Kennen Sie dies?

Die öffentliche Person XY gibt ihre Demission und Rücktritt bekannt. Gleichzeitig verspricht diese Person sich nicht in die Tätigkeit der in dieses Amt nachfolgenden Person sich einzumischen und zu schweigen. Dies erleben wir in Vereinen, im Berufsleben, in der Polititk und in der Kirche.

Tatsächlich gibt es dann viele, die wirklich zurücktreten und schweigen. Sie äussern sich nicht mehr und helfen in dieser Art ihren nachfolgenden Amtsträgern - und sind diesen oftmals sogar Ratgeber/Informanten im Hintergrund, doch nicht mehr in der Öffentlichkeit. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist Kardinal Karl Josef Rauber, der nach seiner Demission - obwohl er anscheinend bei recht guter Gesundheit ist - sich öffentlich nicht mehr äussert und kaum auftritt.

Dann gibt es das Gegenstück: sie behalten für sich den bisherigen Titel und fügen einen Zusatz an (aD, Ex-, Alt-, Emeritus, usw.). Sie tragen weiterhin die entsprechende Kleidung, erhalten weiterhin die Aufmerksamkeit und geben Stellungnahmen ab. Viele davon schreiben anschliessend sogar Bücher und Broschüren und formulieren, was man anders machen müsste und verstecken darin Ratschläge an ihre NachfolgerInnen. Meistens sind es dann Ratschläge für Handlungsweisen, die sie selbst nicht umsetzen wollten oder nicht konnten. Das beschämende dabei ist, dass diese oftmals nun hierfür gefeiert und gelobt werden. Und manchmal gibt es solche, die ihr Nicht-Handeln im Nachhinein irgendwie rechtfertigen wollen.

Ach, Rücktritt heisst doch: Ich trete zurück. Diese Funktion habe ich nicht mehr inne und damit dieses Amt nicht und diese Aufgabe. Ich schweige.Wie wäre es schön gewesen, wenn Papst Benedikt XVI als erst zweiter zurückgetretener Papst seinen Rücktritt auch klar sichtbar gemacht hätte. Dazu gehört nicht nur das Wort beim Rücktritt und die Zerstörung seines päpstlichen Siegels. Diesen seinen historischen Schritt hätte er untermauern und festigen können mit:

  • dem Schweigen - gesprochen und geschrieben
  • der Ablegung der weissen Soutane
  • der Ablegung seines päpstlichen Namens

Es ist schade, dass er dies nicht macht und regelmässig über ihn berichtet wird. Damit ist er Papst Franziskus keine Hilfe, sondern eine Belastung. Rücktritt heisst einen Schritt zurück treten - in den Hintergrund und nicht in den Vordergrund.

Für Pfarrer gibt/gab es übrigens mal ein unausgesprochenes Gesetz: wer als Pfarrer in einer Pfarrei demissioniert, verlässt diese Pfarrei als seine Wohnpfarrei um dem Nachfolger nicht Schwierigkeiten zu machen nur schon durch seine Anwesenheit.

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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