Am 19. März 2021 wird um 16.00 Uhr der neue Bischof Joseph Maria Bonnemain in der Kathedrale in Chur geweiht. Im Hinblick auf seine Tätigkeit ist in den letzten Tagen immer wieder ein Begriff zu lesen: "Er muss aufräumen."

Ja, der Bischof hat viel zu tun!

Doch es stellt sich auch die Frage, ob wir uns dies nicht zu einfach machen mit der Delegation des "Aufräumens" an den neuen Bischof.

Haben nicht auch wir unseren Beitrag zu leisten und vor Ort die Pflicht aufzuräumen? Wir würden dem Bischof seine Arbeit sehr erleichtern!

Haben wir nicht die Aufgaben zu Verbesserungen beizutragen in

a. den Pfarreien und den Kirchgemeinden?

b. in den verschiedenen Gruppierungen und Vereinen?

c. in den verschiedenen Institutionen?

Und sind wir dabei wirklich bereit uns darauf einzulassen - auch wenn es vielleicht bedeutet Privilegien zu verlieren, an Stellung "einzubüssen"?

Es gibt viel zu verbessern und vieles wieder in Bewegung zu bringen. Vieles bedarf der Veränderung - doch an jedem einzelnen Ort muss dies geschehen. Was wir vom Bischof einfordern, müssen wir auch von uns einfordern!

Eine alte Geschichte fast diese Problematik zusammen:

"Frag einen Katholiken, was ist das Wichtigste. Und er wird dir sagen: Die Messe!
Frag ihn, was ist das Wichtigste in der Messe. Und er wird dir sagen: Die Eucharistie!
Frag ihn, was ist das Wichtigste in der Eucharistie: Und er wird dir antworten: die WANDLUNG!
Sag einem Katholiken: das Wichtiste ist die WANDLUNG und er wird sich dagegen wehren."

Ecclesia semper reformanda est!

 

 

 

 

Kennen Sie die Geschichte von Kain und Abel? - Sicher! werden die meisten antworten. Kain erschlägt Abel. Und die meisten werden dies ergänzen mit dem Hinweis, dass er dies tut infolge der Nichtwertschätzung durch Gott und seiner Eifersucht auf seinen Bruder. Denn Gott - so formulieren es die meisten - bevorzugt das Opfer von Abel.

Doch dahinter steckt viel mehr als wir meinen. In der Erzählung wirft Kain eigentlich Gott schon mangelnde Wertschätzung vor. Doch Gott gibt ihm den Hinweis, dass er sein Leben anschauen soll. Gott schätzt das Opfer von Abel mehr, weil es kongruent ist. Er schätzt es mehr, weil Abel's Opfer mit dem Lebenswandel von Abel übereinstimmt. Ihm missfällt Kain's Opfer, weil ist nicht mit dem Leben von Kain übereinstimmt.

So ist für uns damit auf sehr diplomatische Weise eine alte Gepfloghenheit von uns Menschen verarbeitet. Wir meinen, dass wir einfach schnell was Gutes tun können, und dann ist alles vorausgehende/dahinterliegende vergessen. Dies beherrschen schon die Kinder und wenden es immer wieder an. 

Doch Gott sagt uns: Deine Lebenshaltung sollte stimmig sein. Nur etwas Gutes punktuell zu tun, genügt nicht - denn dies ist dann Theater, etwas Vorspielen.

Leidet nicht heute unsere Gesellschaft darunter? In den Familien, in Quartieren, in Gemeinden, in Pfarreien, im Staat, im Bistum?

Wie viele schöne Dinge werden manchmal gesagt und getan, die Aufmerksamkeit erwecken und dann - und das Vorausgehende steht dabei oftmals im krassen Widerspruch?

So ist die Erzählung von Kain und Abel eine Einladung zur Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit an uns alle.

Und Gott gab damals Kain eine neue Chance. Er gab ihm damals die Chance neu anzufangen an einem anderen Ort und niemand durfte ihn auf seinem Fehltritt behaften. 

Kennen Sie dies?

Jemand sagt Ihnen, dass offen kommuniziert wird und alle nötigen Informationen einsehbar sind?

Wenn Sie dann hinschauen, dann stellen Sie fest, dass dies einfach Buchstaben/Worte sind und Ihnen nichts sagen.

Auf das Nachfrage erhalten Sie dann Antworten wie: "das ist geheim", "das ist alles", "das ist ein vertraulicher Bericht oder gar "das steht unter dem päpstlichen Geheimnis".

Und was machen Sie? Sie werden neugierig. Sie beginnen zu hinterfragen. Sie fragen Bekannte, Freunde usw. - und auf einmal ist aus einer kleinen Anfrage ein riesiges Theater/Problem geworden. Statt 1 Person betrifft es x-Personen.

Wie heisst es doch so schön: "Wenn du willst, dass etwas schnell erzählt wird, dann sagen Sie einfach: "das ist streng geheim, es darf niemand wissen" - und bald wissen es alle.

So frage ich mich: warum wird in unserer Gesellschaft soviel auf "Geheimhaltung" geschaut. Wir haben doch nichts zu verbergen und können dies doch sagen. Damit wird kein Schaden angerichtet, sondern schlicht und einfach Information geteilt.

Sehr wünsche ich mir, dass offen kommuniziert wird um sinnlose Diskussionen zu unterbinden. Kommt hinzu: wieviel sinnlose Streitereien werden durch Nicht-Kommunikation angestellt (gilt auch für Teil-Information). Lernen wir wieder offen zu kommunizieren - und das Leben wird einfacher.

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Pfarrer Kurt Vogt
Pfarrer in Näfels GL

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