Jesus Christus, Gottessohn, kommt für uns in die Welt um zu dienen. Gott macht sich klein, damit wir Menschen gross werden und wieder erkennen wer wir sind: Gottes Abbild.

Doch die Kirche in der Schweiz zeigt an vielen Orten, wie sie dieses Bewusstsein des Dienens vergessen hat und es sich nur um sich selber dreht. Dies sage ich auch als Amtsträger in dieser Kirche und ich schäme mich des Öfteren hierfür. Es zeigt sich dann, wenn Freiwilligenarbeit bezahlt werden muss.. und noch mehr zeigt es sich, wenn kirchliche Angestellte nur noch dann sichtbar sind, wenn sie für einen Auftrag in ihrer Institution, ihrer Pfarrei bezahlt sind: bei Pfarreianlässen, Gottesdienst, Unterricht, usw.

Wie sagte Generalvikar Dr. Josef Annen an der Dekanatsversammlung im November 2018 des Dekanates Albis (sinngemäss wiedergegeben): "Kirchenpflegen beklagen sich immer mehr, wenn kirchliche Angestellte nur noch dann sichtbar sind, wenn sie bezahlt werden und sonst nicht mit der Pfarrei mitleben. Damit zerstören wir unsere Kirche infolge Unglaubwürdigkeit."

Unumwunden stimme ich dem Generalvikar zu: Der Glaube, ob wir ihn feiern im Gottesdienst, ihn sozial ausleben in der Gesellschaft mit Diakonie, ihn verkünden mit unseren Worten und ihn in der Gemeinschaft leben in der Koinonia, ist nicht bezahlbar. Er ist Berufung und Leben - und er kann nicht auf bestimmte Stunden im Alltag reduziert werden.

Wenn wir Weihnachten feiern, dann gilt der Anruf des Gottessohnes in der Krippe auch allen kirchlichen Angestellten (ob Bischof, Ordinariat, Generalvikar, Priester, Pastoralassistent, Katechet, Jugendarbeiter, Sozialarbeiter, Sakristan, usw.): wir sind da im Dienste der Liebe Gottes und nicht um unser Selbstwillen. Das Zentrum ist Gott, unser Schöpfer. Wir alle sind eingeladen zu dienen.

Im Bistum St. Gallen (wenn ich richtig informiert bin), wird bei Anstellungsverträgen neu dieser Passus eingefügt:

"Für die Jugendarbeiterin/Katechetin/Pastoralassistentin / den Jugendarbeiter/Katecheten/Pastoralassistenten/Vikar/Pfarrer gelten zusätzlich zur vertraglichen Wochenarbeitszeit von 42 Stunden bei 100% folgende Präsenzzeiten:
* Die Anwesenheit bei wichtigen Anlässen wird erwartet, auch wenn die Arbeitnehmerin / der Arbeitnehmer keine besonderen Aufgaben zu erfüllen hat.
* Im Dienst der Seelsorge ist die obgenannte Person aktives Pfarreimitglied über das Pflichtenheft hinaus.
Im Interesse aller Betroffenen ist jedoch darauf zu achten, dass die Zeit für Erholung und persönliches Gebet nicht zu kurz kommt.

Vikar/Pfarrer
* Er ist zuständig für die seelsorgerliche Erreichbarkeit für Notfälle/Todesfälle. Bei seiner Abwesenheit ist er um eine Vertretung besorgt."

Mich befremdet, dass wir in der Kirche Schweiz so weit gekommen sind, dies schreiben zu müssen. So weit sind wir in der Kirche Schweiz gekommen - und WAS GESCHAH AN WEIHNACHTEN? Gottes Sohn kommt, er wird Mensch und lebt mit uns die Liebe Gottes. Das ist Weihnachten.

Der "Lohn/die Wertschätzung" all unseres Dienens ist doch die Motivation Leben zu fördern, den Menschen  beizustehen, ihnen Freude zu machen und ihnen eine Hilfe zu sein das eigene Leben in den Griff zu bekommen und mit den eigenen Talenten und Fähigkeiten glücklich zu werden. Daraus werden frohe Menschen mit Zeichen der Hoffnung und solche, die zu neuem Leben erwachen. Gibt es was Schöneres? Nein, denn darin wird erfreulich sichtbar die Liebe Gottes und seine Zuwendung. Kirchliche Arbeit ist eigentlich Hebammendienst an der Krippe Christi - nicht die Botschaft selbst, sondern die Hilfeleistung, dass die Botschaft sich entfalten kann. Es ist eben jene Botschaft, die an Weihnachten erneut in die Welt kam. DAFÜR SETZEN WIR UNS EIN in der Bereitschaft mit dem adsum in der Taufe und der Übernahme von Aufgaben und Ämtern. Frohe Weihnachten

 

Viele reden heute - auch in der Weihnachtszeit - vom neuen Bischof und den riesigen Erwartungen an ihn. Sicher, auch ich bin enttäuscht, dass wir noch keinen neuen Bischof haben, der seit 2,5 Jahren überfallig ist. Und damit steht auch zu Vieles still - und im 2022 feiern wir "50 Jahre Synode '72 im Bistum Chur".....

Doch eines fällt mir auf bei all den Diskussionen. Eine der grossen Aufgaben seit 1963 wird in keiner Erwartung an den Bischof genannt: Die Neuregelung oder Klarstellung des Verhältnisses des innerkirchlichen Bereiches zur öffentlich-rechtlichen Körperschaft. Es ist dies ein Knackpunkt in den meisten Diözesen der Schweiz.

