Im Sommer 2020 hiess es, dass die Bischofswahl vor der Türe steht - und bis heute hat sie nicht stattgefunden. Seit mehr als 3 Jahren wird nun der neue Bischof erwartet und die Gläubigen in Geduld eingeübt. 

Doch dies führt auch dazu, dass eine riesige Vakanz vorhanden ist. Mit dem Rücktritt von Genralvikar Josef Annen wurde dieses Vakuum noch grösser. Es ist unterklärlich, dass die verantwortlichen Personen sich nicht bewusst sind, welcher Schaden auf diese Art angerichtet wird. 

Die Bistumsleitung ist in dieser Zeit und Form nicht handlungsfähig für die Zukunft. Fällige Entscheidungen warten einer Antwort und Lethargie macht sich bereit. - Und all dies in einer Zeit, wo die Kirche gefordert wäre Wege der Hoffnung und der Zuversicht in die Zukunft zu setzen und zu säen. 

Es wäre gefordert, dass die Kirche Schweiz mit einer Stimme sprechen würde und gemeinsame Lösungswege für die Zukunft gestartet werden. 

Dass all dies nicht geschieht, zeigt sich schon in erschreckenderweise mit dem Umgang des Coronavirus. Die verschiedenen Pfarreien in den verschiedenen Bistumsregionen - geschweige in den Bistümern - haben überall andere angehensweisen. Wie soll dies den Leuten vermittelt werden? Was kann begründet werden?

Es ist Zeit für den neuen Bischof und ein neues Mitarbeiterteam, das zusammen den Weg in die Zukunft geht und die verschiedenen Ausrichtungen in der Kirche Schweiz zusammenführt und nicht gegeneinander ausspielt. Es ist Zeit sich bewusst zu werden, dass wir nur zusammen der Leib Christi sind. - Wohl gemerkt: der Leib Christi nicht Leichnam Christi. Es ist Zeit zu zeigen, dass wir leben und da sind und gestalten auf dem Weg des Lebens.

Zurück aus meinen Ferien in Florenz stellen sich mir viele verschiedene Fragen. Am meisten Fragen stellen sich um den verschiedenen Umgang mit der Situation von Corona. Und dabei kommen mir erstaunliche Befindlichkeiten/Feststellungen in den Sinn.

Es ist die grosse Frage darin enthalten, wie gehen wir mit den neuen Regelungen um und wie lassen wir uns darauf ein? Zu meinem Erschrecken stelle ich oftmals fest, dass viele sich sehr engagieren im Kampf gegen die Regeln oder sich gegen sie stark reden und was dies alles bei Ihnen an Negativem bewirkt. 

Doch lässt sich fragen, was geschehen würde, wenn dieser Kampf gegen in einen Einsatz für umgewandelt würde? Warum lassen wir nicht die vielen Kräfte, die wir haben für das Positive wirken und sich entsprechend einbringen?

Liegt nicht eine Chance in dieser Krise, dass wir Neues beginnen? Neue Wege von uns begangen werden? Haben wir doch das Vertrauen, dass es gut wird und wir unsere Gesellschaft wieder verändern können. Verändern zu einer Gesellschaft des Miteinanders und des Füreinanders, zu einer Gesellschaft im Einklang mit der Schöpfung. 

Gerne kommt mir in diesen Tagen jener kleine Grashalm in den Sinn, der schön heranwuchs auf einem Kiesweg. Und dann wurde dieser Weg geteert und eigentlich hätte man erwartet, dass kein Gras mehr wächst. Und dieser kleine Grashalm hat sich durch den Teer gebohrt mit seiner Lebensenergie! 

Machen wir das Gleiche mit unserer Lebensenergie. Viel Kraft, Zuversicht und Mut wünsche ich Ihnen dazu. Verbunden mit dem Vertrauen, dass Vieles möglich ist - auch wenn es anders ist als das Bisherige.

Zwischendurch werde ich gefragt, was ich denn von der Konzern-Verantwortungs-Initiative halte und die Kirche sollte doch schweigen - sie sei keine politische Partei.

Na ja, sobald es um die Gesellschaft und Schöpfung geht, kann die Kirche nicht schweigen. Dies ist ein Wesensbestandteil der Kirche. Sie hat sich dafür einzusetzen. Insofern ist die Kirche immer auch politisch, da es um das Gemeinwohl, das Wohl der Schöpfung geht.

