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Eine alte Geschichte erzählt - hier kurz zusammengefasst - folgende Begegnung:

Ein alter Mann begegnet dem Tod/Sensenmann auf seiner Wanderschaft. Er fragt den Tod: "Wohin gehst du?" Dieser gab zur Antwort: "In die naheliegende Stadt und ich hole mir 100 Menschen in den Tod." Sie verabschiedeten sich und der Tod ging weiter.
Nach einigen Wochen traf der alte Mann den Tod/Sensenmann auf seinem Heimweg und fragte diesen: "Ich habe gehört, dass in der Stadt tausende Menschen umgekommen sind. Du hast mir gesagt, du holst nur 100." Da antwortete der Tod/Sensenmann: "Ich habe nur 100 geholt. Die anderen, das haben die Menschen selber gemacht mit ihrer Angst, ihrem Misstrauen."

Diese Geschichte - in ihrer vollen Länge sehr eindrücklich - lässt mich die heutige Situation mit dem Corona-Virus in einem besonderen Lichte sehen und sie macht deutlich, wie etwas verschlimmert werden kann, das schon schlimm genug ist. 

Viele reden immer wieder vom Coronavirus und seinen negativen Folgen, seiner Schwere und dem durch dies hervorgerufte Leiden. Zu recht wird davor gewarnt und darauf auch sachlich hingewiesen. Doch dies Leiden ist direkte Folge des Virus. (In der Geschichte wären dies die 100 Toten)

Mich beschäftigt im Augenblick viel mehr der sogenannte Kollateral-Schaden, also jener Schaden, der zusätzlich angerichtet wird und nicht direkt durch das Virus (in der Geschichte  wären dies die tausenden von Menschen). Da denke ich an:
- die Vereinsamung der Menschen
- die abgebrochenen Beziehungen und Kontakte
- das Angst haben
- das nichts mehr wagen wollen
- die zunehmenden Beziehungskonflikte, da man nichts mehr unternimmt und aneinander "klebt"
- das Sterben von Vereinen, da sich die Mitglieder nicht mehr treffen
- die abgebrochenen Nachbarschaftshilfen
usw.

So frage ich mich, ob wir selber durch unser persönliches Verhalten dem Virus nicht noch mehr Macht geben, als es hat?

Mit den Regelungen des Staates, die einzuhalten sind, kann viel gegen das Virus getan werden.

Helfen wir jedoch mit, dass die Kollateralschäden nicht mehr anrichten als das Virus selbst. Zeigen wir Solidarität, Nachbarschaftshilfe, sind wir füreinander da. Schaffen wir Beziehungen und pflegen die Kontakte (in welcher Form auch immer).

Am Seelsorgekapitel des Generalvikariates Zürich-Glarus hielt Bischof Joseph M. Bonnemain die Predigt zu den anwesenden Seelsorgerinnnen und Seelsorgern. Dabei sprach er u.a. von der angebrochenen Morgenröte in unserer Kirche und in unserem Bistum. Er meinte damit einen Neuaufbruch infolge der von Papst Franziskus initiierten nächsten Bischofssynode mit dem Fragenkatalog und die Veränderungen im Bistum Chur.

Wenige Tage danach - Fügung? - sandte mir ein befreundetes Ehepaar ein paar Fotos. Die Fotos zeigten Aufnahmen von frühmorgens mit einem riesigen Nebelmeer über dem Talboden - und sie zeigten auf der Höhe von über 1800m eine wunderbare Morgenröte mit anschliessendem Sonnenaufgang. Es sind Fotos zum Staunen über die Natur und unsere schöne Landschaft.

Die Fotos versinnbildlichen jedoch auch das, was der Bischof in seiner Predigt mit der Morgenröte nicht angesprochen hat.
Damit die Morgenröte gesehen werden kann, muss die Nebeldecke durchbrochen werden. Dies braucht Willen und Kraft, es braucht Energie und ein Ziel. - Es kann nicht einfach gewartet werden, denn die Morgenröte kommt nie unter die Nebeldecke.

So liegt es an uns allen uns einzusetzen, dass wir - die Gesellschaft und die Kirche - über die Nebeldecke gelangen und dann Anteil an der Morgenröte haben.
Im Augenblick liegt unsere Gesellschaft und die Kirche unterhalb dieser Nebeldecke und ist unser Leben im wahrsten Sinne des Wortes "benebelt". Würden wir darauf warten, bis dieser gesellschaftliche Nebel sich verzieht, würde alles stillstehen.

So liegt es an uns allen uns durch die Nebeldecke zu stossen, die Welt zu verändern und die Schönheit zum Tragen und Geniessen zu bringen. Dafür braucht es Menschen - in Politik, Gesellschaft und Kirche - die Ideen haben, sich einsetzen und damit aussetzen. Menschen braucht es, die einen Blick in die Zukunft haben.

Unser Leben ist manchmal wie ein Bergwanderung zu den Schönheiten, die Gott uns schenkt.

Morgenröte

Immer wieder werde ich gefragt, was denn ein Priester/Pfarrer heute ist und was er auch macht. Es erstaunt mich dabei erfahren zu dürfen, wie das Pfarrerverständis in den letzten Jahren immer mehr verschwunden ist und die Begrifflichkeiten auch nicht mehr in den verschiedenen Köpfen sind.

