Jedes Jahr am 2. Sonntag im November begeht die Schweizer Kirche den Tag der Völker. Sie macht dies im Bewusstsein, dass unsere eine Gemeinschaft aus Menschen verschiedenster Nationaliäten besteht. Wir in Schlieren hätten im schönen Familiengottesdienst so z.B. 68 Nationalflaggen aufhängen können. Symbolisch haben wir es mit einem Teil davon gemacht.

Das gefeierte Zusammensein ist schön, doch was geschieht danach?

Sobald der Tag wieder vorbei ist, werden wieder die alten Wege eingeschlagen und es wird auf die jeweilige Sprachgruppe geschaut. Da ist nicht mehr gross die Rede in unseren Bistumsleitungen von einer Kirche. Da ist dann die Rede von der Kirche der Kroaten, der Italiener, der Spanier, usw.

Es befremdet, dass wir uns in den Bistumsleitungen und in der Schweizer Bischofskonferenz nicht bewusst sind, dass wir eine Kirche sind und dies auch sichtbar gestaltet und gelebt werden muss. Die Konzentriertheit auf die Pastoral einer Sprachgruppe gehört der Vergangenheit an und hat keine Zukunft. Und sie widerspricht der Integrationsaufgabe der Kirche: eine neue Beheimatung finden vor Ort unter der Einbindung des je eigenen.

Schauen wir uns mal im Ausland um: in welchen Ländern gibt es so viele sprachliche Migrantenseelsorgen in den verschiedensten Städten/Orten wie in der Schweiz? Nirgends. Nicht einmal in Rom. Sicher, es werden sprachlich-orientierte Gottesdienste gefeiert, aber eigene Sprachpfarreien oder gar Missionen?

Wenn ich gerade hier in Florenz bin, dann fragen mich die Leute: was, ihr habt eine italienische Mission in der Schweiz? - und es erfolgt ein Kopfschütteln.

Welchen Weg wollen wir gehen - Fragen wir uns dies auch am Tage nach dem "Tag der Völker."

Sie finden hier die Statistik des SPI St. Gallen zu den ausländischen Seelsorgen.Ausländische Seelsorgen in der Schweiz

In Rom ist noch immer die Bischofssynode im Gange. Zwar ist die Hauptthematik die Jugend, doch kommen auch Themen zur Sprache, die die gesamte Weltkirche betreffen - aus Sicht von der Jugend. So erstaunt es nicht, dass die Themen Sexualität, Stellung der Frau, Soziales, Diakonat der Frau, usw. angesprochen werden. 

Mich freut es, dass über alles geredet werden kann und entsprechend niemand einen "Maulkorb" verfasst bekommt. Schön, dass es nicht mehr Mut braucht zu reden, sondern dies gewünscht ist. Mut braucht es jedoch dann, wenn es um die Umsetzung und die Veränderungsprozesse geht. Und da freuen mich auch die Schwestern von meinem Nachbarkloster, die sich in der Öffentlichkeit einsetzen mit dem Hinweis, dass die Frauen auch mitreden und mitstimmen möchten. Betrachten Sie hierzu die Seite auf kath.ch Stimmrecht in der Kirche - auch für Frauen

Wie wichtig diese Stimmen auch sind, zeigt sich auch, wenn wir die Statistik in der Schweiz der Priester anschauen Priesterstatistik Kirche Schweiz.Sicherlich die Stimme der Frau ist schon lange wichtig in der Kirche und hätte schon lange ihren Platz erhalten sollen - nicht nur im Hintergrund. Sie wird noch wichtiger, wenn wir die Kirchenstatistik anschauen und wir uns bewusst werden, welch riesiges Potenzial an Wissen, Können, Einsetzungskraft wir bisher kaum zum Zuge haben kommen lassen. 
Und die Statistik zeigt auch die Notwendigkeit auf, wie wir die bisherige Pastoral überdenken müssen und zu einem Ort der pfarreilichen Arbeit werden, zu einem Ort der christlichen Gemeinschaft und nicht zu Nationalkirchen, wie dies in anderen christlichen Gemeinschaften üblich ist.

Es braucht Mut sich einzusetzen für die Veränderung. Freuen wir uns, dass es immer wieder Menschen gibt, die dies machen. Unterstützen Sie diese und beginnen Sie selbst damit.

Na ja, was hat Paulus nicht alles angestellt. Was hat er nicht alles durch sein Verhalten geändert - bei sich, bei den andern? Am Ende der Reise geht mir ein anderes Licht von Paulus auf bzw. sein Licht erstrahlt neu. Er hatte Mut zur Veränderung und kehrte sich selbst um 180Grad und dann die Menschen um sich und damit die Gesellschaft. Und was heisst dies für uns?

Sich ändern und bei sich anfangen, das bringt für mich Paulus zum Ausdruck mit dem Bild des Leibes Christi: jede Person ist Teil davon und bringt sich ein und ist wichtig. So sollte jede ihren Beitrag bringen zum Wohle aller und zum Lobe Gottes. Und hier meine konkreten Vorschläge für Veränderungspositionen:

a. Weltkirche
- Verkleinerte Administratur in Rom
- Mehr Verantwortungsübernahme in den Ortskirchen
- verstärkte Oekumene und schon jetzt mit der Darstellung dessen, was schon alles gemeinsam ist in den christlichen Gemeinschaften der einen Kirche
- Die Stellung der Frau
- Die Zulassung zu den Weihen und zu anderen Aufgaben
- Weg vom Personkult zum Liebesdienst

b. Schweizer Kirche
- Persönlichkeiten, die sichtbar sind
- Miteinander der Bischöfe
- Vorausgehen in gesellschaftlichen und kirchlichen Fragestellungen
- Position beziehen
- Neuüberlegung der Pastoral

c. Pfarreien
- Ueberlegungen zu den Grössen der Pfarreien, so dass Beziehungsarbeit möglich ist
- Bezugspersonen
- Miteinander aller Nationalitäten in einer Pfarrei
- vermehrte Pflege der Gemeinsachft (Koinonia) und der Caritas (Liebesdienst, Sozialdienst)
- da sein für alle

Es sind dies nur einige Punkte, die sich erweitern lassen. Und alles, weil man bei sich beginnt mit dem sich EINSETZEN  und damit aussEtzen - nicht aussItzen.

 

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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