Wenn ich damals vor 30 Jahren am Pfingstwochenende zum Priester geweiht wurde und die Primiz feierte, dann war dies ein Schritt für den Dienst in der Kirche. Und nach diesen 3 Jahrzehnten lohnt es sich zurückzublicken um in die Zukunft gehen zu können. Und der Rückblick macht mir sichtbar, dass in unserer Kirche Vieles auf der Wartebank ist und nicht Weiterentwickelt wird. Der Mut, die Hoffnung, die Zuversicht und der Elan, der vor ca. 2000 Jahren mit Pfingsten in die Menschen eingefahren ist, ist irgendwie verflogen und es wird - es wird gewartet. Es wird gewartet und bei Stellenbesetzungen werden Lücken gefüllt. Doch gibt es auch die Frage nach neuen Konzepten, nach einer neuen Pastoral und auch nach der Stellung von verschiedenen Personengruppen und deren Zulassungen.

Die Kirche von heute fordert und braucht mutige Schritte mit einer Perspektive und einer Ausrichtung. Einer Ausrichtung, dass wir eine Kirche sind und darin eine jede getaufte Person ihre jeweiligen Talente und Fähigkeiten einbringen soll. Einbringen, damit die Botschaft Christi wieder sichtbarer und erfahrbarer wird. Manchmal frage ich mich, wohin dieser Elan verflogen ist - und ich frage mich auch, warum jene, die etwas verändern wollen und unternehmen möchten, blockiert werden und sie nicht einbezogen werden.

Besitzstandwahrung ist nicht das, was der Heilige Geist von uns wünscht. Vielmehr möchte er eine lebendige Kirche und in der soll sich jede Person einsetzen und die anderen ergänzen. Dabei sollen auch die Fähigkeiten zum Tragen kommen. Beten wir um den Heiligen Geist, dass dies wieder möglich wird und der Heilige Geist uns bewegt, durcheinander bringt und uns befreit für das Neue: für die Pastoral am jetzt Lebenden Menschen.

Vor 5 Jahren wurde Papst Franziskus gewählt und hat seinen Dienst übernommen. Einen Dienst, den er im wahrsten Sinne des Worte im Dienste des Glaubens zum Wohle des Menschen ersieht. Viele äussern sich dabei skeptisch, dass ihm nicht viel in diesen Jahren gelungen ist. Doch müssen wir sagen, dass er Vieles angestossen hat und es in Rom auch seine Zeit braucht. Doch liegt es auch an uns ihm mitzuhelfen und mit ihm den Weg zu gehen. Es ist ein Weg der Pastoral und der Freude des Glaubens. Die Freude am Glauben, die die Kraft gibt die Freude am Leben zu gestalten und diese Freude überall hinzubringen. Es wird spannend sein, was in den nächsten Monaten alles geschehen wird und wie die Schritte weitergehen. Hoffen wir auf eine gute Entwicklung. Vertrauen wir, dass dieser Weg weitergegangen wird und sich viele Menschen davon neu erfassen lassen und wieder Hoffnung und Zuversicht erfahren. Und für unsere Kirche in der Schweiz heisst dies auch, dass wir von den Positiven Aspekten auch erzählen und berichten und selber vor Ort in den Pfarreien uns einbringen.

Es ist schon erstaunlich mit welcher Klarheit und Direktheit Papst Franziskus die Veränderungen in der Kirche einfordert und sich dafür einsetzt. Sicherlich gehen manchen die Veränderungen zu langsam vonstatten - doch wäre es eben auch einfacher, wenn alle am gleichen Strick ziehen würden und sich hierfür einsetzen. Die Aussage von Papst Franziskus »In Rom Reformen durchzuführen heißt gleichsam die Sphinx von Ägypten mit einer Zahnbürste zu putzen« zeigt die Schwierigkeiten auf.

Nur stellt sich natürlich auch die Frage, ob die Reformen auch wirklich an allen Orten gewünscht sind. Des öfteren habe ich das Gefühl, dass die Reformen nur dort gewünscht sind, wo sie einem persönlich nicht einschränken oder den eigenen Status/die eigene Stellung nicht untergraben. Doch dann ist die Frage eben da, wozu ist denn die Kirche da? Ist sie da um sich/die eigene Person in den Mittelpunkt zu stellen oder ist sie da um den Menschen auf ihrem Weg zu Gott zu helfen und sie zu begleiten. Was sagte doch einst Jesus Christus: ich bin nicht gekommen das Gesetz aufzuheben, sondern es zu erfüllen. - Und er hat dem Gesetz wieder jenen Stellenwert gegeben, den es hat: im Dienste des Menschen zu stehen, der der Liebe bedürftig ist. Alle kirchlichen Reformen sollten sich diesem Gedanken orientieren und sich einbringen und der Liebe Gottes wieder den Weg eröffnen. 

Und was Papst Franziskus beim Weihnachtsempfang für die römische Kurie sagte, das gilt doch auch uns allen: wie fördern wir nötige Reformen, oder blockieren wir sie. Stellen wir uns auch als Opfer dar, statt der eigenen Schuld sich bewusst zu sein eben nicht mitzuhelfen, nicht mitzutragen?

Die Ansprache ist anregend und stellt an jeden Menschen die Frage: in wessen Dienst stelle ich mich und meine Fähigkeiten - in den Dienst an mir selber oder in den Dienst des Schöpfergottes, der die Liebe allen zugänglich machen will.

Lassen Sie sich leiten von dieser Ansprache, die Sie hier finden: Ansprache von Papst Franziskus beim Weihnachtsempfang für die Kurie

 

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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