Haben Sie auch schon auf Entscheidungen gewartet? Viele warten auf diese und am Liebsten auf die Entscheidungen der anderen - bei sich kann man sich Zeit lassen. Und wenn dann mal Entscheidungen von sich fällig werden, dann heisst es oftmals: gründen wir noch eine Kommission, das müssen wir noch abklären usw.

Erstaunlich wie schnell wir die Entscheidungen von den anderen verlangen und bei sich selbst suchen wir alle ausreden um ja nicht entscheiden zu müssen oder nicht akzeptieren wollen. Beispiele gefällig:

a. Bistumseinteilung Schweiz: seit den 70er Jahren in Diskussion, abgeschmettert mit den Hinweisen auf die alte Bundesverfassung. Seitdem diese geändert wurde, ist das Hauptargument weg und jetzt hört man immer wieder Scheinargumente. Seit mehr als 40 Jahren überfällig.

b. Fussballstadion in Zürich: wieviele Abstimmungen muss es noch geben, die auch respektiert werden und nicht mit anderen Argumenten untergraben werden?

c. Ausbau von Tunnels: wo liegen denn die Interessen?

d. gesellschaftliche Veränderungen: mit welchen Scheinargumenten werden Lösungen für  Menschen im AHV-Alter blockiert, Lösungen für Mütter die bei ihren Kindern zuhause bleiben nicht angegangen?

Partikularinteressen, Parteieninteressen usw. stehen meistens all dem im Wege - so auch die ständig wachsende Administration und der bürokratische Aufwand für Kleinigkeiten. Was hat jemand mal gesagt: für jede neue Bestimmung/Gesetz sollte man 10 abschaffen. Der Wahn alles regeln zu wollen, ist zur Verhinderung der Veränderung geworden.

Möchten Sie einmal ein paar Gedanken hören über die Zukunft der Kirche Schweiz? Dann lassen Sie sich mal auf diese provokativen Gedanken ein:

a. Bistumseinteilung: Wenn alle CH-Bischöfe damit einverstanden wären, dann könnten die CH-Bistümer ganz anders aussehen. Die Frage ist einfach, ob die Bischöfe dies Wagnis eingehen möchten. Hier die Varianten
- St.Gallen: mit den Kantonen St. Gallen, Appenzell, Thurgau und Schaffhausen
- Zürich
- Graubünden und Glarus
- Innerschweiz mit Luzern, Schwyz, Uri, Obwalden, Nidwalden und Zug
- Basel mit beiden Basel, Bern, Solothurn, Aargau
- Friborug mit Fribourg, Jura, Neuenburg
- Wallis mit Wallis
- Genf mit Genf und Wadt
- Tessin

b. Perspektiven in der Seelsorge
Pfarreien mit Schwerpunkten und Stützpunktfunktionen. Abschaffung der Migrantenseelsorge und Integration ihrer Arb eit in die Schwerpunktpfarrein

c. MitarbeiterInnen / Klöster
Möglichkeiten, die das Kirchenrecht schon jetzt gibt mit einer Zusammenarbeit in der Seelsorge

d. Beauftragungen
- ständiges Diakonat von Mann und Frau
- Freiwilligenarbeit

Wollen wir solche Veränderungen? Alle Bischöfe müssten zustimmen und ihre goldigen Bereiche zur Verfügung stellen.
Seit 1974 ist die Bistumseinteilung eine Diskussion - wann wird entschieden im Dienste der Seelsorge?

Kennen Sie einen Stützpunkt?

In vielen Arbeitsfeldern gibt es Stützpunkte um damit schneller am entsprechend notwendigen Ort zu sein. Dies geschieht auch zur Entlastung der Organisationen vor Ort. Die Stützpunkte stehen dabei nie in Konkurrenz zu den Organisationen vor Ort, sondern ergänzen sie, unterstützen sie. Wir kennen dies besonders von der Feuerwehr, der Polizei oder den Spitälern.

Und bei der Kirche kennen wir diese Stützpunkte in der Schweiz nur in ganz wenigen Bereichen. Doch liegt hierin eine grosse Chance und Möglichkeit.

In der Amazonassynode wurde viel geredet über die Ökologie und die Schöpfung. Es wurde jedoch auch geredet über Strukturveränderungen und wie neue Stützpunkte gemacht werden können in dieser Region - in welcher Form auch immer. Vielen jubeln dem zu - doch sie hinterfragen nicht, welche Stützpunkte auch bei uns möglich wären.

Ja, auch bei uns wären Stützpunkte möglich und die Seelsorge wäre dann einfacher abzudecken und auch erleichtert. Doch wir wollen dies nicht und beharren auf Besitzstandwahrung. Zählen wir vielleicht einfach mal die verschiedenen unterschiedlich strukturierten Missionen, die in sich selbständig sind. Der diesbezügliche Verwaltungsaufwand ist immens, die Seelsorgenden müssen eigene Planungen machen und stehen dabei oftmals in Konkurrenz zu den anderen Missionen und zu den Pfarreien - seien es Territorial- oder Personalpfarreien. Und all dies während die verschiedenen Nationalitäten in der weltlichen Gesellschaft zusammenwachsen.

Was ich meine: wissen Sie wieviele Klostergemeinschaften mit Fachfrauen und Fachmännern es in der Schweiz gibt? Wissen Sie wieviele verschiedene Migrantenseelsorgen es gibt? Alle darin enthaltenen Fachkräfte - männlich oder weiblich - leisten ihre Dienste. Doch wegen der verschiedenen Strukturen der je eigenen Organisation, konkurrenzieren sie sich und ergänzen sich nicht. Und sie nehmen sich dabei wertvolle Zeit für die wichtigen Aufgaben.

Wenn auch wir hier zum System der Stützpunkte kommen würden, könnten wir uns alle sehr ergänzen, entlasten und es würden Kräfte für das Nötige frei. Dies wäre ein erster - und eigentlich einfacher Schritt, wenn man den Mut hat die bisherigen Strukturen zu überdenken. Die anderen Schritte, die die Amazonassynode einfordert, sind dabei nicht adacta gelegt, sondern wären eine logische Fortsetzung und Ergänzung.

Ändern wir uns und kommen wir zu Stützpunkten und sind wir bereit für die nötigen Schritte.

PS: Die neue Lösung im Generalvikariat Zürich ist ein Schritt auf dem richtigen Weg und betrifft die Gemeinschaften der Äthiopisch-Eritreischen Gemeinde,Chaldäer, Koreaner, Syro-Malabaren, Syro-Malankaren. Sie finden hier die entsprechende Definierung dieser Seelsorgestellen

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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