Nach Weihnachten gibt es die wunderbare Aktion "2x Weihnachten" in der Schweiz. Es ist eine schöne Idee um Menschen zu helfen, damit sie etwas Erleichterung erhalten. Doch frage ich mich, ob dies unsere Zukunft sein kann in dieser Form verschiedensten Menschen zu helfen, die grosse Schwierigketien mit den Finanzen haben - aus welchen Gründen auch immer. Die NZZ schreibt in einem ihrer Artikel am 5.1.2019, dass im Jahre 2017 in der Schweiz 345'000 Personen sozialhilfeabängig waren. Und in vielen Ausgaben davor schreibt auch die gleiche Zeitung wieviele freistehende Wohnungen wir haben - sie hinterfragt aber dabei nicht die Kosten dieser Wohnungen.

Persönlich denke ich, dass wir viel tiefer anfangen müssen und es ist meine Frage, ob wir dazu den Willen haben.

Aus meiner Erfahrung als Priester und Seelsorger seit 1987 - seit mehr als 8 Jahren im Limmattal und davor am Zürichsee - darf ich sagen, wir müssen am Grundprinzip etwas ändern, der Entstehung der Sozialfälle. Auf Grund der Erfahrnungen mit jenen Menschen, die bei uns im Pfarrhaus anklopfen und die wir in unserer Pfarrei erleben, müssen wir sagen, dass es zuerst einmal um folgende Punkte geht:

a. Steuern: Warum werden die Steuern bei angestellten Personen nicht monatlich vom Lohn abgezogen? Viel zu viele Menschen sind jedes Jahr von Neuem überrascht, wieviele Steuern sie bis Ende März bezahlen müssen. Die wenigsten Menschen legen bewusst für die Steuerzahlung das Geld monatlich auf die Seite. Es wäre dies die erste einfache Hilfe. Und dies, weil dieser Betrag dann auch nicht mehr verplant werden kann.

b. Die Wohnungsmieten: sind wir uns bewusst, dass wir in der Schweiz einen hohen Leerbestand von Wohnungen haben? Fragen wir uns aber auch nach dem WARUM? Wie viele dieser Wohnungen können von vielen Erwerbstätigen gar nicht mehr bezahlt werden, weil sie in keinem Verhältnis stehen zum erhaltenen Lohn bei 100-iger Anstellung? Früher wurde gesagt, dass die Wohnungsmiete 1/3 des Lohnes nicht übersteigen soll. Heute sind wir schon bei 1/2 des Lohnes und darum müssen z.B. bei Familien beide Elternteile arbeiten - geschweige denn die Alleinerziehenden.

c. Die Kindertagesstätten: Ist es wirklich sinnvoll diese Kindertagesstätten einzurichten, wenn ca. 2/3 des erarbeiteten Lohnes dafür hingegeben werden müssen? In Kombination mit Punkt b geht dies nicht auf. Jene Eltern, die dringendst wegen den Mieten arbeiten müssen, können sich die Kindertagesstätten/Kinderhorte - oder welche Namen sie auch immer haben - nicht mehr leisten. Wir brauchen günstigere und gute Krippen und davon mehr als heute - und wir brauchen Lösungen für jene Personen, die ihr Kind Zuhause begleiten.

d. Die Krankenkassenprämien: Warum müssen diese jedes Jahr steigen? Kann unser System nicht vereinfacht werden?
Nehmen Sie das einfache Beispiel im Vergleich mit einem Schreiner. Haben Sie bei einem Schreiner mal einen Kleiderschrank bestellt? Welche Antwort bekamen Sie? Massgeschneiderter Einbauschrank in dieser Grösse, mit diesen oder jenen Materialien: kostet Franken XY? Sie geben diesen in Auftrag mti dem abgemachten Preis, er wird geliefert und montiert. - Kein (!) Schreiner wird Ihnen vorrechnen: Vorgespräch, x-mal den Hammer gebraucht, y-mal den Schraubenzieher gedreht, usw.
Und beim Arzt? Sie haben einen Termin und dann wird alles einzeln aufgeführt, begonnen mit der Anzahl Minuten, dann was er macht, welche, Materialien gebraucht werden, usw.. Und all dies muss er dann bürokratisch notieren, von Person X überarbeitet werden, wird dann von der Krankenkasse ABC überprüft und und und und... (Logischerweise geschieht übrigens dann schon die Verdoppelung, denn sie Zahlen die Anzahl Minuten beim Arzt und die gleichzeitig stattfindende Blutdruckmessung, Pulsmessung usw. zahlen sie ja auch - die dafür verwendete Zeit wird von den Gesprächsminuten nicht abgezählt...)
Und dann haben die Krankenkassen noch ihre Werbebudgets und ihre Broker usw.

e. Bürokratie: Eigentlich müsste man eine Regel erfinden, die besagt: pro neue Regelung/Gesetz werden mindestens 2-5 abgeschafft.
Sind sie sich bewusst wieviel administrativer Zeitaufwand in all unseren Behörden geleistet wird und dies der Steuerzahler bezahlen darf. Sind aber all diese Regelungen und administrativen Entscheidungswege nötig? Brauchen wir auch x-verschiedene Gütesiegel für alles Mögliche? Nicht nur das Bauen wird dadurch teurer und damit auch die Mietwohnung, sondern in allen Lebensbereichen hat dies Konsequenzen: Nahrungsmittel, Freizeit, Schule, Bücher, usw.

