Das neue Jahr 2021 hat begonnen - auch wenn wir noch in der Weihnachtszeit stehen. 

Dabei darf man sich fragen lassen, wozu überhaupt ein neues Jahr? Könnte man nicht einfach alles beenden und aufhören? Wir hören ja fast nur noch von Einschränkungen, von Verboten, von Unerlaubtem, usw. - Die logische Konsequenz wäre eigentlich ein Verbot des Lebens, ein Verbot zu leben. - Dann haben wir alle Sorgen weg.

So dürfen wir uns die Frage stellen, wozu also ein neues Jahr, das uns geschenkt wird? Wozu das 2021?

Für die Antwort schaue ich gerne auf die Weihnachtskrippe. Hier ist Gottes Sohn sichtbar und erfahrbar. Er zeigt sich zuerst den Hirten, den einfachen Menschen, die von der damaligen Gesellschaft als Nomandenhirten am Rande standen. Ihnen macht er Hoffnung und setzt Zeichen, dass sie den Weg weitergehen und es sich lohnt sich für das Leben einzusetzen - trotz oder gerade wegen allen Widerwärtigkeiten.

Und dann zeigt sich dieses Kind den Weisen aus dem Morgenland. Sie repräsentieren die Macht in ihren verschiedensten Formen. Die Mächtigen kommen zur Krippe und huldigen dem Kinde. Sie machen damit deutlich, dass die irdische Macht und die irdischen Interessen ihre Grenzen haben und es eine grössere Macht gibt, die alles übersteigt. - Und in deren Dienst sie sich stellen lassen und sich stellen.

Diese grössere  Macht ist der Schöpfer, der sich in Liebe unser annimmt und sich mit uns solidarisiert. Es ist der Schöpfer,  der uns deutlich vor Augen führt, was wichtig im Leben ist: die Liebe, die Aufmerksamkeit, die Zuwendung, das Dasein. 

So darf ich die Antwort auf die oben gestellte Frage geben:

2021 ist uns gegeben, damit wir eingebettet in die Liebe Gottes füreinander da sind, uns Zuwendung und Aufmerksamkeit schenken.

So wünsche ich Ihnen allen ein gesegnetes und gefreutes 2021!

 

Weihnachten feiern wir vom 24.12. bis zum Fest der Taufe des Herrn - dem Sonntag nach Epiphanie/Fest der 3 Könige. Und seit vielen Jahrhunderten wird an Weihnachten eine Krippe dargestellt und damit die Szene vom Evangelisten Lukas. Wann die Krippendarstellungen wirklich entstanden sind - darüber gehen die Meinungen auseinander. Viele sagen mit dem Heiligen Franz von Assisi, der 1223 die Szene darstellte mit einem lebendigen Ochsen und einem lebendigen Esel - jedoch ohne Maria und Josef.

Können Sie sich dies vorstellen? Esel und Ochse ja - Maria und Josef nicht! So sah es zuerst Franz von Assisi. Für uns eine eigene Vorstellung und doch ist es sehr passend. Der Heilige Franziskus konzentriert sich auf das Wesentliche und die damit verbundene Botschaft: Gott wird Mensch und er kommt zu jenen, die ihren Besitzer kennen und zu jenen, die wissen, wer sie nährt.

Sie lesen richtig. Die Krippendarstellung nimmt den Bibeltext auf von Jesaja 1,3: "Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn."

Der Ochse steht für jene Menschen, die wissen zu wem sie gehören und wer ihnen das Leben geschenkt und anvertraut hat. Der Ochse ist das Zeichen der Anerkennung der Beziehung zu Gott und dass Gott unser Schöpfer ist.

Und der Esel steht für jene Menschen, die wissen, wo es Nahrung und Kraft gibt: bei der Krippe des Herrn. Es sind jene Menschen gemeint, die wissen, dass ihr Herr ihnen Nahrung gibt und diese in die Krippe legt, wo man sich bedienen kann. $

Für die heutige Zeit hat entsprechend die Darstellung mit Ochs und Esel die wichtige Fragestellung an uns, ob wir uns auch bewusst sind, zu wem wir gehören und wem wir das Leben verdanken. Und sie stellen die Frage, ob wir uns bewusst sind, wer uns wirklich die Lebenskraft gibt und uns nährt und führt.

Diese Symbolik haben wir vergessen und wir brauchen in unserer Sprache die beiden Tiere auch als "blöde, dumme" Tiere. Wie ist doch manchmal zu hören: "Du bist ein Esel. Du bist ein Ochse!" - Keiner hört diese Sätze gerne. Doch stellt sich die Frage, ob wir wirklich damit den Tieren gerecht werden und nicht wir in unserem Verhalten die "Dummen" sind, weil wir nicht anerkennen wollen, wer uns das Leben gegeben hat und wer uns nährt!

Frohe Weihnachten!

