In Rom ist noch immer die Bischofssynode im Gange. Zwar ist die Hauptthematik die Jugend, doch kommen auch Themen zur Sprache, die die gesamte Weltkirche betreffen - aus Sicht von der Jugend. So erstaunt es nicht, dass die Themen Sexualität, Stellung der Frau, Soziales, Diakonat der Frau, usw. angesprochen werden. 

Mich freut es, dass über alles geredet werden kann und entsprechend niemand einen "Maulkorb" verfasst bekommt. Schön, dass es nicht mehr Mut braucht zu reden, sondern dies gewünscht ist. Mut braucht es jedoch dann, wenn es um die Umsetzung und die Veränderungsprozesse geht. Und da freuen mich auch die Schwestern von meinem Nachbarkloster, die sich in der Öffentlichkeit einsetzen mit dem Hinweis, dass die Frauen auch mitreden und mitstimmen möchten. Betrachten Sie hierzu die Seite auf kath.ch Stimmrecht in der Kirche - auch für Frauen

Wie wichtig diese Stimmen auch sind, zeigt sich auch, wenn wir die Statistik in der Schweiz der Priester anschauen Priesterstatistik Kirche Schweiz.Sicherlich die Stimme der Frau ist schon lange wichtig in der Kirche und hätte schon lange ihren Platz erhalten sollen - nicht nur im Hintergrund. Sie wird noch wichtiger, wenn wir die Kirchenstatistik anschauen und wir uns bewusst werden, welch riesiges Potenzial an Wissen, Können, Einsetzungskraft wir bisher kaum zum Zuge haben kommen lassen. 
Und die Statistik zeigt auch die Notwendigkeit auf, wie wir die bisherige Pastoral überdenken müssen und zu einem Ort der pfarreilichen Arbeit werden, zu einem Ort der christlichen Gemeinschaft und nicht zu Nationalkirchen, wie dies in anderen christlichen Gemeinschaften üblich ist.

Es braucht Mut sich einzusetzen für die Veränderung. Freuen wir uns, dass es immer wieder Menschen gibt, die dies machen. Unterstützen Sie diese und beginnen Sie selbst damit.

Na ja, was hat Paulus nicht alles angestellt. Was hat er nicht alles durch sein Verhalten geändert - bei sich, bei den andern? Am Ende der Reise geht mir ein anderes Licht von Paulus auf bzw. sein Licht erstrahlt neu. Er hatte Mut zur Veränderung und kehrte sich selbst um 180Grad und dann die Menschen um sich und damit die Gesellschaft. Und was heisst dies für uns?

Sich ändern und bei sich anfangen, das bringt für mich Paulus zum Ausdruck mit dem Bild des Leibes Christi: jede Person ist Teil davon und bringt sich ein und ist wichtig. So sollte jede ihren Beitrag bringen zum Wohle aller und zum Lobe Gottes. Und hier meine konkreten Vorschläge für Veränderungspositionen:

a. Weltkirche
- Verkleinerte Administratur in Rom
- Mehr Verantwortungsübernahme in den Ortskirchen
- verstärkte Oekumene und schon jetzt mit der Darstellung dessen, was schon alles gemeinsam ist in den christlichen Gemeinschaften der einen Kirche
- Die Stellung der Frau
- Die Zulassung zu den Weihen und zu anderen Aufgaben
- Weg vom Personkult zum Liebesdienst

b. Schweizer Kirche
- Persönlichkeiten, die sichtbar sind
- Miteinander der Bischöfe
- Vorausgehen in gesellschaftlichen und kirchlichen Fragestellungen
- Position beziehen
- Neuüberlegung der Pastoral

c. Pfarreien
- Ueberlegungen zu den Grössen der Pfarreien, so dass Beziehungsarbeit möglich ist
- Bezugspersonen
- Miteinander aller Nationalitäten in einer Pfarrei
- vermehrte Pflege der Gemeinsachft (Koinonia) und der Caritas (Liebesdienst, Sozialdienst)
- da sein für alle

Es sind dies nur einige Punkte, die sich erweitern lassen. Und alles, weil man bei sich beginnt mit dem sich EINSETZEN  und damit aussEtzen - nicht aussItzen.