Und zur Initiative kommt mir immer wieder das riesige Engagement von den Konzernen bis zu den Betrieben mit Filialen in den Sinn, die sagen "wir haben eine "Corporate Identity" - wir haben ein gemeinsames Erscheinungsbild". Dh. das äussere Erscheinungsbild macht deutlich, dass man zusammengehört und zu wem dieses Geschäft/diese Filiale gehört. Dies macht sich sichtbar mit Logo, Schriftzug, Farbe, gleiches Briefpapier, gleicher Couvertkopf, dasselbe Logo auf der homepage, usw. - Viele Firmen lassen sich dies sehr viel kosten. Gerne erinnere ich mich an den Aufruhr in der Schweiz als eine Firma *nur" das Logo bei Ihren Filialen änderte und dann die Kosten dafür bekannt wurden. - Und viele Firmen gehen dann einen Schritt weiter: kommt man in die Filiale, dann muss alles gleich aussehen - Wiedererkennungswert heisst dies: gleiche Möbel, gleiche Vorhänge, gleiche Anordnung (In Hotelketten heisst dann sogar gleiche Zimmer, gleiche Anordnung von Empfang, Speisesaal, Aufenthaltsraum usw.). Und für dies werden nochmals etliche Kosten ausgegeben - auch mit der Begründung: Einheitlichkeit der Firma (selbst neueste Möbel werden dann entsorgt.)
Die Firmen unternehmen sehr viel für das einheitliche Erscheinungsbild nach aussen - für das äussere Auftreten! - Und alles ohne irgendein Gesetz, ganz freiwillig......

Hinzu kommen noch die vielen Gelder für die Werbung, damit das richtige äussere Erscheinungsbild in die Welt getragen wird.

Und hier kommt meine grosse Frage: Und was geschieht mit der Geschäftsphilosophie, mit der Grundhaltung des Geschäftes? Was geschieht mit den Werten, die ein Betrieb hat? Sollte man sich nicht auch da ganz freiwillig dafür einsetzen, dass dies überall geschieht, wo meine Firma einen Sitz, eine Filiale hat? - Eigentlich sollte dies eine Selbstverständlichkeit sein! - Oder geht es hier um "Schein, statt Sein"? Denn auf einmal spielt das Kostenargument eine grosse Rolle.

Ein jeder glaubwürdiger Betrieb setzt alles daran, dass das äussere Erscheinungsbild mit der inneren Grundhaltung übereinstimmt und so ausstrahlt. - Und dies sollte ohne Gesetze umzusetzen sein, eine Selbstverständlichkeit sein.

Das für mich Tragische an der Konzern-Verantwortungs-Initiative ist nicht die Initiative an sich, sondern dass über etwas Selbstverständliches diskutiert werden muss, damit es nicht um den Schein geht. 

Machen wir uns doch wieder auf den Weg, damit Selbstverständliches auch ohne Gesetze umgesetzt wird! 

Nun höre ich schon den Einwand: und die Kirche? - Es ist klar, dass sie selbst davon nicht ausgeschlossen ist und vorangehen sollte/muss, wie es im Augenblick Papst Franziskus macht mit dem Aufräumen bei den Finanzen, und für mich ein bisschen zu zögerlich in der Frage des Missbrauchs macht. Und in der Kirche Schweiz wäre und ist einiges entsprechend zu verändern.

Seien Sie sich bewusst: ob Sie für oder gegen die Initiative sind - wenn etwas nicht freiwillig geschieht, werden immer Millionen von Franken ausgegeben um Recht zu bekommen (und dabei verdient nie die Schöpfung, nie die Gesellschaft, sondern nur Einzelne auf Kosten dieser beiden).

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Als Schlussbemerkung sei vermerkt: Ein alter Bekannter von mir, der Rechtsprofessor war, sagte einst (er ist schon verstorben): "Für jedes neue Gesetz, das wir machen, sollten 10 gestrichen werden. Dafür sollte der gesunde Menschenverstand und die Ehrlichkeit wieder mehr Platz erhalten." - Hat er nicht recht?

 

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Pfarrer Kurt Vogt
Pfarrer in Näfels GL

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