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PS: Der Esel wird es sein, der Jesus Christus nach Ägypten tragen wird....
Und eine kleine Anekdote zum Abschluss:

Als ich vor vielen Jahren im Familiengottesdienst die Kinder fragte, warum in der Krippe ein Esel steht und dieser Jesus nach Ägypten trägt? Da sagte mir ein Kind: "Herr Pfarrer, das wissen doch alle! Das wissen doch auch Sie. So dumm können sie nicht sein!" - Die ganze Kirche lachte - Auf meine Rückfrage, was denn nun die Antwort sei? Kam mit kräftiger Stimme: "Der Esel ist das einzige Tier, das ständig JA sagt - I A." - Sagen wir immer JA zur Tatsache, dass Gott uns nährt und stärkt? Der Esel - ein weises Tier.

 

Wir bereiten uns auf Weihnachten vor und viele Seelsorgerinnen und Seelsorger suchen nach Möglichkeiten wie das Ereignis von Weihnachten zu den Menschen getragen werden kann. Denn gerade in der heutigen Zeit ist die Botschaft eine sehr wichtige und grossartige: Gott wird Mensch und kommt in die Dunkelheit des Lebens. 

Wir brauchen dieses Licht der Hoffnung und Zuversicht, der Motivation und Solidarität.

Und dann wird man zum Staunen gebracht von Aussagen, die uns Seelsorgerinnen und Seelsorgern sehr nahe gehen. Da schreibt doch tatsächlich die NZZ am Sonntag vom 13. Dezember 2020 den grossartigen Titel "Bischof will Priester loswerden". Und darin wird formuliert, dass das Westschweizer Bistum 345 Priester zählt und der Bischof mit halb so vielen Geistlichen auskommen will..... - und dass es keinen Priestermangel gebe.

Sie finden hier den Link zum Artikel "Bischof will Priester loswerden"

Ja, darüber staune ich sehr und es stimmt mich nachdenklich. 

Sicher darf man sich fragen, ob alle Priester am richtigen Ort sind und es eine andere Gebietsverteilung geben kann. Es muss auch gefragt werden, ob die Strukturen in unserer Kirche Schweiz so noch stimmen mit Parallelstrukturen von Ortspfarreien, Personalpfarreien und Missionen. Hier kann sehr viel verändert werden und das Potenzial der heute wirkenden Seelsorgerinnen und Seelsorgern neu verteilt werden. 

Doch einfach die Anzahl Katholiken mit der Anzahl Gottesdienstbesuchern und der Anzahl Seelsorgerinnen und Seelsorgern zu kombinieren und in Beziehung zu setzen, ist etwas anderes. Und grosse Seelsorgeräume sind nicht die Lösung. 

Nach der Rechnung in diesem Zeitungsartikel würde es nämlich dann heissen - und hier schreibe ich aus eigener Erfahrung, da ich während 6 Jahren den grössten Seelsorgeraum des Bistums Chur geleitet hatte mit "nur" 16'000 KatholikInnen (bei ca. 40'000 Einwohnern).: Wenn 1 Pfarrer mit 1 Vikar und 1 Pastoralassistent einen Seelsorgeraum von 16'000 leitet, dann kann dieser auch in der gleichen Anordnung die ganze katholische Bevölkerung des Kantons Glarus betreuen (ca. 14'000 KatholikInnen und ca. 40'000 Einwohnern).

Wir Seelsorgerinnen und Seelsorger (Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten, Diakone, Vikare, Missionare, Pfarradministratoren, Pfarrer) sind doch nicht einfach Gottesdienstfeiernde und SakramentenspenderInnen! 

Zu unserer Berufung gehören mehrere Aufgaben - Gottesdienste sind vielleicht 1/4 des Arbeitsfeldes. Zu den Aufgaben (Glauben Feieren = Litugie, Glauben verkünden = Martyrium, Glauben sozial leben = Diakonie/Caritas, und Glauben in Gemeinschaft leben = Koinonia) gehört auch die Beziehungspflege, das Dasein und Mitsein mit den Menschen, sich Zeit für sie nehmen können in freudigen und traurigen Augenblicken des Lebens. 

Wir haben nicht zu viele Seelsorgerinnen und Seelsorger. Wir haben zu wenige, die die oben aufgeführten Aufgaben umsetzen können.

Dass wir für die Umsetzung fremdsprachige Seelsorgerinnen und Seelsorger importieren, obliegt der jeweiligen Bistumsleitung. Wenn sie geholt werden, ist klar, dass sie bestimmten sprachlichen Ansprüchen genügen müssen - ansonsten dürfen sie nicht geholt werden. - Ohne sie wäre der Seelsorgerinnen und Seelsorgermangel offensichtlicher. 

Statt von Reduzierung zu reden, wäre es sinnvoller davon zu reden wie Menschen, die  jetzt bei uns in der Schweiz leben, Freude am kirchlichen Dienst erhalten können - dann würden sich einige Aussagen des Bischofs von selbst relativieren.

 

 

 

 

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Pfarrer Kurt Vogt
Pfarrer in Näfels GL

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