In unserer Gesellschaft ist vieles (zu vieles) reglementiert. Für fast alles gibt es eine Regel und dies gilt auch für das Arbeitsleben. In den Pflichtenheften, Anstellungsordnungen und den verschiedensten GAV oder Gesetzen steht so vieles drin, dass eigentlich fast alle wissen, was zu tun ist. Vereinfacht gesagt, heisst dies dann: Die Regelungen umsetzen und einhalten.

Und was haben all diese Regelungen gebracht? Viele kennen "nur" noch jene Bereiche, die aus ihrer Sicht wichtig sind - der Arbeitnehmer kennt seine Rechte, der Arbeitgeber die seinigen. Die Pflichten werden dann oftmals negiert, übersehen - oder dann wird etwas sein gelassen, was eben nicht formuliert wird.

Und hier beginnt der Unterschied, von Job, Beruf und Berufung. - Und wir? Sehnen wir uns nicht vermehrt nach Personen, die wieder die Berufung leben und pflegen und Menschen, die ihre Berufung finden.

Job: ist doch nichts anderes als das Umsetzen dessen, was mir den Lohn rechtfertigt - nicht mehr und nicht weniger. Ich mach es, weil es gemacht werden muss und der Stolz auf die Arbeit, die Identifikation damit fehlt.

Beruf: es ist mir wichtig in diesem meinem Arbeitsfeld das Beste zu machen und mich zu engagieren. In der Zeit, in der ich arbeite, tue ich alles für diesen Bereich, ich setze mich dafür ein, engagiere mich und suche selbst nach Lösungen. Doch nach der Arbeitszeit ist es fertig, abgeschlossen.

Berufung: meine Aufgabe ist ein Teil von meiner Identität, sie entspricht meinen Fähigkeiten und Talenten und lässt sich nicht auf 42-Stunden-Anstellungen einordnen. Die Aufgaben werden wahrgenommen als Teil meines Lebens und damit gehen diese Gedanken auch ausserhalb der "Arbeitszeit" hierin auch weiter. Es schmerzt, wenn jemand anders die gleiche Aufgabe nur als Job versteht oder als Beruf.

Job - Beruf - Berufung: dies ist auch eine Frage in der Kirche. Eine Frage, die an das Fundament der Kirche geht. Denn mit welcher Motivation wird die Arbeit in der Kirche gemacht: als Job, als Beruf, aus Berufung? - Die Glaubwürdigkeit der Kirche steht damit auf dem Spiel. Es kann nicht gepredigt werden, wie wichtig einem die Kirche, der Glaube ist - und man geht nur dann in die Kirche, wenn man hierfür bezahlt ist. Es kann nicht Freiwilligkeit der Pfarreiangehörigen eingefordert und selbst nichts darin beigetragen werden.

Berufungen sind gefragt im Wandel der Kirche - für die Zukunft der Kirche. Und nicht das Job-Denken mit den Anstellungsordnungen im Hinterkopf.

 

Warum setzen wir uns ein für das Leben, für die Mitmenschen, die Schöpfung?

Manchmal denke ich mir, der Einsatz ist einzig und allein wegen der Selbstdarstellung und man vergisst, alles andere.

Jesus Christus zeigt uns, dass wir für die Menschen da sind und nicht die anderen Menschen für uns. Es geht nicht um Profit, Karriere oder was anderes, sondern um den Dienst an den Menschen, die uns begegnen. Mit Ihnen leben wir, für sie sind wir da und von ihnen laseen wir uns beschenken. Das Geheimnis von Ostern liegt hierin verborgen und ist hierin getragen.

So mache ich mir keine Sorge um die Botschaft Jesu Christi, die die Botschaft der Kirche ist. Sorgen mache ich mir jedoch um die Kirche selbst, die vergessen hat, für was sie da ist und dies wieder erkennen musss.

Sie musss es erkennen, damit sie weiterhin eine Berechtigung hat.

Und wenn viele Verantwortliche immer sagen, die Kirche braucht Zeit, dann muss ich sagen: Jesus hatte 3 JAHRE - hören wir also auf mit diesem verzögernden Argument und der falschen Rechtfertigung.

Kennen Sie dies?

Die öffentliche Person XY gibt ihre Demission und Rücktritt bekannt. Gleichzeitig verspricht diese Person sich nicht in die Tätigkeit der in dieses Amt nachfolgenden Person sich einzumischen und zu schweigen. Dies erleben wir in Vereinen, im Berufsleben, in der Polititk und in der Kirche.

Tatsächlich gibt es dann viele, die wirklich zurücktreten und schweigen. Sie äussern sich nicht mehr und helfen in dieser Art ihren nachfolgenden Amtsträgern - und sind diesen oftmals sogar Ratgeber/Informanten im Hintergrund, doch nicht mehr in der Öffentlichkeit. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist Kardinal Karl Josef Rauber, der nach seiner Demission - obwohl er anscheinend bei recht guter Gesundheit ist - sich öffentlich nicht mehr äussert und kaum auftritt.

Dann gibt es das Gegenstück: sie behalten für sich den bisherigen Titel und fügen einen Zusatz an (aD, Ex-, Alt-, Emeritus, usw.). Sie tragen weiterhin die entsprechende Kleidung, erhalten weiterhin die Aufmerksamkeit und geben Stellungnahmen ab. Viele davon schreiben anschliessend sogar Bücher und Broschüren und formulieren, was man anders machen müsste und verstecken darin Ratschläge an ihre NachfolgerInnen. Meistens sind es dann Ratschläge für Handlungsweisen, die sie selbst nicht umsetzen wollten oder nicht konnten. Das beschämende dabei ist, dass diese oftmals nun hierfür gefeiert und gelobt werden. Und manchmal gibt es solche, die ihr Nicht-Handeln im Nachhinein irgendwie rechtfertigen wollen.

Ach, Rücktritt heisst doch: Ich trete zurück. Diese Funktion habe ich nicht mehr inne und damit dieses Amt nicht und diese Aufgabe. Ich schweige.Wie wäre es schön gewesen, wenn Papst Benedikt XVI als erst zweiter zurückgetretener Papst seinen Rücktritt auch klar sichtbar gemacht hätte. Dazu gehört nicht nur das Wort beim Rücktritt und die Zerstörung seines päpstlichen Siegels. Diesen seinen historischen Schritt hätte er untermauern und festigen können mit:

  • dem Schweigen - gesprochen und geschrieben
  • der Ablegung der weissen Soutane
  • der Ablegung seines päpstlichen Namens

Es ist schade, dass er dies nicht macht und regelmässig über ihn berichtet wird. Damit ist er Papst Franziskus keine Hilfe, sondern eine Belastung. Rücktritt heisst einen Schritt zurück treten - in den Hintergrund und nicht in den Vordergrund.

Für Pfarrer gibt/gab es übrigens mal ein unausgesprochenes Gesetz: wer als Pfarrer in einer Pfarrei demissioniert, verlässt diese Pfarrei als seine Wohnpfarrei um dem Nachfolger nicht Schwierigkeiten zu machen nur schon durch seine Anwesenheit.

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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