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"Wissen ist Macht," ist ein alter Spruch, der eine grosse Weisheit ausspricht.

Vielen meinen mit "Wissen" dabei oftmals, dass jemand sehr studiert ist, sich solches durch Lehre/Beruf/Studium angeeignet hat. Dies stellt allerdings nur ein kleiner Teil der Aussage dar.

"Wissen" meint zum grossen Teil Informationen, die man hat und gezielt einsetzt oder nicht-einsetzt.

Es ist erstaunlich wie in der heutigen Zeit der Umgang mit Informationen als Machtspiel gepflegt und gefördert wird. Da werden:

a. Informationen gar nicht weitergegeben aus Sicherheitsgründen
b. Informationen direkt nicht weitergegeben, aber an Dritte werden sie gezielt gestreut zur Schaffung einer Grundlage damit darauf reagiert werden kann
c. Informationen inhaltlich nur in Teilen weitergegeben damit man selber einen Spielraum hat um auf die Reaktionen reagieren zu können und einen Handlungsspielraum zu haben
d. Informationen bewusst falsch weitergegeben damit Menschen in die Irre geführt werden
e. Information dermassen in vielen Worten geschildert gegeben werden, dass der Inhalt für jeden frei interpretierbar ist und niemand genau weiss, was eigentlich gesagt werden wollte. Manche nennen dies Diplomatie, andere um den Brei herum reden, andere Reden ohne was zu sagen
f. Informationen komplett und sachlich an alle betroffenen Personen gegeben damit alle auf dem gleichen Wissensstand sind und ein Miteinander möglich ist.

Wir leben in einer Zeit in der angeblich die Kommunikation über die ganze Welt am stärksten verbreitet ist, in einer Kommunikationsgesellschaft.

Es wäre schön, wenn dies im positiven Sinne eingesetzt würde und Wissen/Information eine Bereicherung darstellt und nicht im Dienste von Manipulation und Machtstreben steht.

In den letzten Tagen kam im Schweizer Radio ein Bericht über Scheidungen in der Zeit nach der Pensionierung. Es wurde festgehalten, dass die Zahl der Scheidungen im Alter über 60 Jahren zunehmen.

Mich persönlich erstaunt dies nicht. Denn während in den Jahren zuvor in der Arbeitswelt ein Teil der Zeit gestaltet wurde - sei es er oder sie, oder beide arbeiteten -, ist es nun so, dass beide Personen Zuhause sind. So verstärken sich natürlich alle Sachverhalte, die sich in den vorgängigen Ehejahren zusammengetragen haben.

Sind wir dabei auch offen zu formulieren, dass
a. früher Ehescheidungen grundsätzlich kaum möglich waren, da "man" es sich nicht leisten konnte.
b. früher starb der eine Teil der Partnerschaft nach 10-20 Ehejahren
c. früher hat infolge der viel kürzeren Lebensdauer die Lebensvielfalt auch anders ausgesehen: Heirat, Kinder, evtl. Grosskinder und fast die ganze Zeit im Berufsleben. Heute heisst dies: Heirat, Kinder, Grosskinder, Urgrosskinder, Arbeitsleben, Leben bis zu 40 Jahren als Pensionierte Perston ohne berufliche Tätigkeit.

Die Ansprüche sind entsprechend für eine Ehe gewachsen und die Ehen können länger dauern, bis zu 4x im Vergleich. Dies heisst auch, dass der Mensch sich in diesen vielen Jahren auch sehr verändert - ein hoher Anspruch für den Partner/die Partnerin darauf zu reagieren und sich und die Beziehung immer neu zu entdecken/definieren.

Aus meiner Sicht stellt sich theologisch deshalb die Frage nach dem Ehesakrament. Ist das wesentliche Zeichen und der wesentliche Inhalt dieses Sakramentes nicht die Liebe? Wäre es entsprechend in der röm.kath. Kirche sich zu überlegen, das Eheverständnis am orthodoxen Verständnis anzupassen? Dort wird definiert (vereinfacht formuliert): Wird in einem Feststellungsverfahren festgestellt, dass die Liebe nicht mehr vorhanden ist, dass die Ehe nicht mehr existiert. Die Ehe wird nicht annuliert; vielmehr wird sie als gegeben festgehalten und jetzt einfach als beendet erklärt, da der wesentliche Inhalt nicht mehr vorhanden ist.

Es ist diese Form, die seit vielen Jahrzehnten in Diskussion ist und einen Weg darstellen könnte für eine neue Zukunft in der Ehepastoral. Denn viele Eheleute, die sich trennen, wollen auch nicht, dass ihre Ehe annuliert wird. Denn ihre Ehe hat existiert, war vorhanden - jetzt ist sie einfach in der Liebe erloschen. Und damit ist das Ehesakrament erloschen.

Es wäre dies eine Überlegung wert.

 

In diesen Tagen hat Kardinal Marx dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Viele werten dies als einen grossen Schritt infolge der Missbrauchsdiskussionen. Sinngemäss heisst es zusammenfassend: Er übernimmt Verantwortung, obwohl er sich nichts zu schaden hat kommen lassen.

Es ist dies eine schöne Begründung. Für mich jedoch ist es die grosse Frage: Warum setzt er sich dann nicht ein für die dringend nötigen Veränderungen in der Kirche, die Missbräuche usw. verhindern oder zumindest Minimieren? Wenn eine Person in seiner Stellung nicht Veränderungen mitbewirken kann, wer denn dann?

Als Beispiele der notwendigen Veränderungen seien hier - wieder mal - genannt:

a. Die Stellung der Frau in der Kirche mit dem längst fälligen Diakonat der Frau

b. Die öffentliche Unterscheidung zwischen Pflichtzölibat und Zölibat und damit die Versachlichung dieser sinnlosen und jahrhundertealten Diskussion. Abzuschaffen gilt es seit langem das Pflichtzölibat - das freiwillige soll in Freiheit gelebt werden. So wie wir Menschen auch hoffentlich auf der ganzen Welt die Zwangsehen abschaffen und Menschen sich freiwillig in Ehen verbinden möchten.

c. Die Strukturenveränderung in der Kirche, die dem Dienst am Menschen folgt auf Grund des Glaubens.

Viele sagen, es braucht dazu Mut oder es bestehe die Gefahr einer Kirchenspaltung. 

Fakt ist: Wir haben schon gelebte Kirchenspaltungen, also kann dies Problem nicht grösser werden.
Fakt ist jedoch auch, dass das Festhalten an den verkrusteten Einstellungen die Seelsorge, die Spendung der Sakramente und die Glaubwürdigkeit der Kirche erschweren.

Papst Johannes XXIII sagte mal: Die Kirche muss sich immer erneuern/reformieren.
Papst Johannes Paul II setzte hierzu viele Zeichen und Symbole.
Papst Franziskus hat bis jetzt die ersten Schritte zu Veränderungen gemacht - sehr hoffe ich, dass er auch die Veränderungen selbst macht.

Dies geschrieben am Fest Fronleichnam, das besagt, dass Gott überall unter uns Menschen sein will.  

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