Sicherlich kennen Sie das Beispiel vom Haar in der Suppe. Es ist ein altes Sprichwort. Manchmal wird es positiv und manchmal negativ eingesetzt.

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich Beispiele von meinem Vater nennen, der damals Gemeindepräsident war. Etliche Anliegen konnten nicht verwirklicht werden, weil irgendjemand im Gemeinderat ein Haar in der Suppe gesehen hat und dies zuvor bewusst gesucht hat. Manche Entwicklungen wurden dann verhindert. Wenn diese Haare frühzeitig entdeckt wurden, konnte den Argumenten entgegnet werden und es war eine Entwicklung für die Gemeinde möglich.

Und ich kenne auch jene Gemeindepräsidenten, die an einer Gemeindeversammlung ganz bewusst zu Beginn Traktanden setzen mit Haaren in der Suppe - und dann wurde darüber stundenlang diskutiert über 2000/3000 Franken. Das Haupttraktandum war dann fällig gegen 23.30 Uhr und die Leute waren müde zu diskutieren. Es wurde über Millionen abgestimmt ohne eine Diskussion, weil alle müde waren. Ja, das "Haar in der Suppe"....

Unsere Gesellschaft lebt von diesem "Haar in der Suppe" und es erhält einen sensationellen Stellenwert, im privaten, in der Freizeit, bei der Arbeit, in der Politik, in der Kirche. Glauben Sie es mir nicht, dann hier folgende Beispiele:

- Der Priester hat heute die falschen Schuhe an

- Die Politikerin hat eine komische Frisur

- Der Chef ist mit dem falschen Fuss aufgestanden

- Der Trainer sieht nur die Verteidigung und nicht den Angriff

- Die Schwester darf weniger lang in den Ausgang

Was allen gemeinsam ist: das Ganze, das Wesentliche geht vergessen. Und damit gemeint die Gesamtdarstellung. Kein Mensch ist vollkommen und schauen wir doch auf das Ganze und nicht diese Details oder gar Promille von Bereichen.

Lustigerweise (?) übersehen jene, die das Haar in der Suppe gefunden haben, was die anderen für sie getan haben und wie sie sich für sie eingesetzt haben.

Wollen Sie Beispiele:

- der Politiker, der sich für eine Umfahrungsstrasse einsetzte, und wegen seiner Partei nicht durchkam - heute wären alle froh darüber....

- die Eltern, die der kleinen Tochter sagten, du bist erst 12 und kannst noch nicht wie eine 20jährige in den Ausgang

- der Chef, der Streitereien im Team schlichtet und für alle gleiche Arbeitsvoraussetzungen schafft

- der Bischof, der allen sein Gehör schenkt und allen gute Ratschläge gibt

Das Haar in der Suppe - ja, es wird gesucht und damit die Vollkommenheit. Aber sind wir vollkommen? Wir sind Menschen.

Sehr wünschte ich mir, dass unsere Gesellschaft wieder die Suppe sieht! Guten Appetitl

 

 

Wohin gehst Du? Wohin gehst du Kirche, wohin gehst du Gesellschaft?

Es ist dies nur eine einfache Frage - doch die Antwort darauf ist entscheidend für unser aller Zukunft. Und die möglichen Antworten können einem auch sehr deprimieren und nachdenklich stimmen.

Ist die eine Antwort
- sich zu separieren und die Individualisierung nimmt ihren Lauf. All dies mit dem vollen Risiko der Vereinsamung, der Isolierung und der fehlenden Kontakte und Beziehungen.

Ist eine andere Antwort
- sich zu solidarisieren mit einer bestimmten Gruppe und Ausrichtung. Dann heisst dies ein Miteinander bei bestimmten Menschen und ein Gegeneinander gegenüber anderen. Und damit verbunden ist ein riesiger Konkurrenzkampf mit dem Streit um Einfluss, Macht und Kompetenzen.

Ist eine dritte Antwort
- sich auf alle einzulassen und damit sich von allen beschenken und bereichern zu lassen. Alle geben und alle empfangen auf Grund der je eigenen Fähigkeiten und Talente.

