Wir bereiten uns auf Weihnachten vor und viele Seelsorgerinnen und Seelsorger suchen nach Möglichkeiten wie das Ereignis von Weihnachten zu den Menschen getragen werden kann. Denn gerade in der heutigen Zeit ist die Botschaft eine sehr wichtige und grossartige: Gott wird Mensch und kommt in die Dunkelheit des Lebens. 

Wir brauchen dieses Licht der Hoffnung und Zuversicht, der Motivation und Solidarität.

Und dann wird man zum Staunen gebracht von Aussagen, die uns Seelsorgerinnen und Seelsorgern sehr nahe gehen. Da schreibt doch tatsächlich die NZZ am Sonntag vom 13. Dezember 2020 den grossartigen Titel "Bischof will Priester loswerden". Und darin wird formuliert, dass das Westschweizer Bistum 345 Priester zählt und der Bischof mit halb so vielen Geistlichen auskommen will..... - und dass es keinen Priestermangel gebe.

Sie finden hier den Link zum Artikel "Bischof will Priester loswerden"

Ja, darüber staune ich sehr und es stimmt mich nachdenklich. 

Sicher darf man sich fragen, ob alle Priester am richtigen Ort sind und es eine andere Gebietsverteilung geben kann. Es muss auch gefragt werden, ob die Strukturen in unserer Kirche Schweiz so noch stimmen mit Parallelstrukturen von Ortspfarreien, Personalpfarreien und Missionen. Hier kann sehr viel verändert werden und das Potenzial der heute wirkenden Seelsorgerinnen und Seelsorgern neu verteilt werden. 

Doch einfach die Anzahl Katholiken mit der Anzahl Gottesdienstbesuchern und der Anzahl Seelsorgerinnen und Seelsorgern zu kombinieren und in Beziehung zu setzen, ist etwas anderes. Und grosse Seelsorgeräume sind nicht die Lösung. 

Nach der Rechnung in diesem Zeitungsartikel würde es nämlich dann heissen - und hier schreibe ich aus eigener Erfahrung, da ich während 6 Jahren den grössten Seelsorgeraum des Bistums Chur geleitet hatte mit "nur" 16'000 KatholikInnen (bei ca. 40'000 Einwohnern).: Wenn 1 Pfarrer mit 1 Vikar und 1 Pastoralassistent einen Seelsorgeraum von 16'000 leitet, dann kann dieser auch in der gleichen Anordnung die ganze katholische Bevölkerung des Kantons Glarus betreuen (ca. 14'000 KatholikInnen und ca. 40'000 Einwohnern).

Wir Seelsorgerinnen und Seelsorger (Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten, Diakone, Vikare, Missionare, Pfarradministratoren, Pfarrer) sind doch nicht einfach Gottesdienstfeiernde und SakramentenspenderInnen! 

Zu unserer Berufung gehören mehrere Aufgaben - Gottesdienste sind vielleicht 1/4 des Arbeitsfeldes. Zu den Aufgaben (Glauben Feieren = Litugie, Glauben verkünden = Martyrium, Glauben sozial leben = Diakonie/Caritas, und Glauben in Gemeinschaft leben = Koinonia) gehört auch die Beziehungspflege, das Dasein und Mitsein mit den Menschen, sich Zeit für sie nehmen können in freudigen und traurigen Augenblicken des Lebens. 

Wir haben nicht zu viele Seelsorgerinnen und Seelsorger. Wir haben zu wenige, die die oben aufgeführten Aufgaben umsetzen können.

Dass wir für die Umsetzung fremdsprachige Seelsorgerinnen und Seelsorger importieren, obliegt der jeweiligen Bistumsleitung. Wenn sie geholt werden, ist klar, dass sie bestimmten sprachlichen Ansprüchen genügen müssen - ansonsten dürfen sie nicht geholt werden. - Ohne sie wäre der Seelsorgerinnen und Seelsorgermangel offensichtlicher. 

Statt von Reduzierung zu reden, wäre es sinnvoller davon zu reden wie Menschen, die  jetzt bei uns in der Schweiz leben, Freude am kirchlichen Dienst erhalten können - dann würden sich einige Aussagen des Bischofs von selbst relativieren.

 

 

 

 

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Pfarrer Kurt Vogt
Pfarrer in Näfels GL

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