In den letzten Wochen wurde wiedermal das "Pflichtzölibat" in den Medien diskutiert und besprochen. Gemeint ist damit das Ledigsein auf Grund des Gesetzes wie es die katholische Kirche für Ihre Priester und Bischöfe definiert. Bei den Begründungen für oder dagegen werden teils falsche Informationen weiter gegeben und teils Kombinationen gemacht mit Themen, die damit nichts zu tun haben. Lassen Sie mir deshalb hier einmal ein paar Punkte festhalten:

1. Durch die Aufhebung des Pflichtzölibates hätten wir ein paar gute Priester/Bischöfe mehr im kirchlichen Dienst.
2. Die Aufhebung löst jedoch nicht das Nachwuchsproblem der katholischen Kirche und deren Glaubwürdigkeit
3. Das Pflichtzölibat hat im Ursprung rein gar nichts mit der Verfügbarkeit für die Gemeinschaft zu tun oder der Fragestellung der Sexualität
4. Die Verfügbarkeit ist auch heute trotz Pflichtzölibat nicht gegeben. (oder warum hören wir an den verschiedensten Priesterstellen Anrufbeantworter, Öffnungszeiten usw. und Priester die darauf angesprochen werden, antworten dann: auch ich brauche meine Ruhezeit, meinen freien Tag usw.)
4. Jene Priester, die freiwillig das Zölibat leben - und ich wage zu behaupten, dass dies sehr viele sind - müssten sich nicht ständig für ihre Lebensform rechtfertigen (auch in der heutigen Zeit, wo das Single-Leben hoch im Kurs ist)

Kommen wir zu den Fakten:

a. Das Pflichtzölibat ist geschichtlich gewachsen und entstanden auf Grund der materiellen Interessen der Kirche - und nicht wegen Fragen der Sexualität, Familie oder Verfügbarkeit. Es ging darum, dass das Eigentum der Kirche nicht auf Familienangehörige übertragen wurde - und um die Verhinderung, dass damals - als Bischöfe noch verheiratet sein konnten - ihr Bischofsamt nicht auf ein Kind übertrugen, das evtl. sogar gar nichts mit Religion "am Hut hatte".
b. Es ist gewachsen und fixiert worden im 12. Jahrhundert
c. Jesus Christus hatte unter seinen Jüngern ledige, verheiratete, verwitwete Personen:

Der heutige Stand sieht so aus, dass die römisch-katholische Kirche verheiratete Priester kennt:
1. Wenn ein verheirateter reformierter Pfarrer zur katholischen Kirche übertritt, darf er als verheirateter katholischer Pfarrer wirken
2. Eigen ist es, wenn ein verheirateter Pastoralassistent Priester werden will: dann muss er warten bis seine Frau gestorben ist und dann wird er geweiht
3. Die mit der römisch-katholischen Kirche unierte Kirche kennt den verheirateten Priester (jedoch nicht den verheirateten Bischof)
4. Papst Paul VI hatte das Gesetz zur Aufhebung des Gesestzes vom Pflichtzölibat 1977 unterschriftsreif auf seinem Arbeitstisch und damit waren die theologische Diskussion und alle Abklärungen abgeschlossen. Unterschrieben hat er nicht mit der Begründung, dass er bald sterben werde und ein solch wichtiger Akt jener unterschreiben sollte, der ihn auch umsetzen muss. 1978 verstarb er.

Ob man für oder gegen das Pflichtzölibat ist, ist die eine Frage. Die Diskussion hierüber ist aber eigentlich abgeschlossen, so dass nur die Frage ist, ob man dies will oder nicht.
Das Zölibat selbst würde in seiner Freiwilligkeit jedoch weiterleben und hätte einen neuen Stellenwert, den es schon immer verdient hat. Es ist die Frage des Willens.

Sicherlich ist in der heutigen Zeit zu überlegen, was für die katholische Kirche wichtiger ist:
die Beibehaltung eines kirchlichen Gesetzes, das erst im 12. Jahrhundert entstanden ist - oder die Verhinderung der Spendung von Sakramenten, die als die 7 Quellen des Heiles der Kirche genannt werden infolge eines solchen Gesetzes.

Wohlgemerkt: Die Aufhebung des Pflichtzölibates würde ein paar gute Priester/Bischöfe mehr ermöglichen, aber die Nachwuchsprobleme der Kirche wären damit nicht gelöst. Die Kirche könnte sich wieder mehr ihrer wesentlichen Aufgabe zuwenden: dem Dienst an den Menschen in der Spendung der Kraft Gottes - auch durch die Sakramente.

Und schieben wir nicht immer vor, dass noch abgeklärt werden muss.

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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