Die Kirche ist Zeit ihrer Existenz immer im Wandel. Doch viele tun sich damit schwer. Eine alte Weisheit sagt:
"Frag einen Katholiken, was das Wichtigste ist. Er wird dir Antworten die Eucharistie. Frag ihn, was das Wichtigste in der Eucharistiefeier ist, er wird antworten die Wandlung. - Sag einem Katholiken, das Wichtigste ist die Wandlung. Er wird antworten, das ist nicht so."

Ecclesia semper riformanda. Die Kirche muss sich immer erneuern und dabei das Grundlegende zur Entfaltung bringen damit dies in dieser Welt wirken kann. Am sichtbarsten wird dies gerade im Sakrament der Versöhnung. Kein Sakrament hat sich so verändert  wie dieses: Versöhnung 1x im Leben, Tarifbusse, Beichte, Andachtsbeichte mit geistlicher Führung, Bussfeier usw. um nur ein paar Stationen zu nennen.

Warum wehren wir uns so gegen diese Reformen und Veränderungen und gegen jene Personen, die dies angehen und umsetzen wollen? Warum lassen wir es nicht zu, dass Missstände beseitigt werden, neue Formen geschaffen werden, die gesellschaftliche Siutation erkannt wird und die Kirche darin sich einbringt?

Ist es das Festhalten an einer eigenen Karriere, am sich wohlfühlen wie es jetzt ist, keine Auseinandersetzung wünschen, sich nicht einsetzen müssen und es bequem zu haben, niemandem auf die Füsse zu treten? Es gibt zig-Gründe und keiner hat Bestand vor dem Auftrag in unserer Taufe: Christus nachzufolgen und sich zu verändern für das Leben und das Lob Gottes. Stärken wir jene, die sich darauf einlassen und einer davon ist Paspt Franziskus, der Schritte eingeleitet hat und wir sollten sie mit ihm gehen.

"Kennen Sie den Präsidenten der Schweizer Bischofskonferenz?" - So wurde ich letzthin gefragt und ich stellte die Gegenfrage: "Sie nicht?" Und die Antwort war: "Früher kannte ich alle Schweizer Bischöfe, heute mit Ausnahme von Vitus Huonder und Marian Eleganti keinen."

Darum hier zuerst einmal die Namen der Mitglieder der Bischofskonferenz:
Charles Morerod (Bischof von Fribourg, Genf und Lausanne), Präsident
Felix Gmür (Bischof von Basel), Vizepräsident
Urban Federer (Abt von Einsiedeln), Präsidiumsmitglied
Markus Büchel (Bischof von St. Gallen)
Vitus Huonder (Bischof von Chur)
Valerio Lazzeri (Bischof von Lugano)
Jean-Marie Lovey (Bischof von Sitten)
Denis Theurillat (Basel, Weihbischof)
Marian Eleganti (Chur, Weihbischof)
Alain de Raemy (Lausanne, Genf und Fribourg, Weihbischof)
Jean Scarcella (Abt von Saint-Maurice)

Hätten Sie sie gekannt? - Vielleicht sagen Sie, es spielt doch keine Rolle, für mich ist das Leben in der Pfarrei wichtig und dass ich die gemeindeleitende Person (Pfarreibeauftrage/r, Diakon, Pfarrer) oder die mitarbeitenden SeelsorgerInnen kenne. Und doch gibt es hier einen wichtigen Einwand: die Bischöfe und die beiden Äbte repräsentieren die Gläubigen eines bestimmten Gebietes. Sie sind Führungspersönlichkeiten und stellen u.a., auch das Gesicht der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz dar.

Doch wo sind unsere Bischöfe/Äbte mit den Stellungnahmen zu aktuellen Themen, mit der Präsenz in den Medien, mit den Perspektiven für die Zukunft? Wo sind diese verantwortlichen Personen zu hören mit den positiven Positionen und Darlegungen für das Leben, für den Glauben, für die positive Botschaft der Kirche? Und wo sind die Wortmeldungen zur aktuellen Situation der Weltkirche und zur Stellung des Papstes? 

Nicht nur viele SeelsorgerInnen und Amtsträger vermissen dies, auch viele Freiwillige, aktive Gläubige und solche, die sich enttäuscht zurückgezogen haben.

Ja, es wäre schön, die Stimme oder die Stimmen zu hören.

 

Wieder musste sich Papst Franziskus zu Missbrauchsfällen äussern - diesmal in den USA. Die Untersuchung, auf die er sich bezog, zeigt ua. auf, dass etliche Fälle schon einige Jahrzehnte zurückliegen und die Täter teils schon verstorben sind. Ein jeder solcher Übergriff ist zu verurteilen und zu ahnden. Da nützt es der Kirche auch nichts, wenn einige Verantwortliche darauf verweisen, dass solche Übergriffe auch in Familien oder anderen Berufsgruppen geschehen. Unrecht lässt sich nie rechtfertigen mit dem Hinweis, dass andere es auch gemacht haben oder auch machen.

Die Frage, die jedoch über allem auch hängt, ist: Warum hat die katholische Kirche es nicht begriffen, dass in allen Ländern dieser Problematik nachgegangen wird und zwar sofort? Was hat die Kirche denn erreicht mit dem Schweigen? Ist in einem Land etwas festgestellt worden, kam dies in die Medien. Dann wurde es still - und das nächste Land kam dran, dann wurde es still und wieder das nächste usw.. Damit wurde das Problem nicht gelöst...

Dieses Problem hätte schon längst länderübergreifend angegangen werden müssen und damit die Kirche sowohl Aufarbeitung und Vorbeugung leisten können. Wie heisst ein altes Sprichwort: "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende." Manchmal ist die Wahrheit hart zu verarbeiten. Wird sie jedoch verarbeitet, können daraus positive neue Akzente wachsen - und dies gilt auch für die Kirche. Entsprechend hoffe ich sehr, dass die gesamte Kirche Schweiz hierin alles gemacht hat/macht und nicht nach einigen Monaten oder Jahren wieder etwas kommt.

Vielleicht müssen sich alle wieder mal daran erinnern, was Priester bei der Diakonatsweihe und Priesterweihe, und der Bischof bei der Bischofsweihe versprechen: "adsum" - ich bin bereit mich einzusetzen für den Glauben, für die frohe Botschaft Christi im Dienste der Menschen und zum Lobe Gottes. Bereit sein sich einzusetzen heisst auch sich aussetzen. Wohlgemerkt: es heisst sich aussEtzen und nicht aussItzen. Dieser kleine Buchstabenwechsel "e" statt "i" macht die Differenz aus. Nur wenn wir uns alle einsetzen, setzen wir uns für die Botschaft Christi aus und bringen sie wieder zum Tragen.

"Adsum", ich bin bereit - sollte von allen wieder gelebt und gepflegt werden. Dann wäre auch sichtbar, dass die Priester, Bischöfe, SeelsorgerInnen für die Menschen im Dienste des Glaubens da sind - und nicht umgekehrt. Und dann machen wir es so wie es Jesus getan hat: er hat hingeschaut und gehandelt.

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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