Na ja, es heisst ja oft, dass die Kirche sich nicht in die Politik einmischen soll. Aber sind wir ehrlich: Politik heisst sich einsetzen für das Gemeinwohl - und das,  ja das ist auch eine Aufgabe der Kirche.

Und dann stehen wir also mittendrin in der Wohnungsnot. Hier in Schlieren werden hunderte von Wohnungen gebaut und in vielen Regiionen der Schweiz geschieht das Gleiche. In den Medien heisst es dann: Überangebot an Wohnungen, grosser Wohnungsleerstand, usw.

Die Titel und die Texte stimmen zwar; sie stimmen jedoch nur, weil nicht auf den Hintergrund geschaut wird.

Und der Hintergrund ist einfach: Die Wohnungen sind zu teuer!

Ja, es werden massenhaft Wohnungen gebaut. Doch wer soll sie bezahlen?

Wie viele meiner 7000 Pfarreiangehörigen können sich für ihre Familie eine Wohnung leisten mit 4,5 Zimmer und 2500-5000 Franken? Es bedeutet wegziehen oder sich andernorts niederlassen. Mit Fr. 4000/5000 Monatslohn und 2 Kindern ist dies schlicht und einfach unmöglich. Der Wohnungsleerstand ist nicht bedingt durch mangelnde Nachfrage, sondern durch zu hohe Preise.- Doch welche Politiker wollen dies einsehen?

Viele sind der Auffassung, dass man gute Steuerzahler braucht - also Einkommen von 7000 und aufwärts. Aber ist dies Realität....?.

In meiner Gemeinde Schlieren.arbeiten und leben viele Menschen die haben/hatten einen Monatsverdienst von 3500.- Fr. aufwärts. Wie soll ich dann in der Pension oder noch im Berufsleben die Wohnung zahlen können?
Viele leben in alten Wohnungen, die jetzt saniert werden - und danach 350-500 Franken mehr kosten: wie auf einmal finanzieren?

Es stellt sich sehr die Frage in unserer Gessellschaft - nicht nur bei der Mietpreisfrage: Ist Gewinnmaximierung das Ideal oder geht es um eine gesunde und ausgeglichene Gesellschaft in der alle leben können?

Ehrlich: wir brauchen auch in Schlieren Wohnungen, die 1500.- Franken für 4,5 Zimmer kosten (der Standard muss nicht exklusiv sein, sondern lebbar). Wir müssen weg von den Luxuswohnungen mit 2500/3000 Franken für 4,5 Zimmer. Wir brauchen Wohnungen, die für Familien finanzierebar sind und auch für die Pensionierten.

Ja, ich weiss, es kommt der Einwand, es können ja beide Elternteile arbeiten. Ja, das ist möglich. Doch ca. 80% des Zweitlohnes gehen dann an die Tagesstätte/Kinderkrippe oder wie sie es nennen wollen. Was bleibt dann noch übrig?

In einer Doktorarbeit über den Frieden in einer Stadt/einem Dorf wird festgehalten: der Friede eines Dorfes besteht darin, dass in einem Quartier alle Schichten (reiche und arme) vertreten sind; überall wo es ein reines Quartier der Reichen oder der Armen gibt, gibt es dann Unruhen. Eine erstaunliche Feststellung (vgl. ein Artikel der NZZ über eine Doktoratsarbeit einer Syrischen Doktorandin). - Komisch, für diesen Sachverhalt hol ich mir Referenzen einer ausländischen Person aus einem Krisengebiet....

Ach ja, wissen Sie was sich in Schlieren abspielt? (Schlieren ist ein Vorort im Westen von Zürich - mit einst vielen angelehrten ArbeiterInnen (heute oftmals Fachkräfte): viele Alteingesessene müssen wegziehen, weil sie die Wohnungsmieten nicht mehr zahlen können. Sie ziehen in die Nachbargemeinden. Die StadtzürcherInnnen kommen nach Schlieren, weil sie die Preise in Zürich nicht mehr zahlen können, aber jene in Schlieren.... Ist dies nicht eine verkehrte Welt? Gewinnmaximierung oder Lebensqualität?

Wir arbeiten um Leben zu können und dazu gehören auch bezahlbare Wohnungen!

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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