Der Advent ist eine sehr stimmungsvolle Zeit und in den Strassen/Quartieren wird mit Licht und Kerzen etwas sehr Besonderes geschaffen. Dies freut mich immer wieder. Beim näheren Hinschauen lässt sich dann feststellen wie der Hintergrund hierfür allerdings schon verschwunden ist oder immer mehr verschwindet. Und so müsste man schlussendlich sagen: dann lassen wir es doch sein - oder wir setzen uns neu damit auseinander.

Advent heisst aktiv Warten auf die Geburt Jesu Christi, auf die Geburt des Gottessohnes und seine Ankunft in dieser Welt. Sich hierfür bereiten, dass sein Dasein bei mir etwas bewegen kann und ich für ihn wirklich offen bin. Es lässt sich mit dem aktiven Warten auf die Geburt eines Kindes vergleichen: die Eltern richten das Kinderzimmer her, sie bemühen sich alles für das Neugeborene schon Zuhause zu haben. Und manche werdenden Mütter haben bei sich eine Tasche fix-fertig gepackt, so dass sie - wenn es "los geht" - direkt an den Gebärort gefahren werden können und ja keine Zeit verloren wird. - Es ist ein sehr aktives Warten und sich ein Bereiten auf das grosse Ereignis. Und dabei wird die Vorbereitungszeit selber zu einem Ereignis.

Sehr wünschte ich mir, wenn dies aktive Warten sich auch wieder durchsetzen würde für den eigentlichen Anlass in der Adventszeit. Ein Warten in der Sehnsucht auf das grossartige Geschenk des Gottessohnes. Ein Warten auf die Liebe von Gott zu uns Menschen, die im Kinde Jesu sichtbar wird. Ein Warten auf die Zuwendung Gottes an uns Menschen.

So wünsche ich Ihnen allen ein aktives Warten und ein Offenwerden für die Geburt Christi in der geweihten Nacht, die geweiht ist, weil Gott Mensch wird - und darum WEIHNACHTEN heisst.

Haben Sie auch schon auf Entscheidungen gewartet? Viele warten auf diese und am Liebsten auf die Entscheidungen der anderen - bei sich kann man sich Zeit lassen. Und wenn dann mal Entscheidungen von sich fällig werden, dann heisst es oftmals: gründen wir noch eine Kommission, das müssen wir noch abklären usw.

Erstaunlich wie schnell wir die Entscheidungen von den anderen verlangen und bei sich selbst suchen wir alle ausreden um ja nicht entscheiden zu müssen oder nicht akzeptieren wollen. Beispiele gefällig:

a. Bistumseinteilung Schweiz: seit den 70er Jahren in Diskussion, abgeschmettert mit den Hinweisen auf die alte Bundesverfassung. Seitdem diese geändert wurde, ist das Hauptargument weg und jetzt hört man immer wieder Scheinargumente. Seit mehr als 40 Jahren überfällig.

b. Fussballstadion in Zürich: wieviele Abstimmungen muss es noch geben, die auch respektiert werden und nicht mit anderen Argumenten untergraben werden?

c. Ausbau von Tunnels: wo liegen denn die Interessen?

d. gesellschaftliche Veränderungen: mit welchen Scheinargumenten werden Lösungen für  Menschen im AHV-Alter blockiert, Lösungen für Mütter die bei ihren Kindern zuhause bleiben nicht angegangen?

Partikularinteressen, Parteieninteressen usw. stehen meistens all dem im Wege - so auch die ständig wachsende Administration und der bürokratische Aufwand für Kleinigkeiten. Was hat jemand mal gesagt: für jede neue Bestimmung/Gesetz sollte man 10 abschaffen. Der Wahn alles regeln zu wollen, ist zur Verhinderung der Veränderung geworden.

Möchten Sie einmal ein paar Gedanken hören über die Zukunft der Kirche Schweiz? Dann lassen Sie sich mal auf diese provokativen Gedanken ein:

a. Bistumseinteilung: Wenn alle CH-Bischöfe damit einverstanden wären, dann könnten die CH-Bistümer ganz anders aussehen. Die Frage ist einfach, ob die Bischöfe dies Wagnis eingehen möchten. Hier die Varianten
- St.Gallen: mit den Kantonen St. Gallen, Appenzell, Thurgau und Schaffhausen
- Zürich
- Graubünden und Glarus
- Innerschweiz mit Luzern, Schwyz, Uri, Obwalden, Nidwalden und Zug
- Basel mit beiden Basel, Bern, Solothurn, Aargau
- Friborug mit Fribourg, Jura, Neuenburg
- Wallis mit Wallis
- Genf mit Genf und Wadt
- Tessin

b. Perspektiven in der Seelsorge
Pfarreien mit Schwerpunkten und Stützpunktfunktionen. Abschaffung der Migrantenseelsorge und Integration ihrer Arb eit in die Schwerpunktpfarrein

c. MitarbeiterInnen / Klöster
Möglichkeiten, die das Kirchenrecht schon jetzt gibt mit einer Zusammenarbeit in der Seelsorge

d. Beauftragungen
- ständiges Diakonat von Mann und Frau
- Freiwilligenarbeit

Wollen wir solche Veränderungen? Alle Bischöfe müssten zustimmen und ihre goldigen Bereiche zur Verfügung stellen.
Seit 1974 ist die Bistumseinteilung eine Diskussion - wann wird entschieden im Dienste der Seelsorge?

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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