Als ich mich von der Oberin meines Nachbarklosters verabschiedete infolge der Weiterbildung zum Thema "Auf den Spuren des Paulus" in Griechenland, bekam ich als Wunsch mit auf den Weg: Komm gesund wieder zurück und mit viel Mut.

Wenn ich nun die ersten Tage hier auf den Spuren von Paulus in Griechenland unterwegs bin, dann fährt es mir Kalt über den Rücken, weil mir bewusst wird, wieviel Mut dieser Paulus damals hatte. Er betrat Europa in Griechenland und gründete von hier aus Gemeinden, Gemeindern mit der Botschaft der Liebe und der Zuversicht. Er landete im Gefängnis, hatte Reiseschwierigkeiten, wurde abgelehnt, ausgelacht, verspottet - und er blieb der Botschaft treu. Dieser Mann hatte Mut und Gottvertrauen. Die Taufe von Lydia ist nur eines von vielen Beispielen: in dieser Zeit eine Frau in die Gemeinschaft aufzunehmen, bei ihr einzukehren und und... Mit welchen Worten hat er sich eingesetzt für das Leben und das Miteinander in der wunderbaren Schöpfung. Und er hat den Menschen Mut gemacht.

Heute kann ich seine Stationen bequem und ohne Sorgen besuchen. Ich sehe wunderbar schöne Mosaiken an diesen Stellen und ich frage mich: Die Schönheit dieser Mosaiken ist herrlich anzusehen, doch wo bleibt die Schönheit des christlichen Daseins in unserer Gesellschaft sichtbar und erfahrbar. Ja, ich frage mich, ob wir uns nicht einfach des Vergangenen rühmen und es sein lassen wollen.

Paulus hatte Mut und ich wünsche mir diesen Mut auch wieder in unserer Kirche: Selbstbewusst aufzutreten im Vertrauen auf Gott, Neues zu bewegen und den Menschen zu helfen glücklich zu werden. Da zu sein und sich zu engagieren für das Leben und die Freiheit. - Ich wünschte mir, dass unsere Kirche wieder den Mut hat, wie es Paulus hatte. Ich wünschte mir, dass die vertrauenszusagen in den Thessalonicherbriefen auch unsere Bischöfe und Verantwortlichen in den Administrationen hören und sie Veränderungen zulassen und initiieren. Dabei wir alle mithelfen und im heutigen Umbruch der Gesellschaft wir wieder zu einem tragenden Pfeiler werden.

Und zu verändern gibt es Vieles - nicht nur von Rom Veränderungen zu erwarten, die teils sogar schon im Zweiten Vatikanischen Konzil niedergeschrieben oder diskutiert wurden. Brechen wir auf, wie Paulus aufgebrochen ist und befreien wir unsere Strukturen, die im Dienste des Glaubens standen, von den Altlasten und vom Staub und lassen sie wieder in deren Dienst stellen: die Erleichterung, das Miteinander und Füreinander, die Solidarität und die Subsidiarität, die Liebe und das Leben.

Und dies war doch Paulus in jener Zeit: Orientierung, Fels in der Brandung, Motivator.

Auf Gute Zeiten

Sie finden hier Fotos von Stationen des Paulus:

"Auf den Spuren des Paulus"

Die Kirche ist Zeit ihrer Existenz immer im Wandel. Doch viele tun sich damit schwer. Eine alte Weisheit sagt:
"Frag einen Katholiken, was das Wichtigste ist. Er wird dir Antworten die Eucharistie. Frag ihn, was das Wichtigste in der Eucharistiefeier ist, er wird antworten die Wandlung. - Sag einem Katholiken, das Wichtigste ist die Wandlung. Er wird antworten, das ist nicht so."

Ecclesia semper riformanda. Die Kirche muss sich immer erneuern und dabei das Grundlegende zur Entfaltung bringen damit dies in dieser Welt wirken kann. Am sichtbarsten wird dies gerade im Sakrament der Versöhnung. Kein Sakrament hat sich so verändert  wie dieses: Versöhnung 1x im Leben, Tarifbusse, Beichte, Andachtsbeichte mit geistlicher Führung, Bussfeier usw. um nur ein paar Stationen zu nennen.

Warum wehren wir uns so gegen diese Reformen und Veränderungen und gegen jene Personen, die dies angehen und umsetzen wollen? Warum lassen wir es nicht zu, dass Missstände beseitigt werden, neue Formen geschaffen werden, die gesellschaftliche Siutation erkannt wird und die Kirche darin sich einbringt?

Ist es das Festhalten an einer eigenen Karriere, am sich wohlfühlen wie es jetzt ist, keine Auseinandersetzung wünschen, sich nicht einsetzen müssen und es bequem zu haben, niemandem auf die Füsse zu treten? Es gibt zig-Gründe und keiner hat Bestand vor dem Auftrag in unserer Taufe: Christus nachzufolgen und sich zu verändern für das Leben und das Lob Gottes. Stärken wir jene, die sich darauf einlassen und einer davon ist Paspt Franziskus, der Schritte eingeleitet hat und wir sollten sie mit ihm gehen.

"Kennen Sie den Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz?" - So wurde ich letzthin gefragt und ich stellte die Gegenfrage: "Sie nicht?" Und die Antwort war: "Früher kannte ich alle Schweizer Bischöfe, heute mit Ausnahme von Vitus Huonder und Marian Eleganti keinen."

Darum hier zuerst einmal die Namen der Mitglieder der Bischofskonferenz:
Charles Morerod (Bischof von Fribourg, Genf und Lausanne), Präsident
Felix Gmür (Bischof von Basel), Vizepräsident
Urban Federer (Abt von Einsiedeln), Präsidiumsmitglied
Markus Büchel (Bischof von St. Gallen)
Vitus Huonder (Bischof von Chur)
Valerio Lazzeri (Bischof von Lugano)
Jean-Marie Lovey (Bischof von Sitten)
Denis Theurillat (Basel, Weihbischof)
Marian Eleganti (Chur, Weihbischof)
Alain de Raemy (Lausanne, Genf und Fribourg, Weihbischof)
Jean Scarcella (Abt von Saint-Maurice)

Hätten Sie sie gekannt? - Vielleicht sagen Sie, es spielt doch keine Rolle, für mich ist das Leben in der Pfarrei wichtig und dass ich die gemeindeleitende Person (Pfarreibeauftrage/r, Diakon, Pfarrer) oder die mitarbeitenden SeelsorgerInnen kenne. Und doch gibt es hier einen wichtigen Einwand: die Bischöfe und die beiden Äbte repräsentieren die Gläubigen eines bestimmten Gebietes. Sie sind Führungspersönlichkeiten und stellen u.a., auch das Gesicht der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz dar.

Doch wo sind unsere Bischöfe/Äbte mit den Stellungnahmen zu aktuellen Themen, mit der Präsenz in den Medien, mit den Perspektiven für die Zukunft? Wo sind diese verantwortlichen Personen zu hören mit den positiven Positionen und Darlegungen für das Leben, für den Glauben, für die positive Botschaft der Kirche? Und wo sind die Wortmeldungen zur aktuellen Situation der Weltkirche und zur Stellung des Papstes? 

Nicht nur viele SeelsorgerInnen und Amtsträger vermissen dies, auch viele Freiwillige, aktive Gläubige und solche, die sich enttäuscht zurückgezogen haben.

Ja, es wäre schön, die Stimme oder die Stimmen zu hören.

 

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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