Wieder musste sich Papst Franziskus zu Missbrauchsfällen äussern - diesmal in den USA. Die Untersuchung, auf die er sich bezog, zeigt ua. auf, dass etliche Fälle schon einige Jahrzehnte zurückliegen und die Täter teils schon verstorben sind. Ein jeder solcher Übergriff ist zu verurteilen und zu ahnden. Da nützt es der Kirche auch nichts, wenn einige Verantwortliche darauf verweisen, dass solche Übergriffe auch in Familien oder anderen Berufsgruppen geschehen. Unrecht lässt sich nie rechtfertigen mit dem Hinweis, dass andere es auch gemacht haben oder auch machen.

Die Frage, die jedoch über allem auch hängt, ist: Warum hat die katholische Kirche es nicht begriffen, dass in allen Ländern dieser Problematik nachgegangen wird und zwar sofort? Was hat die Kirche denn erreicht mit dem Schweigen? Ist in einem Land etwas festgestellt worden, kam dies in die Medien. Dann wurde es still - und das nächste Land kam dran, dann wurde es still und wieder das nächste usw.. Damit wurde das Problem nicht gelöst...

Dieses Problem hätte schon längst länderübergreifend angegangen werden müssen und damit die Kirche sowohl Aufarbeitung und Vorbeugung leisten können. Wie heisst ein altes Sprichwort: "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende." Manchmal ist die Wahrheit hart zu verarbeiten. Wird sie jedoch verarbeitet, können daraus positive neue Akzente wachsen - und dies gilt auch für die Kirche. Entsprechend hoffe ich sehr, dass die gesamte Kirche Schweiz hierin alles gemacht hat/macht und nicht nach einigen Monaten oder Jahren wieder etwas kommt.

Vielleicht müssen sich alle wieder mal daran erinnern, was Priester bei der Diakonatsweihe und Priesterweihe, und der Bischof bei der Bischofsweihe versprechen: "adsum" - ich bin bereit mich einzusetzen für den Glauben, für die frohe Botschaft Christi im Dienste der Menschen und zum Lobe Gottes. Bereit sein sich einzusetzen heisst auch sich aussetzen. Wohlgemerkt: es heisst sich aussEtzen und nicht aussItzen. Dieser kleine Buchstabenwechsel "e" statt "i" macht die Differenz aus. Nur wenn wir uns alle einsetzen, setzen wir uns für die Botschaft Christi aus und bringen sie wieder zum Tragen.

"Adsum", ich bin bereit - sollte von allen wieder gelebt und gepflegt werden. Dann wäre auch sichtbar, dass die Priester, Bischöfe, SeelsorgerInnen für die Menschen im Dienste des Glaubens da sind - und nicht umgekehrt. Und dann machen wir es so wie es Jesus getan hat: er hat hingeschaut und gehandelt.

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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