In den letzten Tagen kam im Schweizer Radio ein Bericht über Scheidungen in der Zeit nach der Pensionierung. Es wurde festgehalten, dass die Zahl der Scheidungen im Alter über 60 Jahren zunehmen.

Mich persönlich erstaunt dies nicht. Denn während in den Jahren zuvor in der Arbeitswelt ein Teil der Zeit gestaltet wurde - sei es er oder sie, oder beide arbeiteten -, ist es nun so, dass beide Personen Zuhause sind. So verstärken sich natürlich alle Sachverhalte, die sich in den vorgängigen Ehejahren zusammengetragen haben.

Sind wir dabei auch offen zu formulieren, dass
a. früher Ehescheidungen grundsätzlich kaum möglich waren, da "man" es sich nicht leisten konnte.
b. früher starb der eine Teil der Partnerschaft nach 10-20 Ehejahren
c. früher hat infolge der viel kürzeren Lebensdauer die Lebensvielfalt auch anders ausgesehen: Heirat, Kinder, evtl. Grosskinder und fast die ganze Zeit im Berufsleben. Heute heisst dies: Heirat, Kinder, Grosskinder, Urgrosskinder, Arbeitsleben, Leben bis zu 40 Jahren als Pensionierte Perston ohne berufliche Tätigkeit.

Die Ansprüche sind entsprechend für eine Ehe gewachsen und die Ehen können länger dauern, bis zu 4x im Vergleich. Dies heisst auch, dass der Mensch sich in diesen vielen Jahren auch sehr verändert - ein hoher Anspruch für den Partner/die Partnerin darauf zu reagieren und sich und die Beziehung immer neu zu entdecken/definieren.

Aus meiner Sicht stellt sich theologisch deshalb die Frage nach dem Ehesakrament. Ist das wesentliche Zeichen und der wesentliche Inhalt dieses Sakramentes nicht die Liebe? Wäre es entsprechend in der röm.kath. Kirche sich zu überlegen, das Eheverständnis am orthodoxen Verständnis anzupassen? Dort wird definiert (vereinfacht formuliert): Wird in einem Feststellungsverfahren festgestellt, dass die Liebe nicht mehr vorhanden ist, dass die Ehe nicht mehr existiert. Die Ehe wird nicht annuliert; vielmehr wird sie als gegeben festgehalten und jetzt einfach als beendet erklärt, da der wesentliche Inhalt nicht mehr vorhanden ist.

Es ist diese Form, die seit vielen Jahrzehnten in Diskussion ist und einen Weg darstellen könnte für eine neue Zukunft in der Ehepastoral. Denn viele Eheleute, die sich trennen, wollen auch nicht, dass ihre Ehe annuliert wird. Denn ihre Ehe hat existiert, war vorhanden - jetzt ist sie einfach in der Liebe erloschen. Und damit ist das Ehesakrament erloschen.

Es wäre dies eine Überlegung wert.

 

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Pfarrer Kurt Vogt
Pfarrer in Näfels GL

Zum Seitenanfang
JSN Blank template designed by JoomlaShine.com