 

Als ich mich von der Oberin meines Nachbarklosters verabschiedete infolge der Weiterbildung zum Thema "Auf den Spuren des Paulus" in Griechenland, bekam ich als Wunsch mit auf den Weg: Komm gesund wieder zurück und mit viel Mut.

Wenn ich nun die ersten Tage hier auf den Spuren von Paulus in Griechenland unterwegs bin, dann fährt es mir Kalt über den Rücken, weil mir bewusst wird, wieviel Mut dieser Paulus damals hatte. Er betrat Europa in Griechenland und gründete von hier aus Gemeinden, Gemeindern mit der Botschaft der Liebe und der Zuversicht. Er landete im Gefängnis, hatte Reiseschwierigkeiten, wurde abgelehnt, ausgelacht, verspottet - und er blieb der Botschaft treu. Dieser Mann hatte Mut und Gottvertrauen. Die Taufe von Lydia ist nur eines von vielen Beispielen: in dieser Zeit eine Frau in die Gemeinschaft aufzunehmen, bei ihr einzukehren und und... Mit welchen Worten hat er sich eingesetzt für das Leben und das Miteinander in der wunderbaren Schöpfung. Und er hat den Menschen Mut gemacht.

Heute kann ich seine Stationen bequem und ohne Sorgen besuchen. Ich sehe wunderbar schöne Mosaiken an diesen Stellen und ich frage mich: Die Schönheit dieser Mosaiken ist herrlich anzusehen, doch wo bleibt die Schönheit des christlichen Daseins in unserer Gesellschaft sichtbar und erfahrbar. Ja, ich frage mich, ob wir uns nicht einfach des Vergangenen rühmen und es sein lassen wollen.

Paulus hatte Mut und ich wünsche mir diesen Mut auch wieder in unserer Kirche: Selbstbewusst aufzutreten im Vertrauen auf Gott, Neues zu bewegen und den Menschen zu helfen glücklich zu werden. Da zu sein und sich zu engagieren für das Leben und die Freiheit. - Ich wünschte mir, dass unsere Kirche wieder den Mut hat, wie es Paulus hatte. Ich wünschte mir, dass die vertrauenszusagen in den Thessalonicherbriefen auch unsere Bischöfe und Verantwortlichen in den Administrationen hören und sie Veränderungen zulassen und initiieren. Dabei wir alle mithelfen und im heutigen Umbruch der Gesellschaft wir wieder zu einem tragenden Pfeiler werden.

Und zu verändern gibt es Vieles - nicht nur von Rom Veränderungen zu erwarten, die teils sogar schon im Zweiten Vatikanischen Konzil niedergeschrieben oder diskutiert wurden. Brechen wir auf, wie Paulus aufgebrochen ist und befreien wir unsere Strukturen, die im Dienste des Glaubens standen, von den Altlasten und vom Staub und lassen sie wieder in deren Dienst stellen: die Erleichterung, das Miteinander und Füreinander, die Solidarität und die Subsidiarität, die Liebe und das Leben.

Und dies war doch Paulus in jener Zeit: Orientierung, Fels in der Brandung, Motivator.

Auf Gute Zeiten

Sie finden hier Fotos von Stationen des Paulus:

"Auf den Spuren des Paulus"

Carpe Diem

kurt vogtAuf diesen Seiten erstelle ich in loser Reihenfolge Blogeinträge zu Reisen, Gedanken oder zum Zeitgeschehen.

Es freut mich, wenn Sie regelmässig vorbei schauen und meine Gedanken und Berichte lesen.

Ihr Kurt Vogt
Pfarrer in der Pfarrei Schlieren

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