Es sind dies nur 5 Punkte von Vielen. Es liegt nicht an uns festzustellen, was falsch läuft. Sondern es liegt an uns festzustellen, was falsch läuft und dieses zu verändern. Eine jede Person von uns ist dazu eingeladen (man muss auch nicht Gesetze heranziehen um zu sagen, ich kann dies nicht ändern bei mir. Bei mir kann ich alles ändern, nicht verrechnen, unbürokratisch sein). Und besonders eingeladen sich hier einzusetzen sind die PolitikerInnen.
Darum zum Abschluss die Seligpreisungen für Politiker, die der vietnamesiche Kardinal François-Xavier Nguyễn Vãn Thuận formuliert hat (und sie gelten für uns alle - auch für die Kirche):

Selig der Politiker, der als Person glaubwürdig ist.
Selig der Politiker, der für das Gemeinwohl arbeitet und nicht für seine eigenen Interessen.
Selig der Politiker, der kohärent bleibt.
Selig der Politiker, der Einheit schafft.
Selig der Politiker, der sich für die Verwirklichung radikalen Wandels einsetzt.
Selig der Politiker, der zuhören kann.
Selig der Politiker, der keine Angst hat.

Dieses Zitat finden Sie übrigens in der Botschaft von Papst Franziskus zum Weltfriedenstag 2019

 

Weihnachten - das Fest der Freude?

Sicherlich ist Weihnachten das Fest der Freude. Doch ist die Frage worüber wir uns denn freuen sollen/können. Und Weihnachten ist mehr als "nur" das Fest der Freude.

Weihnachten - es berührt mich in meinem Innersten und ist das Fest der neuen Geburt Gottes in dieser Welt. Das Fest, dass Gott uns Menschen sagt: Ihr Menschen seid mir so wichtig, dass ich euch meinen Sohn schenke. Ich schenke euch das Allerliebste. Und dieser kommt nicht einfach als Herrscher zu uns, sondern er solidarisiert sich mit uns, mit mir in meiner Lebenslage. 

An Weihnachten feiern wir, dass Gott für uns in die Dunkelheit des Lebens kommt. Durch ihn erhalten wir Licht und Zuversicht damit unser Leben in Freude gelingt und wir Hoffnung erfahren. In diesem Fest erhalten wir die Zuversicht uns den schwierigen Situationen stellen zu können, sie wahrzunehmen und zu verändern.

Jesus Christus kommt nicht in die Welt um zu sagen: Hi, da bin ich jetzt. Jetzt sind wir stärker zum Klagen, Reklamieren, Ausrufen. Er sagt vielmehr: Hier bin ich und wir gehen miteinander den Weg zur Veränderung. Wir verändern zusammen. Ich helfe dir und gemeinsam sind wir stark wieder das umzusetzen, was mein Vater gewollt hat: eine Welt in Frieden, mit Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, mit Standhatigkeit zu den Werten und zur Mithilfe damit ein jeder Mensch glücklich wird.

Weihnachten - das Fest des Glaubens an unseren Schöpfergott, des Fest des Glaubens an jenen der das Leben schenkt. Darüber freue ich mich. Dafür bin ich dankbar. - und darum schenke ich anderen Menschen etwas: meine Aufmkerksamkeit, mein Dasein, meine Zeit, oder eine kleine Gabe.

Kennen Sie Frauen? Haben Sie Angst vor Frauen?

Sicherlich, eine jede Person kennt Frauen - die Mutter, die Grossmutter, Tante, Schwester, Ehefrau, Partnerin, Schwägerin usw. -  vereinfacht gesagt: OHNE FRAUEN GEHT NICHTS IN DIESER GESELLSCHAFT. Es geht aber auch nichts ohne die Männer.

Nur ZUSAMMEN kommen wir vorwärts und können etwas bewegen. Gefragt ist entsprechend ein Selbstbewusstesein auf beiden Seiten. Und wenn ich die Diskussion in der heutigen Gesellschaft anschaue, dann habe ich das Gefühl, dass das eine Geschlecht vor dem anderen Angst hat. Aber warum? Frauen imitieren Männer mit ihrem Gehabe damit sie angeblich Erfolg haben; Männer imitieren Frauen weil sie Gefühl zeigen wollen.

Ist doch komisch: Frauen und Männer haben ihre "Macht" auf Grund ihres Daseins. Beide haben "Gefühle" auf Grund ihres Menschseins.. Niemand von beiden  muss also den anderen Imitieren - eine jede Person darf sich selber sein: Subjekt und nicht Objekt ist das Ziel des Menschseins.. 

Wie bin ich froh eine Mutter gehabt zu haben, die ihr Dasein gelebt hat und mich viel gelehrt hat. Wie  bin ich froh einen Vater gehabt zu haben, der mich was anderes gelehrt hat. Von beiden durften ich Vieles lernen und es hat mich beschenkt. - Leider sind beide schon verstorben. - Und das Schöne ist, beide haben mir auch gesagt, dass sie von mir lernen können. - Es wurde gelehrt, dass wir alle von allen lernen können, unabhängig vom Geschlecht.

Hören wir doch auf in unserer Gesellschaft mit dem sinnlosen Geschlechterkampf. Lassen wir einen jeden Menschen sich einbringen und erfreuen uns daran. Und setzen uns damit weltweit für die Gleichberechtigung ein.

Zum Abschluss: 3x im Monat gehe ich in mein Nachbarkloster und zelebriere dort eine Messfeier mit den Schwestern des Klosters. Sie bedanken sich immer dafür, dass ich komme. - Warum? - Ich habe mich bei Ihnen zu bedanken. Sie bereichern mich und sie beschenken mich und ich bin dankbar dafür. Sie helfen mir meine Arbeit in der Pfarrei zu leisten. Sie unterstützen mich und sie hinterfragen mich. Gibt es was Schöneres? - Aber nur möglich, weil wir miteinander und nicht gegeneinander wirken.

 

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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