Im Augenblick steht die röm.kath. Kirche stark im Kreuzfeuer und von allen Seiten wird etwas an sie herangetragen. Derweil hat die Kirche selbst es in der Hand sich der Problematik zu stellen und die schon lange pendenten Lösungen anzuwenden.

So frage ich mich immer wieder, warum unsere Verantwortlichen nicht den Mut zu den längst fälligen Entscheidungen haben. Würden diese endlich umgesetzt, wären Kapazitäten frei - nicht zur Verteidigung, sondern zum Wirken im Geiste der Botschaft Christi.

Beginnen wir in ein paar wenigen Punkten:

  1. Missbrauch mit Kindern: Ehrlichkeit, Offenheit und klare Informationen mit den entsprechenden rechtlichen Schritten.
  2. Stellung der Frau in der Kirche: Einführung des Diakonates der Frau, Mitwirkung der Frauen in entsprechenden Leitungsgremien
  3. Eucharistie: alles zu unternehmen, dass die Eucharistie als Quelle der Gemeinschaft den Menschen auch zugänglich gemacht wird und nicht durch Verwaltungsakte behindert wird
  4. Krankensalbung: ein wunderbares Sakrament der Hilfe und Unterstützung, das infolge der heutigen Konstellation immer mehr in den Hintergrund tritt bzw. verdrängt wird - weil Spender fehlen..
    Ist es unser Recht die Hilfe Gottes den bedürftigen Menschen zu verweigern?
  5. Pflichtzölibat: Aufhebung desselben, da diese Frage schon lange theologisch abgehandelt ist und wir dies ja auch kennen auf Grund unterschiedlichster Situationen (unierte Kirche, zum kath. Glauben konvertierte ref. Pfarrer, oder dann auch verwitwete Männer - die nach dem Tod ihrer Frau Priester wurden)
  6. Zölibat: Beibehaltung des Zölibates als Freiwilligkeit
  7. Missionen in der Schweiz: ist die jetzige Form mit Missionen nach Sprachgruppen noch tragbar und sollten wir nicht vermehrt wieder dazu kommen, dass wir eine (!) Gemeinschaft in der Pfarrei sind.
  8. Ökumene: die Zusammenarbeit mit den verschiedenen christlichen Gemeinschaften. Halten wir doch fest, wie wenig uns trennt und wieviel uns verbindet.
    Wieviele der Thesen von Martin Luther haben heute noch ihre Gültigkeit?
  9. Vetternwirtschaft: schaffen wir es ab, dass Entscheide oder Beförderungen geschehen infolge Verbandelungen und Eigeninteressen. Fördern wir das Rückgrat unserer Mitarbeitenden und Pfarreiangehörigen. Kommen wir weg davon zu sagen: der andere/die andere muss/soll. Fangen wir bei uns an.

Es sind dies ein paar kleine Punkte. Und wenn in den Medien manchmal zu hören ist, dass die katholische Kirche ein schwerer Tanker sei und damit schwierig zu korrigieren, dann - ja dann lade ich alle herzlich ein in eine grosse Schiffswert. Dort lässt sich feststellen, dass die grössten Tanker ohne Probleme ans richtige Dock manövriert werden oder von dort weggeschickt werden - und dies weil alle zusammenarbeiten und ein WILLE da ist. Wir haben die Möglichkeit vom Willen und die Erleichterung, weil der Heilige Geist hilft.

 

 

Kennen Sie den nächsten Bischof von Chur?

Wir alle wissen, dass in diesen Wochen die Vorbereitungen auf die Bischofswahl in Chur im Gange sind und entsprechend erscheinen auch die verschiedensten Artikeln in den Medien. Dabei geht es gar nicht so sehr "nur" um die Personenfrage, sondern vielmehr um unsere Kirche.

Die Aufgabe das Bistum Chur wieder in geordnete Bahnen zu leiten und zu führen ist eine sehr schwierige. Das Bistum ist zu vielfältig infolge der unterschiedlichen Regionen, der Bevölkerungsverteilung, der unterschiedlichen Beziehungen in den jeweiligen Bistumskantonen von Katholisch zu Reformiert, der verschiedenen kantonalen öffentlichen Körperschaften usw. - Und das Bistum ist seit Jahrhunderten nicht definitiv gegliedert, so dass der Bischof von Chur auch Administrationsgebiete zu betreuen hat.