Was ich damit meine?
Ganz einfach: ist das Verhältnis gut und läuft alles Bestens dann liegen gemäss gültiger Regelung die Finanzen bei den Körperschaften und die Pastoral in den Händen des innerkirchlichen Bereiches.
Aber was, wenn es nicht gut läuft? Tja, dann sieht es so aus:

a. der innerkirchliche Bereich wünscht sich Finanzen für ein bestimmtes Projekt, die Körperschaft sagt nein: das Projekt kann nicht realisiert werden.
b. die Körperschaft wünscht sich ein Projekt, der innerkirchliche Bereich (Bischof/Generalvikar/Pfarrer/Pfarreibeautragter/Stellenleiter) sagt nein: die Finanzen werden gesprochen und das Projekt muss realisiert werden bzw. die Stelle wird ausgeschrieben...

c. Personelles:
- der innerkirchliche Bereich wünscht sich eine neue Stelle, die Körperschaft sagt nein: die Stelle wird nicht realisiert, da keine Finanzen gesprochen sind.
- die Körperschaft will eine neue Stelle und der innerkirchliche Bereich sagt nein: dann wird diese Stelle realisiert, sofern diese Anstellung keiner Missio bedarf.
- Fakt ist: dies hat u.a. dazu geführt, dass in den meisten Organisationen der katholischen Kirche Schweiz die Amtsstellen gewachsen sind und die Pastoralstellen fast gleich geblieben sind. Im Kanton Zürich lässt sich dies gut zeigen mit den Stellenverantwortlichen in der Kommunikation. Wohlgemerkt, die Körperschaft ist für Administration zuständig und nicht für Pastoral: Der Generalvikar hat einen Verantwortlichen für die Kommunikation, die Körperschaft hat.....

d. Finanzen
der innerkirchliche Bereich ist fast komplett von der Körperschaft abhängig und ihrem Goodwill.

e. Wer hält den Kopf hin
Und wer hält dann den Kopf hin bei allen Problemen? Der innerkirchliche Bereich.....

So bleibt eine der grossen Fragen in der Kirche Schweiz und besonders im Bistum Chur: welcher neue Bischof hat den Mut diese Frage, seit 1963 offen, endlich zu klären.

Fakt ist: auch in der Kirche Schweiz muss sich sehr Vieles verändern und sich wieder der Pastoral zuordnen und nicht Schwerpunkte in der Administration setzen. Änderungen sind nicht einfach von Rom oder vom Papst einzufordern und selber die Hände in die Tasche zu legen.

 

Wie jedes Jahr hat Papst Franziskus vor Weihnachten im Rahmen des Empfangs der Kurienmitarbeiter seine Ansprache gehalten. Oftmals wird darin Rückblick gehalten und auch festgestellt, was gut oder schlecht läuft. Diesmal hat er stark das Gewicht auf die Zukunft gelegt und dabei auch den verstorbenen Kardinal Martini zitiert: »Die Kirche ist zweihundert Jahre lang stehen geblieben. Warum bewegt sie sich nicht? Haben wir Angst? Angst statt Mut? Wo doch der Glaube das Fundament der Kirche ist. Der Glaube, das Vertrauen, der Mut. […] Nur die Liebe überwindet die Müdigkeit.« (Sie finden hier die ganze Ansprache von Papst Franziskus an die Kurienmitarbeiter)

Mit seinen Zeilen macht er deutlich wie sehr unsere Kirche sich verändern muss und sich der Reformstau löst - und dabei in der Veränderung wiederum das Zentrum unseres Glaubens wieder mehr zum Tragen kommen soll. Wenn der Papst all dies seinen engsten Mitarbeitern im Vatikan, in der Kurie, vor Augen hält, dann gilt dies auch für uns an jenem Ort, wo wir leben und sind. Auch wir in der Schweizer Kirche sind eingeladen uns den notwendigen Reformen zu stellen mit einem Abbau der Administration (Gremien, Vorschriften, usw.), mit Neustrukturierungen in den Pfarreien und damit in der Pastoral, mit neuen Wegen für die Pastoral und die Seelsorge - und natürlich die Offenheit für die Veränderung in der Zulassung zu den Weiheämtern.

Vielleicht sollte eine jede Person sich dabei auch bewusst sein und in allen Diskussionen auch unterscheiden um was es geht. Veränderung heisst nicht Vernichtung, sondern Weiterentwicklung damit das Wesentliche wieder zum Tragen kommt. Veränderung heisst nicht, dass alles aufgegeben wird und die Kirche untergraben wird, sondern diese ihre Aufgabe wieder vermehrt wahrnehmen kann. Nehmen wir als Beispiele das Zölibat: wo bleibt in der Diskussion die Trennung zwischen Pflichtzölibat und freiwilligem Zölibat - nur weil das Pflichtzölibat schon lange überfällig ist für die Abschafffung (Petrus war ja auch verheiratet), heisst es nicht, dass jeder Priester dann heiraten muss - er darf freiwillig zölibatär leben und sein Zölibat erhält einen anderen Stellenwert. Oder das Diakonat der Frau: warum sich dagegen wehren mit den Argumenten Jesus sei ein Mann gewesen und die Vorrangstellung des Mannes werde untergraben. Mit der Zulassung wird doch nicht die Stellung des Mannes untergraben, schliesslich sind Mann und Frau von Gott als gleichwertige Geschöpfe geschaffen worden.

Lassen wir uns ein auf die Veränderungen und machen wir dabei mit.

 

 

 

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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