Einige LeserInnen haben mich gebeten meine Gedanken niederzulegen zum Kindermissbrauch durch Verantwortliche in der katholischen Kirche und so möchte ich hierzu ein paar Gedanken schreiben.

Im Grundsatz ist festzhalten: Jeder Missbrauch ist einer ZUVIEL. Missbrauch darf nirgends geschehen, weder unter Gleichaltrigen, noch zwischen Abhängigen und Vorgesetzten (was sie auch immer sind: Vater, Onkel, Cousin, Lehrer, Kursleiter, Vereinsoberer, Priester, Fussballtrainer usw.).Und dieses Übel muss nicht nur ausgerottet werden, sondern es darf zuerst einmal nicht zugelassen werden. Und wenn es geschehen ist, dann darf es auch nicht verschwiegen werden.

Daraus ersehen Sie, dass es in dieser Problematik verschiedene Themen und Akzente gibt. Beginnen wir mit dem Punkt 1.

1. Nicht verschweigen: Die röm.kath. Kirche hat - wie die ganze Gesellschaft - den Kindesmissbrauch weder ernst genommen noch etwas dagegen getan. Wie die ganze Gesellschaft hat sie darüber geschwiegen und verheimlicht. Sie hat schuldige Menschen einfach von einer Stelle auf die andere verschoben. Und damit hat sie nichts gegen das Unheil getan. Dies ist ohne Wenn und Aber zu verurteilen. Sie liess dies über Jahrzehnte zu. Und heute muss dies aufgearbeitet werden, teils mit Schwierigkeiten infolge der vielen Jahrzehnte seit dem Übergriff.
Sie lässt es aber nun auch zu, dass alle ihre Angestellten in Verruf gebracht werden und sie setzt sich nicht für sie ein. Durch das NIcht-Reagieren und nicht aktiv informieren, gibt sie diesem Unheil noch mehr Spielraum. Niemand in der Öffentlichkeit weiss im Augenblick wieviele Täter es in den letzten Jahren gab. 2017 waren im Bistum Chur 446 Priester tätig, 54 Diakone, 185 PastoralassistentInnen. Würden die Zahlen der Täter veröffentlicht, dann könnten Sie in Beziehung gesetzt werden zu den anderen, die keine Missbräuche betreiben (aber wer macht dies? Wenn es nicht die Verantwortlichen machen, dann machen es auch die Medien nicht....) Und dann kommt hinzu: die meisten der Missbräuche stammen aus der Vergangenheit. Die Verantwortlichen der katholischen Kirche sind mitschuldig, weil sie verschweigen und nicht hin stehen. Und wie schon gesagt: jeder Missbrauch ist einer zuviel!

2. Die Kirche ist ein Sinnbild der heutigen Gesellschaft: in allen Lebensbereichen ist mit Missbrauch aufzuräumen und dies nicht zu verheimlichen.

3. Das Verschweigen von Realitäten: unsere Kirche Schweiz übt sich in der Kunst des Verschweigens der Realitäten und sie versucht Besitzstandwahrung zu machen. Die Frage ist nur, von welchem Besitz. Gott gehört alles. Also muss man sich nicht darum sorgen. Wir können uns einlassen auf die Veränderungen und uns ihnen stellen. Dazu braucht es aber Rückgrat: für die Bestrafung der Täter und für den Schutz der Unschuldigen.

4. Und dann gibt es auch den Umgang mit der Sexualität. Gerne wird in diesem Zusammenhang immer wieder auf die katholische Kirche eingeschlagen und sie heruntergemacht. Doch ist dies gerechtfertigt? Gemäss katholischer Lehre ist die Sexualität eingebettet in die Liebe, die sich 2 Menschen schenken. Sie ist weder Konsum, noch Unterdrückung, geschweige denn eine Ware. Doch was macht unsere Gesellschaft? Sexualität wird auf Sex reduziert. Sie verkommt zu einer bezahlbaren Ware, sie verkommt zu einem One-Night-Stand und am nächsten Tag ein anderer, sie verliert ihre Intimität indem sie auf eine körperliche Aktivität reduziert wird. Nehmen wir nur als exklusivstes Beispiel die USA: einerseits ein sich sehr prüde darstellendes Land und andererseits mit der weltweit grössten Pornoindustrie.

5. Die Medien: gerne beschreiben die Medien die negativen Aktivitäten bei LehrerInnen, VereinsleiterInnen, Erziehungsberechtigten, Seelsorgern usw. - Ist dies jedoch ehrlich und nicht zweideutig oder gar scheinheilig? Wieviel Geld wird mit der Sexualität gemacht indem nackte Personen gezeigt werden, mit ihnen Werbung gemacht wird, Filme ohne Nacktszenen fast nicht mehr existieren usw. - Wo liegt hierin die Verantwortung?

Fazit: Wir alle müssen wieder zurückkommen zu einer gesunden Sexualität - auch in ihrer Intimität. Zürückkommen zu einem Miteinander der beiden Geschlechter und nicht der gegenseitigen Angst. Zurückkommen zu Ehrlichkeit und Fairness. Weg von Geltungsdrang und Selbstdarstellung. Zur Einbettung von Sexualität in die Liebe. Oder vereinfach gesagt: WIR MÜSSEN WIEDER MENSCH WERDEN.

 

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

Zum Seitenanfang
JSN Blank template designed by JoomlaShine.com