Soll dies eine Person alleine bewältigen können? - Ein Ding der Unmöglichkeit!

Die Aufgabe im Bistum wird es sein ein Team zu finden in dem alle verschiedenen Ausrichtungen ihre Ansprechspersonen haben in die sie vertrauen haben. Vertrauen aufbauen kann man nur im Miteinander und nicht im Gegeneinander. So spielt es keine Rolle, welcher Richtung der Bischof eher angehört (die meisten Bischöfe lassen sich nicht in allen kirchen- und gesellschaftspolitischen Frage in eine Schublade stecken - Gott sei Dank dafür). Entscheidender ist, dass er um sich das entsprechende Team zusammenstellt. Und dieses Team darf nicht ein Team von JA-Sagern sein, sondern mit denen diskutiert und sich auseinandergesetzt wird - um dann gemeinsam nach aussen zu treten.

Wir haben einige fähige Kandidaten für das Amt und für dieses Team! Reden wir unser Personal nicht immer schlecht!

Die grosse Frage wird dann jedoch auch sein: jene, die weder Bischof noch ins Mitarbeiterteam berufen werden, und alle Gläubigen, sind wir bereit dann eine Chance zu geben oder schon in den ersten Tagen und Wochen alles genau zu beobachten und gleich zu beurteilen oder gar zu verurteilen?
Werden wir uns bewusst sein, dass kein Bischof und keiner seiner MitarbeiterInnen vollkommen und perfekt ist?

Darum die grosse Bitte: Stecken wir nicht zu hohe Erwartungen, sondern vertrauen wir darauf und beten darum, dass mit dem neuen Bischof ein gemeinsamer Weg aller begonnen wird.

In der Diskussion um Veränderung der katholischen Kirche wird oftmals angefügt, dass sich nichts verändern darf auf Grund der Diskussion um die Missbräuche.

Ist es aber nicht so, dass die Kirche sich schon lange verändern muss und die verschiedenen Fragestellungen auf die Seite gelegt hat - oftmals unter dem Deckmantel der Gefahr einer Kirchenspaltung? Und damit eigentlich mit der Motivation der Angst?

Sehr wünschte ich mir, dass die röm.kath. Kirche die vielen Hoffnungen des Zweiten Vatikanischen Konzils wieder hervorholt, den Staub abwischt und sie zur Geltung kommen lässt. Darin gibt es viele Bereiche, die nach wie vor der Veränderung bedürfen: die Frage des Amtes, das Verhältnis von Ortsbischof zur Weltkirche, die spirituelle Grundlage der Kirche, die Stellung der Frau in der Kirche, das Pflichtzölibat, die Zulassung zu den Weihen, die Spendung der Sakramente, die Ökumene und vieles mehr.

Nur schon das Pflichtzölibat lässt aufhorchen: Aus Angst vor einer evtl. Kirchenspaltung wird dies nicht aufgehoben. Doch in der röm.katholischen Kirche ist seit den 70er Jahren die theologische Diskussion hierüber abgeschlossen, die Kirche kennt verheiratete Priester die den priesterlichen Dienst ausüben in ihrer Gemeinschaft. Die längst fällige Aufhebung der Pflicht würde das Zölibat wieder in einem ganz anderen Glanz erstrahlen lassen. Wo bleibt der Mut, wo bleibt das Vertrauen?

In ähnlichem Masse geht es mit dem Amt des Diakonates für die Frau: warum Angst haben? - Die oftmals dagegen vorgetragenen Argumente ähneln jener bei der Zulassung von Mädchen zum Ministrantendienst. Und was ist daraus geworden? Die Mädchen sind eine Selbstverständlichkeit und eine Bereicherung, die Kirche hat gewonnen und nicht verloren.

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Gerne mache ich hier noch aufmerksam auf das Gebet am Donnerstag. Näheres finden Sie auf der entsprechenden homepage.

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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