Viele reden heute - auch in der Weihnachtszeit - vom neuen Bischof und den riesigen Erwartungen an ihn. Sicher, auch ich bin enttäuscht, dass wir noch keinen neuen Bischof haben, der seit 2,5 Jahren überfallig ist. Und damit steht auch zu Vieles still - und im 2022 feiern wir "50 Jahre Synode '72 im Bistum Chur".....

Doch eines fällt mir auf bei all den Diskussionen. Eine der grossen Aufgaben seit 1963 wird in keiner Erwartung an den Bischof genannt: Die Neuregelung oder Klarstellung des Verhältnisses des innerkirchlichen Bereiches zur öffentlich-rechtlichen Körperschaft. Es ist dies ein Knackpunkt in den meisten Diözesen der Schweiz.

Was ich damit meine?
Ganz einfach: ist das Verhältnis gut und läuft alles Bestens dann liegen gemäss gültiger Regelung die Finanzen bei den Körperschaften und die Pastoral in den Händen des innerkirchlichen Bereiches.
Aber was, wenn es nicht gut läuft? Tja, dann sieht es so aus:

a. der innerkirchliche Bereich wünscht sich Finanzen für ein bestimmtes Projekt, die Körperschaft sagt nein: das Projekt kann nicht realisiert werden.
b. die Körperschaft wünscht sich ein Projekt, der innerkirchliche Bereich (Bischof/Generalvikar/Pfarrer/Pfarreibeautragter/Stellenleiter) sagt nein: die Finanzen werden gesprochen und das Projekt muss realisiert werden bzw. die Stelle wird ausgeschrieben...

c. Personelles:
- der innerkirchliche Bereich wünscht sich eine neue Stelle, die Körperschaft sagt nein: die Stelle wird nicht realisiert, da keine Finanzen gesprochen sind.
- die Körperschaft will eine neue Stelle und der innerkirchliche Bereich sagt nein: dann wird diese Stelle realisiert, sofern diese Anstellung keiner Missio bedarf.
- Fakt ist: dies hat u.a. dazu geführt, dass in den meisten Organisationen der katholischen Kirche Schweiz die Amtsstellen gewachsen sind und die Pastoralstellen fast gleich geblieben sind. Im Kanton Zürich lässt sich dies gut zeigen mit den Stellenverantwortlichen in der Kommunikation. Wohlgemerkt, die Körperschaft ist für Administration zuständig und nicht für Pastoral: Der Generalvikar hat einen Verantwortlichen für die Kommunikation, die Körperschaft hat.....

d. Finanzen
der innerkirchliche Bereich ist fast komplett von der Körperschaft abhängig und ihrem Goodwill.

e. Wer hält den Kopf hin
Und wer hält dann den Kopf hin bei allen Problemen? Der innerkirchliche Bereich.....

So bleibt eine der grossen Fragen in der Kirche Schweiz und besonders im Bistum Chur: welcher neue Bischof hat den Mut diese Frage, seit 1963 offen, endlich zu klären.

Fakt ist: auch in der Kirche Schweiz muss sich sehr Vieles verändern und sich wieder der Pastoral zuordnen und nicht Schwerpunkte in der Administration setzen. Änderungen sind nicht einfach von Rom oder vom Papst einzufordern und selber die Hände in die Tasche zu legen.

 

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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