauchen in unserer Gesellschaft wieder Menschen, die das GESAMTE im Blickfeld haben und sich dafür einsetzen - nicht für Eigeninteressen, nicht für die Karriere, nicht für kurzfristigen Erfolg, nicht für Selbstdarstellung oder das eigene Portemonnaie.
Die Gesellschaft lässt sich nur verändern und wieder neu beleben, wenn wir nicht zuerst für uns selber schauen. In der Bibel gibt es hierfür ein wunderbares Bild: aus vielen Körnern, gibt es ein Brot. Das Brot ist das, was nährt - nicht das Einzelkorn.

 

Haben Sie sich auch schon Gedanken gemacht über Ihren eigenen Tod und die Beerdigung? Wenn Nein, dann ist es höchste Zeit. Der Tod gehört zu unserem Leben und ist - so paradox es tönt - lebensnotwendig.

So machen Sie doch auch Gedanken über die Beerdigung! Sich über die Beerdigung Gedanken machen, heisst sich mit dem eigenen Leben auseinandersetzen.

Sollten Sie sich über die Form Gedanken machen, dann sagen viele Personen, dass dies irgendwann entschieden werden kann. Wir SeelsorgerInnen machen dann allerdings die Erfahrung, dass von den Angehörigen oftmals der Entscheid gefällt werden muss. Und dann heisst es: XY ist gestorben, wir beerdigen dann in 2-8 Wochen - was ja dank der Urnenkremation möglich ist.
Andere sagen: wir bestatten nicht auf dem Friedhof, andere wiederum lassen die Asche zu einem Diamenten verarbeiten, nehmen die Asche zu sich nach Hause usw...

Für den Trauerprozess ist es nicht gut, wenn die Beerdigung nach 4-8 Wochen stattfindet. Der Trauerprozess kann in einem wesentlichen Punkt nicht abgeschlossen werden.

Die Urne Zuhause oder gar die Asche als Diamant um den Hals, sie verunmöglichen das Loslassen und zertören den Trauerprozess.

Und das Verstreuen irgendwo - es nimmt keine Rücksicht auf die Angehörigen, die einen Platz brauchen.

Und noch dies: Für eine verstorbenen Person sollten wir uns Zeit nehmen - auch wenn der Todesfall in den Ferien eintrat usw. - Für jegliche andere Ereignisse werden Ferien unterbrochen, aber für den Abschied vom Verstorbenen?????

Leben ist Einüben in den Tod. Beerdigung heisst Danksagung. Nehmen wir uns dafür Zeit - so wie wir uns für alles Wichtige sofort Zeit nehmen.

Letzthin durfte ich in einem Gespräch eine erstaunliche Feststellung hören im Zusammenhang auf die Diskussion um die Stimme der Kirche und des Christentums: "Wir sind nicht wichtig, wir sind nicht so wichtig, dass wir uns immer wieder melden sollen/einbringen in die Gesellschaft."

Mich hat diese Aussage erstaunt, denn wir leben in einem christlichen Staat, dessen Wurzeln und Fundament von christlichen Werten geprägt sind. Ist es entsprechend nicht gefordert, dass diese christlichen Werte und Fundamente immer wieder in Erinnerung gerufen und eingefordert werden? Dazu brauchen wir die "Leuchttürme" in unserer Gesellschaft, die Stimmen der Verantwortlichen in unserer Kirche.

Und die Menschen suchen diese "Leuchttürme" und Stimmen - warum ist ansonsten erklärbar, dass es so viele Diskussionen gibt um die Wahl des nächsten Bischofs von Chur. Wenn seine Stimme unwichtig wäre, müsste man hierüber nicht reden.

Auch wenn die röm.-kath. Kirche viele Fehler begangen hat in der Aufarbeitung des Missbrauch-Skandals, heisst dies noch lange nicht, dass daraus nicht Lehren gezogen werden können und alles andere Falsch ist. Und für das Richtige, sollte hingestanden werden und man sich eben auch exponieren. Hierzu wird man gewählt, hierzu wird man in ein Amt berufen oder befördert - nicht um den Titel "xy" tragen zu können. Und dieser Einsatz bedeutet sowohl Arbeit im Hintergrund wie im Vordergrund, gemäss der jeweiligen Aufgabenstellung.

Kennen Sie die Leuchttürme, der röm.kath. Kirche in der Schweiz?

Felix Gmür, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz und Bischof von Basel

Markus Büchel. Bischof von St. Gallen

Alain de Raemy, Weihbischof Lausanne, Genf und Fribourg

Peter Bücher, Apostolischer Administrator von Chur

Marian Eleganti, Weihbischof von Chur

Urban Federer, Abt von Einsiedeln

Valerio Lazzeri, Bischof von Lugano

Jean-Marie Lovey, Bischof von Sitten

Charles Morerod, Bischof von Lausanne, Genf und Fribourt

Jean Scarcella, Abt von Saint-Maurice

Denis Theurillat, Weihbischof von Basel

Kennen Sie diese Personen wirklich? Wann hören/lesen Sie etwas von Ihnen zu den aktuellen wichtigen Fragen - nicht von Einweihungen von Brücken, Strassen, Tunneln usw......

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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