Na ja, das aktive Warten - im diesjährigen Advent - betrifft natürlich auch unser Bistum und unsere Bistumsregion. Es ist das Warten auf den neuen Bischof und damit auch das Beenden der Zeit in der vieles wirklich stillstand und stillsteht. Zu stark ist in den letzten Jahren - zuerst mit dem Warten in der 2jährigen Amtsverlängerungszeit des Bischofs und dann mit der Einsetzung des apostolischen Administrators eine Zeit des passiven Wartens eingetreten. Viele Entscheidungen, viele Weichenstellungen wurden auf die Seite gelegt oder nicht angegangen, weil gewartet wurde.

Es ist dies schade um diese wertvolle Zeit und die damit verbundenen Chancen. Auch wir in der Kirche - in den Pfarreien, im Generalvikariat, in der Bistumsleitung - sollten in solchen Zeiten aktiv Warten und sich vorwärts bewegen und engagieren.

Und die Menschen in der Kirche - in welchen Positionen auch immer - sollten sich für Entscheidungen die nötige Zeit nehmen. Hierbei darf sich auch die Bischofskongregation vor vielen Fragen nicht drücken und eine Antwort geben, die nicht nur das Bistum Chur betrifft. 

Die Fragen sind dann:

Wenn allseits bekannt ist, dass ein Bischof mit dem 75. Geburtstag die Altersgrenze erreicht, warum kann dann auf diesen Termin hin
a. nicht ein neuer Bischof gewählt oder ernannt worden
b. frühzeitig mitgeteilt werden, dass die Amtszeit verlängert wird

Da lässt sich dann manchmal fragen, wo blieb die Vorbereitungszeit und wie wurde diese genutzt.

In unserem Bistum Chur wäre ein Entscheid schon längst fällig und würde auch wieder Türen öffnen auf ein wichtiges Ereignis, das wir im Jahre 2022 feiern dürfen: "50 Jahre Synode '72" im Bistum Chur. Ein neuer Bischof ist dringend nötig, dass die Vorbereitungszeit hierfür nicht blockiert oder verschlafen wird.

Der Advent ist eine sehr stimmungsvolle Zeit und in den Strassen/Quartieren wird mit Licht und Kerzen etwas sehr Besonderes geschaffen. Dies freut mich immer wieder. Beim näheren Hinschauen lässt sich dann feststellen wie der Hintergrund hierfür allerdings schon verschwunden ist oder immer mehr verschwindet. Und so müsste man schlussendlich sagen: dann lassen wir es doch sein - oder wir setzen uns neu damit auseinander.

Advent heisst aktiv Warten auf die Geburt Jesu Christi, auf die Geburt des Gottessohnes und seine Ankunft in dieser Welt. Sich hierfür bereiten, dass sein Dasein bei mir etwas bewegen kann und ich für ihn wirklich offen bin. Es lässt sich mit dem aktiven Warten auf die Geburt eines Kindes vergleichen: die Eltern richten das Kinderzimmer her, sie bemühen sich alles für das Neugeborene schon Zuhause zu haben. Und manche werdenden Mütter haben bei sich eine Tasche fix-fertig gepackt, so dass sie - wenn es "los geht" - direkt an den Gebärort gefahren werden können und ja keine Zeit verloren wird. - Es ist ein sehr aktives Warten und sich ein Bereiten auf das grosse Ereignis. Und dabei wird die Vorbereitungszeit selber zu einem Ereignis.

Sehr wünschte ich mir, wenn dies aktive Warten sich auch wieder durchsetzen würde für den eigentlichen Anlass in der Adventszeit. Ein Warten in der Sehnsucht auf das grossartige Geschenk des Gottessohnes. Ein Warten auf die Liebe von Gott zu uns Menschen, die im Kinde Jesu sichtbar wird. Ein Warten auf die Zuwendung Gottes an uns Menschen.

So wünsche ich Ihnen allen ein aktives Warten und ein Offenwerden für die Geburt Christi in der geweihten Nacht, die geweiht ist, weil Gott Mensch wird - und darum WEIHNACHTEN heisst.

Haben Sie auch schon auf Entscheidungen gewartet? Viele warten auf diese und am Liebsten auf die Entscheidungen der anderen - bei sich kann man sich Zeit lassen. Und wenn dann mal Entscheidungen von sich fällig werden, dann heisst es oftmals: gründen wir noch eine Kommission, das müssen wir noch abklären usw.

Erstaunlich wie schnell wir die Entscheidungen von den anderen verlangen und bei sich selbst suchen wir alle ausreden um ja nicht entscheiden zu müssen oder nicht akzeptieren wollen. Beispiele gefällig:

a. Bistumseinteilung Schweiz: seit den 70er Jahren in Diskussion, abgeschmettert mit den Hinweisen auf die alte Bundesverfassung. Seitdem diese geändert wurde, ist das Hauptargument weg und jetzt hört man immer wieder Scheinargumente. Seit mehr als 40 Jahren überfällig.

b. Fussballstadion in Zürich: wieviele Abstimmungen muss es noch geben, die auch respektiert werden und nicht mit anderen Argumenten untergraben werden?

c. Ausbau von Tunnels: wo liegen denn die Interessen?

d. gesellschaftliche Veränderungen: mit welchen Scheinargumenten werden Lösungen für  Menschen im AHV-Alter blockiert, Lösungen für Mütter die bei ihren Kindern zuhause bleiben nicht angegangen?

Partikularinteressen, Parteieninteressen usw. stehen meistens all dem im Wege - so auch die ständig wachsende Administration und der bürokratische Aufwand für Kleinigkeiten. Was hat jemand mal gesagt: für jede neue Bestimmung/Gesetz sollte man 10 abschaffen. Der Wahn alles regeln zu wollen, ist zur Verhinderung der Veränderung geworden.

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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