Aus diesem Grunde finden Sie hier zuerst eine begriffliche Klärung und wir machen dies im Vergleich mit einem kaufmännischen Angestellten. So finden Sie links des Schrägstriches, die Begriffe für den kaufmännischen Angestellten und rechts davon jene für Priester.
Vorausgesetzt ist das Bewusstsein, dass es in der röm.kath. Kirche 3 Weihestufen gibt: das Diakonat, die Priesterweihe und die Bischofsweihe. (Schon lange ist hier auch in Diskussion, dass Personen direkt zB. zum Priester oder Bischof geweiht werden können - ohne die jeweilige andere Stufe zuerst zu empfangen.)

Kaufmännischer Angestellter / Priester
Kaufmännischer Angestellter / Vikar (= ohne spezielle Verantwortungen und meistens die ersten Berufsjahre)
Teamleiter, Abteilungsleiter / Kaplan, Pfarrhelfer (mit Verantwortungen für einen bestimmten Fachbereich)
Filialleiter / Pfarrer (Leitung einer Pfarrei)
Regionalleiter / Dekan (Verantwortung für eine Region, steht allerdings nicht über den Pfarrern, sondern ist für deren Kontakt untereinander usw. verantwortlich, so dass regionale Themen/Anliegen miteinander besprochen werden)
CEO / Generalvikar (im Normfall hat jedes Bistum 1 Generalvikar, sind es mehrere Generalvikare werden sie unterschieden mit dem zusätzlichen Begriff "regionaler Generalvikar")

Sie sehen hieraus, dass der Priester verschiedene Bezeichnungen erhält infolge seiner Aufgaben und Verantwortlichkeiten.
Hinzu kommen noch verschiedene Ehrentitel wie Monsignore, Prälat, usw.
Schliesslich noch die Bischofsvikare, die Priester sind und Verantwortungen im Rahmen der Diözesanleitung haben und die Domherren, die an der Seite des Bischofs sind.
Ein jeder Pfarrer ist Priester, doch nicht jeder Priester ist Pfarrer.

Priester spenden die Taufe, das Bussakrament, Feiern die Eucharistie, spenden die Krankensalbung und assistieren bei der Hochzeit (die eigentlichen Spender des Ehesakramentes sind die Brautleute, der Priester oder auch Diakon assistiert). Sie können nur (!) im Auftrag des Bischofs das Firmsakrament spenden. Sie können keine Weihen spenden.

Und was ist nun die Aufgabe eines Pfarrers?
Unterteilen wir diese wie folgt (die Liste ist unvollständig):

1. priesterliche Aufgaben
- Seelsorge an Einzelpersonen und Gruppen, sei es in Pfarreien, Spitälern, Heimen Schulen usw.
- Soziales: mit Pflege und Förderung der Gemeinschaft, mit Sorge dass die Menschen leben können, Hilfe bei Konfliktbereinigung, Hilfe bei Amtsgängen, usw.
- Verkündigung: Religionsunterricht, Erwachsenenbildung
- Gottesdienst: Gebet, Spendung der Sakramente, Feier der Liturgien, Segnungen, Beerdigungen usw.
- Betreuung von bestimmten Gruppen, Vereinen

2. zusätzliche Aufgaben als Pfarrer
- Leitung der Pfarrei und Repräsentierung der Pfarrei nach aussen mit Einsitz in verschiedensten regionalen Gremien
- Personalführung mit Verantwortung für das Personal, das ihm unterstellt ist (mitarbeitende Priester, Vikare, Diakone, PastoralassistentInnen, KatechetInnen, JugendarbeiterInnen, SozialarbeiterInnen, SakristanInnen, SekretärInnen)
- Verantwortung für die pfarramtlichen Gelder: Spenden, Kollekten/Kirchenopfer, Legate
- Verantwortung für die Messstiftungen, wie und dass sie gelesen werden und wie deren Gelder verwaltet werden
- Verantwortlich/Mitverantwortlich (je nach Struktur/Statuten) für die Pfarreivereine
- Zusammenarbeit/Kontakt mit den weltlichen Ortsvereinen, -gruppen und Behörden
- Verantwortlich für die Kirchen/Kapellen (dies auch wenn sie nicht im Besitz der Pfarrei sind)
- Einsitz/Leitung in Kirchenstiftungen
- Leitung des Pfarreirates als sein Beratungsgremium/Mitarbeiterstab in pastoralen Fragen
- Einsitz im Kirchenrat/-pflege (in der Schweiz ist der Pfarrer meistens beratendes Mitglied)

Die Aufgaben eines Pfarrers sind vielfältig und unterscheiden sich nach Grösse und Region der Pfarrei bzw. auch von der Zusammensetzung mit Vielsprachigkeiten, ländlichen oder städtischen Gebieten, katholisches Stammland oder Diasporasitutation usw.

Ergänzend muss gerade in der Schweiz festghalten werden, dass Pfarrersein auf reformierter und katholischer Seite schon in den Strukturen und damit in den Aufgaben unterschiedlich ist. Der kath. Pfarrer ist zwar mit Zustimmung des Bischofs von einer Kirchgemeinde angestellt, jedoch ihr nicht unterstellt. Der kath. Pfarrer ist und bleibt einzig und allein seinem Bischof unterstellt. Der ref. Pfarrer ist sowohl von der ref. Kirchgemeinde angestellt wie auch ihr unterstellt. Das System in der katholischen Kirche Schweiz wird entsprechend "duales System" genannt und bedarf wie jedes System der Weiterentwicklung auf Grund der Erfahrungen seit Bestehen dieses Systems.

PS: In vieler Munde ist in diesen Jahren die Weihestufe des Diakonates. Viele reden hierüber, doch kennen wenige die historischen Entwicklungen. Ein sehr empfehlenswertes Buch ist: Martin VLAHO "Diakonat in der katholischen Kirche" erschienen 2021 im Adlerstein Verlag.

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