Sie alle kennen die obgenannten Begriffe. Und ich, ich muss immer wieder darüber schmunzeln. Denn eigenartigerweise sind jene Personen, die in der Öffentlichkeit als Progressiv bekannt sind, oftmals konservativ oder veränderungshemmend und die angeblich konservativen der Veränderung förderlich.

Und darum gibt es den einfachen Hinweis, lassen wir diese Begriffe auf der Seite. Und dennoch möchte ich ein paar Beispiele geben von meinen Theologieprofessoren in den 80er Jahren (!).

Mein Kirchenrechtsprofessor Eugenio Corecco galt immer als konservativ - doch er hat immer bekundet, dass das Pflichtzölibat schon lange hätte aufgehoben werden sollen und nichts mit Tradition zu tun hat.  Er wurde Bischof und Berater des Papstes.

Mein Dogmatikprofessor - Christoph Schönborn - sagte immer, das Wesentliche des Glaubens ist, dass Gott es gut mit den Menschen meint und Gott will, dass der Mensch seine Hilfe bekommt und annimmt. Heute ist er Kardinal und Erzbischof von Wien.

Mein Liturgikprofessor sagte immer, die Liturgie ist die Feier des Glaubens an und zu Gott. Sie ist ehrlich, erfürchtig und respektvoll - sie ist aber nie Theater. Leider ist er zu früh verstorben.

Mein AT-Professor, Adrian Schenker, lehrte mich den Umgang mit der Bibel: sie ist und bleibt Gottes Wort. Doch die Worte müssen in die heutige Zeit übersetzt werden. Er ist heute nach wie vor ein sehr gläubiger und tiefgehender Mensch.

Ja, ich wäre heute froh, wenn viele sich progressiv nennend oder konservativ nennend sich wirklich sicher der Sache annehmen würden indem sie ihr auf den Grund gehen und dann sich einsetzen auf dieser Basis. Konservativ und Progressiv sind zwei Worte, die sich nicht widersprechen müssen, sondern sich ergänzen können. Wie wäre es schön, wenn es bei vielen Personen um die Sache ging und nicht um Selbstdarstellung - oder gar um Besitzstandwahrung.

Der Untergang der Kirche ist die Ungläubwürdigkeit, die Vertagung der Problemlösungen mit angeblich immer wieder neuen Arbeitsgruppen, die Administration und das Eigeninteresse - und dies beginnt auch bei den Anstellungsordnungen der öffentlich-rechtlichen-Körperschaften. Geht es wirklich noch um den Glauben oder geht es um.....?????

Glauben Sie mir nicht, dann diese einfache Frage oder Bemerkung, die ein deutscher Weihbischof nach seinem Statement an einer Bischofssynode gegeben hat. Ihm wurde gesagt, als er zu seinem Sitz zurückging: "Kompliment, Sie haben die Probleme der Kirche erkannt und auf den Punkt gebracht. Aber Ihre Zukunft ist damit besiegelt - Sie werden Weihbischof bleiben. ------- " Ja, wer was verändern will, wird nicht befördert. Wer nichts macht und zu allem Ja sagt, wird befördert...... Unabhängig vom Glauben, von der Intention.....

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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