Kennen Sie den nächsten Bischof von Chur?

Wir alle wissen, dass in diesen Wochen die Vorbereitungen auf die Bischofswahl in Chur im Gange sind und entsprechend erscheinen auch die verschiedensten Artikeln in den Medien. Dabei geht es gar nicht so sehr "nur" um die Personenfrage, sondern vielmehr um unsere Kirche.

Die Aufgabe das Bistum Chur wieder in geordnete Bahnen zu leiten und zu führen ist eine sehr schwierige. Das Bistum ist zu vielfältig infolge der unterschiedlichen Regionen, der Bevölkerungsverteilung, der unterschiedlichen Beziehungen in den jeweiligen Bistumskantonen von Katholisch zu Reformiert, der verschiedenen kantonalen öffentlichen Körperschaften usw. - Und das Bistum ist seit Jahrhunderten nicht definitiv gegliedert, so dass der Bischof von Chur auch Administrationsgebiete zu betreuen hat.

Soll dies eine Person alleine bewältigen können? - Ein Ding der Unmöglichkeit!

Die Aufgabe im Bistum wird es sein ein Team zu finden in dem alle verschiedenen Ausrichtungen ihre Ansprechspersonen haben in die sie vertrauen haben. Vertrauen aufbauen kann man nur im Miteinander und nicht im Gegeneinander. So spielt es keine Rolle, welcher Richtung der Bischof eher angehört (die meisten Bischöfe lassen sich nicht in allen kirchen- und gesellschaftspolitischen Frage in eine Schublade stecken - Gott sei Dank dafür). Entscheidender ist, dass er um sich das entsprechende Team zusammenstellt. Und dieses Team darf nicht ein Team von JA-Sagern sein, sondern mit denen diskutiert und sich auseinandergesetzt wird - um dann gemeinsam nach aussen zu treten.

Wir haben einige fähige Kandidaten für das Amt und für dieses Team! Reden wir unser Personal nicht immer schlecht!

Die grosse Frage wird dann jedoch auch sein: jene, die weder Bischof noch ins Mitarbeiterteam berufen werden, und alle Gläubigen, sind wir bereit dann eine Chance zu geben oder schon in den ersten Tagen und Wochen alles genau zu beobachten und gleich zu beurteilen oder gar zu verurteilen?
Werden wir uns bewusst sein, dass kein Bischof und keiner seiner MitarbeiterInnen vollkommen und perfekt ist?

Darum die grosse Bitte: Stecken wir nicht zu hohe Erwartungen, sondern vertrauen wir darauf und beten darum, dass mit dem neuen Bischof ein gemeinsamer Weg aller begonnen wird.

In der Diskussion um Veränderung der katholischen Kirche wird oftmals angefügt, dass sich nichts verändern darf auf Grund der Diskussion um die Missbräuche.

Ist es aber nicht so, dass die Kirche sich schon lange verändern muss und die verschiedenen Fragestellungen auf die Seite gelegt hat - oftmals unter dem Deckmantel der Gefahr einer Kirchenspaltung? Und damit eigentlich mit der Motivation der Angst?

Sehr wünschte ich mir, dass die röm.kath. Kirche die vielen Hoffnungen des Zweiten Vatikanischen Konzils wieder hervorholt, den Staub abwischt und sie zur Geltung kommen lässt. Darin gibt es viele Bereiche, die nach wie vor der Veränderung bedürfen: die Frage des Amtes, das Verhältnis von Ortsbischof zur Weltkirche, die spirituelle Grundlage der Kirche, die Stellung der Frau in der Kirche, das Pflichtzölibat, die Zulassung zu den Weihen, die Spendung der Sakramente, die Ökumene und vieles mehr.

Nur schon das Pflichtzölibat lässt aufhorchen: Aus Angst vor einer evtl. Kirchenspaltung wird dies nicht aufgehoben. Doch in der röm.katholischen Kirche ist seit den 70er Jahren die theologische Diskussion hierüber abgeschlossen, die Kirche kennt verheiratete Priester die den priesterlichen Dienst ausüben in ihrer Gemeinschaft. Die längst fällige Aufhebung der Pflicht würde das Zölibat wieder in einem ganz anderen Glanz erstrahlen lassen. Wo bleibt der Mut, wo bleibt das Vertrauen?

In ähnlichem Masse geht es mit dem Amt des Diakonates für die Frau: warum Angst haben? - Die oftmals dagegen vorgetragenen Argumente ähneln jener bei der Zulassung von Mädchen zum Ministrantendienst. Und was ist daraus geworden? Die Mädchen sind eine Selbstverständlichkeit und eine Bereicherung, die Kirche hat gewonnen und nicht verloren.

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Gerne mache ich hier noch aufmerksam auf das Gebet am Donnerstag. Näheres finden Sie auf der entsprechenden homepage.

Vielleicht haben Sie sich gefragt, warum eine Zeit lang kein Blogeintrag kam. Und ich darf Ihnen sagen, dass ich mal das SCHWEIGEN ausprobieren wollte. Und die Antwort auf diese Versuchsphase ist eine einfache.

SCHWEIGEN LOHNT SICH NICHT GEGENÜBER ÜBEL

Das alte Sprichwort "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" verliert seinen Stellenwert, wenn es um das Negative geht. Denn dann heisst Schweigen = Zustimmung. Es bedeutet zwar nicht Akzeptanz von etwas Negativem, aber es bedeutet Toleranz. Und kann es Toleranz gegenüber etwas Negativem geben? NEIN! Denn das Negative wächst dann nur weiter und wird indirekt stärker gemacht - und irgendwann hat man dann fast keine Chance mehr das Negative zu bekämpfen und stattdessen dem Positiven den Platz zu geben.

Und da stehen wir in unserer Kirche und in unserer Gesellschaft: es ist dringend an der Zeit, dass proaktiv das Negative beim Namen genannt wird und daraus auch Konsequenzen gezogen werden. Konsequenzen indem auch Strukturen, Sachverhalte hinterfragt werden, die teils schon lange benannt und bekannt sind.

Es sträubt sich in mir Vieles dagegen, wenn bei der Aufarbeitung der sexuellen Missbräuche in der katholischen Kirche, in den Schulen, in den Vereinen, in den Familien - nur davon geredet wird, dass diese verarbeitet werden müssen und keine anderen Konsequenzen gezogen werden.

Die andere Konsequenz ist doch, dass wir uns verändern müssen, der Einzelne, das System, die Struktur, die Gruppe. Beginnen wir doch bei der Darstellung des Sexuellen und der sogenannten Freizügigkeit: warum muss jegliche Sexualität in den verschiedensten Medien in allen Formen dargestellt - und konsumiert werden? Ist es für die Handlung eines Filmes dermassen entscheidend, so wichtig für einen Zeitungsartikel, verkaufsfördernd in der Werbung? Sind Beziehungen und Liebe machbar durch Fernsehshows?

Müssen wir nicht wieder dahin kommen, dass der Mensch in seiner Ganzheit angesprochen wird und die verschiedensten Werte und der damit verbundene Respekt gepflegt wird?

Sehr hoffe ich, dass wir alle die nötigen Konsequenzen ziehen und nicht Schweigen. Wir auch Konsequenzen zum Ziele führen lassen, die auch grosse Veränderungen beinhalten.

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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