Aus meiner Sicht ist die dritte Antwort jene, die wir uns alle geben sollten - auch wenn viele Personen diese nicht wahrnehmen möchten, sondern als Gefahr sehen. Und das heisst auch die Kompetenzen der anderen zu sehen und anhören oder einzubinden. Diese dritte Antwort ist der Weg, der aus meiner Sicht die einzige Möglichkeit ist die nötigen Lösungswege für die Probleme zu finden und in die Zukunft zu gehen. Diese dritte Antwort verlangt jedoch auch Rückgrat, Hinstehen, sich einsetzen und aussetzen.

Und gerade mit dem Aussetzen wollen haben doch viele Menschen ihre Schwierigkeiten. Nehmen wir die Beispiele von hintenherum-reden, statt direkt zur entsprechenden Person zu gehen; die Meinung nicht äussern, sondern andere vorschieben und sich dann zurückhalten; zu profitieren von dem, was andere machen und sich dann über diese zu beschweren um sich zu profilieren.

Warum nutzen wir nicht die Möglichkeiten, die Gott uns gab und haben Rückgrat. Denn sind wir uns doch dessen auch bewusst: niemand ist vollkommen - und darum sollen wir vom Gegenüber auch nicht Vollkommenheit einfordern. Das Bemühen zur Vollkommenheit soll uns dabei jedoch eine Motivation sein.

 

Sie alle kennen die obgenannten Begriffe. Und ich, ich muss immer wieder darüber schmunzeln. Denn eigenartigerweise sind jene Personen, die in der Öffentlichkeit als Progressiv bekannt sind, oftmals konservativ oder veränderungshemmend und die angeblich konservativen der Veränderung förderlich.

Und darum gibt es den einfachen Hinweis, lassen wir diese Begriffe auf der Seite. Und dennoch möchte ich ein paar Beispiele geben von meinen Theologieprofessoren in den 80er Jahren (!).

Mein Kirchenrechtsprofessor Eugenio Corecco galt immer als konservativ - doch er hat immer bekundet, dass das Pflichtzölibat schon lange hätte aufgehoben werden sollen und nichts mit Tradition zu tun hat.  Er wurde Bischof und Berater des Papstes.

Mein Dogmatikprofessor - Christoph Schönborn - sagte immer, das Wesentliche des Glaubens ist, dass Gott es gut mit den Menschen meint und Gott will, dass der Mensch seine Hilfe bekommt und annimmt. Heute ist er Kardinal und Erzbischof von Wien.

Mein Liturgikprofessor sagte immer, die Liturgie ist die Feier des Glaubens an und zu Gott. Sie ist ehrlich, erfürchtig und respektvoll - sie ist aber nie Theater. Leider ist er zu früh verstorben.

Mein AT-Professor, Adrian Schenker, lehrte mich den Umgang mit der Bibel: sie ist und bleibt Gottes Wort. Doch die Worte müssen in die heutige Zeit übersetzt werden. Er ist heute nach wie vor ein sehr gläubiger und tiefgehender Mensch.

Ja, ich wäre heute froh, wenn viele sich progressiv nennend oder konservativ nennend sich wirklich sicher der Sache annehmen würden indem sie ihr auf den Grund gehen und dann sich einsetzen auf dieser Basis. Konservativ und Progressiv sind zwei Worte, die sich nicht widersprechen müssen, sondern sich ergänzen können. Wie wäre es schön, wenn es bei vielen Personen um die Sache ging und nicht um Selbstdarstellung - oder gar um Besitzstandwahrung.

Der Untergang der Kirche ist die Ungläubwürdigkeit, die Vertagung der Problemlösungen mit angeblich immer wieder neuen Arbeitsgruppen, die Administration und das Eigeninteresse - und dies beginnt auch bei den Anstellungsordnungen der öffentlich-rechtlichen-Körperschaften. Geht es wirklich noch um den Glauben oder geht es um.....?????

Glauben Sie mir nicht, dann diese einfache Frage oder Bemerkung, die ein deutscher Weihbischof nach seinem Statement an einer Bischofssynode gegeben hat. Ihm wurde gesagt, als er zu seinem Sitz zurückging: "Kompliment, Sie haben die Probleme der Kirche erkannt und auf den Punkt gebracht. Aber Ihre Zukunft ist damit besiegelt - Sie werden Weihbischof bleiben. ------- " Ja, wer was verändern will, wird nicht befördert. Wer nichts macht und zu allem Ja sagt, wird befördert...... Unabhängig vom Glauben, von der Intention.....

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

Zum Seitenanfang
JSN Blank template designed by JoomlaShine.com